Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mainzer Wissenschaftler identifizieren neue Population regulatorischer T-Zellen

09.02.2015

Entdeckung verbessert Verständnis der Entstehung von allergischem Asthma und ermöglicht frühere Diagnose / Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Immunology

Bei gesunden Menschen führt der Kontakt mit Allergie auslösenden Stoffen über die Schleimhäute der Lunge zur Aktivierung sogenannter regulatorischer T-Zellen oder Treg-Zellen. Sie sind in der Lage, die Entstehung einer Allergie aktiv zu verhindern.

Werden diese regulatorischen Mechanismen allerdings durchbrochen, sodass Immunabwehrzellen harmlose Substanzen attackieren, die aus der Umwelt in den Körper gelangen, kommt es zu allergischen Überreaktionen, die sich in Krankheitsbildern wie allergischem Asthma äußern. In den westlichen Ländern ist Asthma bei Kindern unter 15 Jahren die häufigste chronische Erkrankung.

Mit der Identifizierung einer bislang unbekannten Subpopulation regulatorischer T-Zellen ist Univ.-Prof. Dr. Tobias Bopp, Univ.-Prof. Dr. Edgar Schmitt und Alexander Ulges vom Institut für Immunologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein wichtiger Schritt bei der Aufklärung dieser Mechanismen gelungen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass diese Treg-Zelltypen entscheidend an der Entstehung und Manifestation des allergischen Asthmas beteiligt sind. Daraus schließen die Forscher, dass ein vermehrtes Auftreten dieser Treg-Zellpopulation als früher diagnostischer Marker bei allergischen Erkrankungen dienen kann. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten Bopp und seine Kollegen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Immunology.

Die Untersuchungen zeigten, dass die von ihnen entdeckte Treg-Zellsubpopulation das sogenannte Immunglobulin-like transcript 3 (ILT3) bildet, ein Protein, das sich auf der Zelloberfläche befindet. Es gelang ihnen, ILT3 so zu manipulieren, dass sich die Hauptfunktion von Treg-Zellen, nämlich die Verhinderung überschießender Immunreaktionen, vorübergehend abschalten lässt.

"Dieser Befund ist von zentraler Bedeutung. Denn erstmalig konnte eine Subpopulation regulatorischer T-Zellen charakterisiert werden, deren Fähigkeit, immunologische Reaktionen zu unterdrücken, beeinflussbar ist", so Univ.-Prof. Dr. Tobias Bopp. Darüber hinaus entdeckte das Forscherteam, dass die Bildung von ILT3 in Treg-Zellen durch die Proteinkinase CK2 geregelt wird.

Proteinkinasen sind im Allgemeinen innerhalb einer Zelle an der Weiterleitung extrazellulärer Signale entscheidend beteiligt. "Wir wissen jetzt einerseits, wie die neu entdeckte Treg-Zellsubpopulation gebildet wird, und andererseits, wie sie sich manipulieren lassen könnte. Das hilft uns besser zu verstehen, wie allergisches Asthma entsteht und wie es sich früher diagnostizieren lässt", erläutert Bopp.

"Das Potenzial dieser Erkenntnisse ist nicht nur für die Behandlung von Allergien ausgesprochen vielversprechend. Vielmehr sind sie ein wichtiger Schlüssel für die Entwicklung innovativer Therapien gegen autoimmune und tumoröse Erkrankungen sowie chronische Infektionen. Auf genau diese Forschungsfelder fokussieren wir uns im Forschungszentrum für Immuntherapie", so der Sprecher des Forschungszentrums für Immuntherapie (FZI) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Hansjörg Schild.

Veröffentlichung
A. Ulges et al., Protein kinase CK2 enables regulatory T cells to suppress excessive TH2 responses in vivo, Nature Immunology, 19. Januar 2015,
DOI:10.1038/ni.3083

Weitere Informationen:

http://www.uni-mainz.de/presse/63692.php - Pressemitteilung ;
http://www.nature.com/ni/journal/vaop/ncurrent/full/ni.3083.html - Originalveröffentlichung in Nature Immunology

Petra Giegerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics