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Magenkarzinom reagiert nicht zufriedenstellend auf neuen Immunstoff

18.04.2013
In einer der weltweit größten Patientenstudien, die bei fortgeschrittenem Magenkrebs je durchgeführt wurde, zeigte eine zunächst viel versprechende Antikörpertherapie keine zufriedenstellende Wirksamkeit. Der bei anderen Krebsarten aktive Wirkstoff „Cetuximab“ ist deshalb kein Hoffnungsträger für die kombinierten Chemo- und Antikörperbehandlung bei Magenkarzinomen.
Bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Magenkrebserkrankung ist die Notwendigkeit einer verbesserten Behandlung besonders hoch. In diesem Stadium ist der Tumor sehr aggressiv, hat ausgestreut und ist nicht mehr operabel. Die Patienten haben eine kurze Überlebenszeit und hohe Symptombelastung. Bislang wird üblicher Weise viele Monate mit Chemotherapie behandelt, um die Symptome zu lindern und das Überleben zu verlängern.

An der in Europa, Asien und Lateinamerika durchgeführten klinischen Studie unter Leitung des Leipziger Universitätsmediziners Prof. Florian Lordick waren gut 900 Patienten beteiligt. Alle erhielten die herkömmliche Chemotherapie, die Hälfte von ihnen wurde zusätzlich mit einem biologischen Wirkstoff behandelt. Dem Antikörper-Immunstoff „Cetuximab“ wurde zugetraut, die Wirksamkeit der Chemotherapie zu verbessern, weil in Vorläuferstudien entsprechend gute Wirkhinweise beobachtet worden waren.
Der Antikörper richtet sich gegen einen Tumoreiweißstoff, einen so genannten Wachstumsrezeptor mit der fachlichen Abkürzung EGFR. Bei Dickdarmtumoren und beim Plattenepithelkarzinom der Kopf- und Halsregion schlägt der Wirkstoff an und ist klinisch bereits im Einsatz. Beim Magentumor zeigte der Wirkstoff hingegen keine ausreichende Wirksamkeit, wie die Studie gezeigt hat, die jetzt im renommierten Fachjournal "The Lancet Oncology" veröffentlicht wurde.

"Wie häufig in der Onkologie, wenn man eine tiefer gehende Überprüfung an einer großen Patientengruppe und an vielen Krebszentren durchführt, hat sich leider gezeigt, dass ein gut begründeter Ansatz sich nicht bestätigen ließ", fasst Prof. Lordick das Studienergebnis zusammen. Deshalb wird der Wirkstoff für die klinische Anwendung beim Magenkarzinom zukünftig nicht zur Verfügung stehen.
"In Bezug auf unsere Patienten mit Magenkarzinomen ist das Ergebnis ein Rückschlag, weil wir die Therapie auf breiter Basis nicht wirksamer machen konnten", sagt Prof. Florian Lordick, Leiter des Universitären Krebszentrums Leipzig (UCCL). "In Bezug auf das Wissen um Tumorerkrankungen ist es dennoch ein Fortschritt. Denn auch aus negativen Ergebnissen lernen wir sehr viel und nur über diese Erkenntnisse lassen sich Folgeschritte planen und langfristig die Krebsbehandlung verbessern. Hier hat sich gezeigt, dass bei Krebserkrankungen noch spezifischer vorgegangen werden muss. Tumore müssen in kleinere, biologisch definierte Gruppen unterteilt werden, damit zielgerichtete Wirkstoffe abseits des statistischen Mittels eine Chance haben."

Indem von allen Studienteilnehmern Tumormaterialien und Blutproben gesammelt wurden, ist eine wertvolle Sammlung für weitere Analysen zustande gekommen. "Wir werden jetzt auf die Suche nach biologischen Charakteristika in den individuellen Tumoren und ihrem Einfluss auf die Wirkweise des Antikörpers und der Chemotherapie gehen", so der Krebsforscher. "Dann können wir vielleicht doch noch Untergruppen bestimmen, die von der Antikörpertherapie profitieren." In diesen Tagen hat Prof. Lordick den Zuschlag erhalten, dass die Blutproben der vorliegenden Studie der Universitätsmedizin Leipzig für weitere Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden.

Link zur Fachveröffentlichung:
http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(13)70102-5/fulltext

doi:10.1016/S1470-2045(13)70102-5

Diana Smikalla | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

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