Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lymphdrüsenkrebs - Fehlfunktion eines Genregulators

03.11.2008
Das Hodgkin-Lymphom ist eine der häufigsten Formen von Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen) der westlichen Welt, und betrifft relativ häufig auch junge Erwachsene.

Die Entstehung des Hodgkin-Lymphoms ist noch weitgehend unverstanden. Eine zentrale Rolle für das Überleben der Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms spielt die deregulierte Aktivität eines wichtigen Genregulators, des Transkriptionsfaktors NFkB. Ein Forscherteam um Prof. Ralf Küppers aus Essen und Prof. Reiner Siebert aus Kiel untersucht gemeinsam, ob es genetische Ursachen für die unkontrollierte NFkB-Aktivität gibt, und sie sind bereits fündig geworden.

Das Hodgkin-Lymphom ist eine sehr ungewöhnliche Krebserkrankung, da die eigentlichen malignen Tumorzellen, die Hodgkin- und Reed/Sternberg (HRS)-Zellen genannt werden, meist weniger als 1% der Zellen im Tumorgewebe ausmachen. Dies erschwert ihre Untersuchung sehr. Durch Verbesserungen in der Behandlung können heute fast 90% der Patienten langfristig geheilt werden. Allerdings stellt die hohe Rate Therapie-assoziierter Zweitneoplasien ein beachtliches klinisches Problem dar.

Eine zentrale Rolle für das Überleben der Tumorzellen des Hodgkin-Lymphoms spielt die unkontrollierte, starke Aktivität des Transkriptionsfaktors NFkB. Dieser Faktor ist normalerweise nur kurzzeitig in Zellen aktiv und fördert das Überleben der Zellen. In den Krebszellen des Hodgkin-Lymphoms ist der Faktor aber ständig und sehr stark aktiv, und schützt die Tumorzellen daher vor Zelltod, was ihre Eliminierung erschwert.

Die molekularen Ursachen dieser deregulierten NFkB-Aktivität konnten bislang nur in einem Teil der Fälle identifiziert werden. In der ersten Förderperiode des nun von der Wilhelm Sander-Stiftung für weitere zwei Jahre geförderten Projektes konnte das Forscherteam um Prof. Küppers und Prof. Siebert bereits Hinweise darauf finden, dass ein bestimmter hemmender Faktor für NFkB-Aktivität in einem Teil der Fälle des sogenannten klassischen Hodgkin-Lymphoms häufig durch Mutationen (Genschäden) inaktiviert ist.

Dabei hat sich die Zusammenarbeit des Humangenetikers Siebert und des Molekularbiologen Küppers, unter weiterer Beteiligung des Pathologen Prof. Hansmann aus Frankfurt, als besonders effizient erwiesen, da in diesem Team sowohl chromosomale Schäden am A20-Gen als auch kleine Genveränderungen im Gen in Tumorzellen, die einzeln aus Gewebeschnitten isoliert wurden, aufgedeckt werden konnten. Durch diese ersten Befunde wurde A20 als ein neues an der Krebsentstehung beteiligtes Gen identifiziert. Die Forscher möchten nun klären, ob dieses Gen auch in einer anderen Form des Hodgkin-Lymphoms, die lymphozyten-prädominantes Hodgkin-Lymphom genannt wird, eine Rolle bei der Lymphombildung spielt.

Durch Untersuchungen mit Zelllinien des Hodgkin-Lymphoms soll funktionell untersucht werden, welche Konsequenzen die Inaktivierung des A20-Genes für die Lymphomzellen hat. Zudem hat das Team weitere Kandidaten im Auge, die möglicherweise ebenfalls durch Genfehler an der starken NFkB-Aktivität und damit an der Entstehung des Hodgkin-Lymphoms beteiligt sein könnten. Dies sind zentrale Fragen des nun laufenden Projektes.

Da die deregulierte NFkB-Aktivität in HRS-Zellen ein zentrales transformierendes Ereignis darstellt, werden die Analysen wichtige neue Einblicke in die Entstehung des Hodgkin-Lymphoms geben. Dies hat potentiell auch klinische Bedeutung, denn einige Krebserkrankungen werden bereits mit Hemmstoffen für NFkB behandelt, und für die Wirksamkeit solcher neuer Therapeutika ist es wichtig zu verstehen, durch welche Mechanismen die NFkB-Deregulierung bedingt ist.

Kontakt: Prof. Dr. rer. nat. Ralf Küppers, Institut für Zellbiologie (Tumorforschung), Universitätsklinikum Essen und Prof. Dr. Reiner Siebert, Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 170.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie