Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magenoperation gegen Diabetes?

06.06.2011
Diabetes- und Adipositaszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg sucht Studienteilnehmer / Fortbildung für Hausärzte am 8. Juni 2011 in der Medizinischen Universitätsklinik

Die gängige Standardtherapie bei einer Zuckererkrankung (Diabetes) – eine zuckerarme Diät sowie die medikamentöse Einstellung von Blutzucker und Blutdruck – ist nicht bei allen Patienten mit Diabetes mellitus Typ II erfolgreich. Trotz Therapie treten bei vielen Betroffenen Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen und Nervenstörungen auf.

Vielversprechende Ergebnisse erzielt nun ein Operationsverfahren, das bisher bei stark übergewichtigen Patienten zum Einsatz kam: der sogenannte Magenbypass. Das Diabetes- und Adipositaszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg bietet diesen Eingriff nun auch bei nur leicht übergewichtigen Patienten zur Therapie von Diabetes mellitus Typ II deutschlandweit erstmals im Rahmen einer Studie an.

Um neue Wege in der Diabetestherapie geht es auch bei einer Fortbildungsveranstaltung für niedergelassene Ärzte am Mittwoch, den 8. Juni 2011, ab 18 Uhr im Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Unter dem Motto „Operieren oder Optimieren?“ stellen die Experten des interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrums zusammen mit niedergelassenen Diabetologen und Vertretern der Krankenkasse Aktuelles rund um die Volkskrankheit Diabetes vor. Neben neuen Erkenntnissen zur Entstehung des Diabetes werden Möglichkeiten und Probleme der konservativen Behandlung vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Ein Schwerpunkt mit Hinblick auf die aktuell angelaufene Studie ist das Thema „Chirurgie als neue Diabetestherapie“. Journalisten und alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Diabetes mellitus Typ II – früher bekannt unter der Bezeichnung Altersdiabetes – hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt: Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Besonders Übergewichtige – zunehmend auch Kinder und Jugendliche – sind gefährdet, an Diabetes Typ II zu erkranken.

Nach der Magen-OP normalisiert sich der Blutzuckerspiegel

Häufig ist der Erfolg der Diabetestherapie eng verknüpft mit erfolgreichem Abnehmen und einer konsequent gesunden Ernährung: Der Blutzuckerspiegel sinkt, Medikamente sind dann häufig sogar überflüssig. Wenn professionell angeleitete Ernährungsumstellung, Bewegung sowie Medikamente nicht helfen, kommt eine Magenoperation in Frage. Bei der Heidelberger Studie legen die Chirurgen einen Magenbypass: Dabei wird der Mageneingang direkt an den Dünndarm angeschlossen, der restliche Magen sowie der vordere Abschnitt des Dünndarms (Zwölffingerdarm) aus der Verdauung ausgeschlossen. Es kommt zu einer hormonellen Veränderung im Magen-Darm-Trakt, die zu wiederum die Funktion der Bauchspeicheldrüse verbessert, und die Patienten essen zwangsläufig weniger.

„Studien mit Patienten, die wegen massiven Übergewichts eine Magenbypassoperation durchführen ließen und gleichzeitig an Diabetes litten, haben ergeben, dass sich der Blutzuckerspiegel bei mehr als 90 Prozent dieser Patienten normalisierte und Medikamente nicht mehr nötig waren – und das unabhängig vom Gewichtsverlust“, erklärt Privatdozent Dr. Beat Müller, Leiter der Sektion Minimal Invasive Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler).

Wirkung unabhängig von Körpergewicht

„Inzwischen konnte dieser Effekt der Magenbypassoperation auch bei Typ- 2-Diabetikern mit nur leichtem Übergewicht erzielt werden“, so Müller, der die Heidelberger Studie leitet. An der Studie können daher auch diese Patienten teilnehmen, die mit einer Insulintherapie behandelt werden.

Starkes Übergewicht geht häufig mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes einher. Am Diabetes- und Adipositaszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg erarbeitet daher ein interdisziplinäres Team aus Endokrinologen, Chirurgen, Psychologen, Ernährungsberatern und Sportmedizinern je nach Ursache und Ausprägung ein passendes Therapiekonzept. Für Patienten mit resistentem, ausgeprägtem Übergewicht stehen verschiedene Magenoperationen zur Verfügung, die das Sättigungsgefühl beeinflussen. Erste Anlaufstelle für die Patienten ist die Endokrinologische Ambulanz in der Medizinischen Universitätsklinik, Abteilung Endokrinologie und Klinische Chemie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Nawroth).

Ansprechpartner:
Priv.-Doz. Dr. med. Beat Müller
Sektionsleiter Minimal Invasive Chirurgie, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
E-Mail: beat.mueller@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221 / 56 48 28
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics