Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malaria: Neue Impfstrategie

12.01.2011
Forschern von zwei französischen Laboratorien in Lille (Nord-Pas-de-Calais) ist es gelungen, Mäuse vor Malaria zu schützen, indem sie ihnen Stärke aus Grünalgen ins Fressen mischten.

Diese Forschungsergebnisse ebnen den Weg für eine einfache und sichere Impfung von Kindern in Risikoländern. Sie wurden am 15. Dezember 2010 in der renommierten Fachzeitschrift PloS One veröffentlicht [1].

Bislang konnte noch kein wirksamer Impfstoff gegen Malaria entwickelt werden. Nach Angaben der WHO sind weltweit 300 bis 500 Millionen Menschen an Malaria erkrankt, und mehr als eine Million sterben jährlich daran, vor allem Kleinkinder. Hinzu kommt, dass immer mehr Moskitos insektizidresistent und mehr und mehr Parasiten behandlungsresistent sind. Die Vorbeugung, z.B. durch Impfung, scheint demzufolge die beste Lösung zu sein. 80 Prozent der Opfer des für die Erkrankung verantwortlichen Parasiten Plasmodium leben in Afrika. Neben dem Wirkstoff selbst wollen die Forscher eine Arzneiform finden, die von der Bevölkerung akzeptiert wird und in diesem Gebiet einfach zu handhaben ist. Die Verabreichung über Nasenspray oder oral scheint deshalb die beste Methode zu sein, da keine Impfung mehr nötig wäre, durch die das Risiko einer Aids-Infektion erhöht wird.

Die Teams von Stanislas Tomavo des Zentrums für Infektionsforschung und Immunität in Lille (CNRS/Inserm/Pasteur Institut in Lille/Universität Lille 1 und 2) und von Steven Ball der Abteilung für strukturelle und funktionelle Glykobiologie (CNRS/Universität Lille 1) haben Antigene genutzt, die sich bereits bei "klassischen" Impfungen als wirksam erwiesen haben. Sie haben diese Antigene mit einem Enzym (GBSS) eines Stärkekorns einer Grünalge - Chlamydomonas reinhardtii - fusioniert. Das GBSS kommt nur im Kern des Stärkekorns vor und agiert dadurch geschützt vor der Zersetzung durch andere Verdauungsenzyme. Somit sind die Antigene ebenfalls geschützt und können ungehindert ins Blut gelangen und vom Antikörper erkannt werden. Die Forscher haben mehrere Plasmodium-Antigene in Stärkekörnern hergestellt und sie an Mäuse verfüttert. Diese wurden anschließend mit dem Parasiten infiziert. Die Mäuse zeigten sich nach der Behandlung resistent gegen den Erreger.

Stärkekörner sind sehr einfach und kostengünstig zu produzieren und zu reinigen und sind auch ohne bestimmte Vorsichtsmaßnahmen lange haltbar. Sie sind bei der Verdauung leicht vom Körper abzubauen. Die Stärke essbarer Pflanzen könnte auf die gleiche Weise umgewandelt werden und wäre für Kinder unter 3 Jahren, bei denen die malariabedingte Sterblichkeit am höchsten ist, am besten geeignet. Die Forscher untersuchen zu diesem Zweck unterschiedliche Pflanzen, wie z.B. eine Alge, die in Afrika bereits als Nahrungsergänzung Anwendung findet, aber auch Mais oder Kartoffeln. Diese neue Strategie wäre sowohl ernährungstechnisch, als auch medizinisch von Vorteil. Auf die Schluckimpfung wurde bereits ein Patent angemeldet. Die Forscher müssen jetzt die Effizienz verschiedener Plasmodium-Antigene testen, die Anwendbarkeit dieser Verabreichungsform auf den Menschen untersuchen und das Fehlen von Nebenwirkungen überprüfen.

Kontakt:

- Stanislas Tomavo - CNRS - 1, rue Laurent Fries, 67404 Illkirch – Tel: +33 3 59 31 74 29 - E-Mail: Stan.Tomavo@pasteur-lille.fr - http://www.igbmc.fr/recherche/Prog_TMN/Eq_JLapo/index.html

Quellen:

- [1] Originalpublikation: "Engineering the Chloroplast Targeted Malarial Vaccine Antigens in Chlamydomonas Starch Granules", PloS One – 15.12.2010 http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0015424

- "Paludisme : un espoir de vaccin par ingestion d’amidon modifié génétiquement", Wissenschaftsportal des französischen Ministeriums für Hochschulswesen und Forschung - 20.12.2010

http://www.science.gouv.fr/fr/actualites/bdd/res/3847/paludisme-un-espoir-de-vaccin-par-ingestion-damidon-modifie-genetiquement/

Redakteurin: Claire Cécillon, claire.cecillon@diplomatie.gouv.fr

Claire Cécillon | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften