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Mit Magnetkraft heilen

30.11.2009
Am heutigen 30. November kommen Magnetexperten aus ganz Europa zu einem zweitägigen Treffen im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) zusammen.

Sie verfolgen gemeinsam einen innovativen Forschungsansatz, um Heilungsprozesse im Körper mit Hilfe von magnetischen "Gerüsten" und Nanostrukturen zu fördern. Die insgesamt 20 Forschungspartner im EU-Projekt MAGISTER* stammen aus 10 europäischen Ländern. Neben Forschungseinrichtungen wie dem FZD sind auch sechs Firmen an dem Projekt beteiligt. Die Koordination liegt beim Institut für nanostrukturierte Materialien CNR Bologna in Italien, die Fördersumme beträgt 8,2 Mio. Euro.

Der Forschungsansatz heißt Tissue Engineering: im Labor oder im lebenden Körper Gewebe zu züchten oder Reaktionen zu kontrollieren ist das Ziel dieser jungen Forschungsrichtung. Wie der Name schon verrät, kommen hier Biologie, Materialforschung, und Medizin auf besondere Weise zusammen. Biologen kümmern sich um Gewebe und Zellen, Materialforscher um das so genannte Gerüst, das von Medizinern mit minimalem operativem Eingriff beispielsweise um einen gebrochenen Knochen aufgebaut werden soll, um ihn zu stützen und so zur schnelleren Heilung beizutragen. Da das Gerüst idealerweise aus bioaktiven Materialien besteht, soll es sich im Körper nach erledigter Arbeit wieder auflösen. Es dient zugleich dazu, über einen gewissen Zeitraum Medikamente direkt vor Ort abzugeben, um damit Wundheilung und Wachstum zu fördern und Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

Die Partner im EU-Projekt MAGISTER wollen jedoch noch einen Schritt weiter gehen, denn die Gerüste sollen magnetisch sein. Will man dann später Medikamente zum geschädigten Gewebe bringen, so werden magnetische Nanopartikel in den Körper eingeschleust, auf die das Gerüst eine magnetische Anziehungskraft ausübt. Die als Träger funktionierenden Nanopartikel docken am Gerüst an und geben direkt vor Ort die gewünschten Substanzen ab. Die beteiligten Forscher erhoffen sich, dass die Heilung nach operativen Eingriffen so in Zukunft um Vieles effizienter und schneller ablaufen wird.

Das in diesem Jahr gestartete Projekt kann bereits auf wesentliche Fortschritte auf dem Gebiet des Tissue-Engineering verweisen: so befinden sich Gerüstsubstanzen z. B. der am Projekt beteiligten Firma FIN-CERAMICA bereits in der Erprobungsphase. Bis zu einem Einsatz in der Humanmedizin, der die Heilung schwieriger Knochenbrüche wesentlich erleichtern soll, sind noch einige Hürden zu nehmen. So stellen z. B. die Biokompatibilität von nanostrukturierten Gerüstsubstanzen und Nanopartikeln sowie die Optimierung ihrer magnetischen Eigenschaften wesentliche Herausforderungen dar. Auch die Umsetzung des magnetisch unterstützten Transportes von Wirksubstanzen erfordert weitere interdisziplinäre Lösungsansätze.

*MAGISTER steht für "MAGnetIc Scaffold for in vivo Tissue EngineeRing", auf Deutsch: "Magnetisches Gerüst für das Gewebe-Engineering im lebenden Körper".

Weitere Informationen:
Dr. Thomas Herrmannsdörfer
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Institut Hochfeld-Magnetlabor Dresden
Tel.: 0351 260 - 3320
Email: t.herrmannsdoerfer@fzd.de
Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bautzner Landstr. 400, 01328 Dresden
Tel.: 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56
Email: presse@fzd.de
http://www.fzd.de
Information:
Das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) hat das Ziel, strategisch und langfristig ausgerichtete Spitzenforschung in politisch und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemen wie Energie, Gesundheit, Struktur der Materie und Schlüsseltechnologien zu leisten. Folgende Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt:
- Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in kleinsten Dimensionen?
- Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
- Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?
Diese Fragestellungen werden in strategischen Kooperationen mit Forschungs- und Industriepartnern bearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Betrieb von sechs einmaligen Großgeräten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das FZD wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Land gefördert, verfügt über ein Budget von mehr als 70 Mio. Euro (2008) und beschäftigt rund 750 Personen.

Dr. Christine Bohnet | idw
Weitere Informationen:
http://www.magister-project.eu
http://www.fzd.de

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