Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malaria: Neues Impfverfahren im klinischen Test

25.04.2014

Im Institut für Tropenmedizin des Universitätsklinikums Tübingen startet eine klinische Phase-I-Studie, mit der ein vielversprechendes Impfverfahren zur Malaria-Prävention auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet wird. Die Studie ist ein Projekt am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung im Schwerpunkt „Malaria“.

Trotz vieler Versuche ist es bisher nicht gelungen, die Malaria erfolgreich zu kontrollieren. Im Gegenteil: Resistenzen gegen gängige Medikamente erschweren die Bekämpfung der gefährlichen Infektionskrankheit. In dieser Woche nun startet am DZIF-Standort Tübingen im Institut für Tropenmedizin des Universitätsklinikums eine klinische Phase-I-Studie, mit der ein vielversprechendes Impfverfahren zur Malaria-Prävention auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet wird.


Heute ist Weltmalariatag

Quelle: Roll Back Malaria Partnership

Abgeschwächte Formen des Malariaerregers werden eingesetzt, um einen wirksamen und lang anhaltenden Schutz vor der Krankheit zu erreichen. Die Studie ist ein Projekt am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung im Schwerpunkt „Malaria“.

Malaria zählt nach wie vor zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von rund 207 Millionen Erkrankungen und etwa 627.000 Todesfällen im Jahr 2012 aus; 90 Prozent davon in Afrika. Besonders betroffen sind dort Kinder unter fünf Jahren, bei denen die durch Stechmücken übertragene Infektion eine der häufigsten Todesursachen ist.

Obwohl seit Jahren nach neuen Wirkstoffen gesucht wird, konnte bisher noch kein Malaria-Impfstoff bis zur endgültigen Marktreife entwickelt werden. Erst für Mitte 2015 ist mit der Markteinführung des ersten Impfstoffs RTS,S zu rechnen, an dessen Entwicklung unter anderem das DZIF-Partnerinstitut Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) beteiligt war. Die vorläufigen Studienergebnisse deuten auf einen moderaten Impfschutz von 30 bis 50 Prozent hin.

„Der nächste Schritt in der Malaria-Impfstoffentwicklung muss die Entwicklung von hochwirksamen Vakzinen sein“, erklärt DZIF-Wissenschaftler Dr. Benjamin Mordmüller, der das Projekt in Tübingen als Prüfarzt leitet. „Da gängige Ansätze bisher versagt haben, sollten wir neue, auf den ersten Blick verblüffende Verfahren prüfen“, erklärt er. Und ein solches Verfahren bringen die Tübinger nun nach langen Vorversuchen in die klinische Prüfung.

Bei der in dieser Woche startenden Studie werden lebensfähige Malaria-Erreger vom Typ Plasmodium falciparum – kurz PfSPZ Challenge genannt – intravenös injiziert. Durch die gleichzeitige Gabe eines Mittels zur Malariaprophylaxe werden diese Erreger abgeschwächt – das Ergebnis ist ein wirksamer Impfschutz.

Dass dieses Verfahren grundsätzlich funktioniert, konnte bereits im Tiermodell und in einer klinischen Studie, bei der infizierte Mücken statt der puren Erreger verwendet wurden, gezeigt werden. Es ist die bisher am besten wirksame Strategie zur Immunisierung gegen den Malariaerreger. Hersteller der zur Immunisierung verwendeten Malariaerreger, die allen Kriterien zur Zulassung als Arzneimittel entsprechen, ist Sanaria Inc. in Rockville, USA.

Deren Zweigstelle in der Nähe von Tübingen wird die Rolle des klinischen Sponsors übernehmen und die Impfkomponente PfSPZ Challenge zur Verfügung stellen. Projektpartner innerhalb des DZIF sind das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg und das Universitätsklinikum Heidelberg, Department für Infektiologie. Sie werden einen Teil der die parasitologischen und immunologischen Aspekte untersuchen.

Zur Prüfung der Wirksamkeit wird ein humanes Malaria-Infektionsmodell zum Einsatz kommen, das am Tübinger Institut für Tropenmedizin entwickelt und als klinische Studie im Rahmen des DZIF erfolgreich abgeschlossen wurde. „Die dabei gewonnenen Erfahrungen sowie unser Engagement in der klinischen Entwicklung aller noch im Rennen befindlichen Malaria-Impfstoffe zahlen sich nun aus“, freut sich Professor Peter G. Kremsner, Direktor des Tübinger Instituts für Tropenmedizin und Koordinator des Schwerpunkts Malaria im DZIF.

Am 28. April 2014 beginnt die Studie und das Interesse an der Teilnahme ist groß. „Vielen Menschen ist bewusst, was für ein großes Problem die Malaria ist“, sagt der Studienmanager Markus Gmeiner. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass die ersten Ergebnisse Mitte des Jahres 2015 vorliegen. 

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit mehr als 150 Wissenschaftler aus 32 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Ziel ist die sogenannte Translation: die schnelle, effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis. Damit bereitet das DZIF den Weg für die Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente gegen Infektionen.

Weitere Informationen:

http://www.dzif.de

Janna Schmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Medikamente mildern Mukoviszidose
23.01.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Dreifachblockade am Glioblastom
23.01.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Lebensrettende Mikrobläschen

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

3D-Druck von Metallen: Neue Legierung ermöglicht Druck von sicheren Stahl-Produkten

23.01.2018 | Maschinenbau

CHP1-Mutation verursacht zerebelläre Ataxie

23.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics