Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lungenkrebs: Stereotaktische Bestrahlung auch im Frühstadium eine Alternative zur Operation

29.07.2015

Die stereotaktische ablative Radiotherapie hat in ersten klinischen Studien bei Lungenkrebs im Frühstadium bessere Ergebnisse erzielt als eine Operation. Dabei handelt es sich um eine relativ neue Technik, die eine millimetergenaue Bestrahlung von Tumoren ermöglicht. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sieht die Behandlung als eine schonende Alternative zur Operation, fordert allerdings weitere Studien, um den genauen Stellenwert zu ermitteln.

Die Zahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen liegt laut Krebsregistern in Deutschland für das Jahr 2014 bei insgesamt rund 55 600. Da Lungenkrebs anfangs keine Beschwerden verursacht, entdecken Ärzte und Betroffene die Erkrankung in vielen Fällen erst spät. Dann ist die Aussicht auf Heilung nicht gut. Das Lungenkarzinom ist daher die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Männern (mit einem Anteil von 25 Prozent) und die dritthäufigste bei Frauen (14 Prozent).

Ein Lungenkrebs im Frühstadium kann jedoch häufig geheilt werden. Die Standardtherapie ist derzeit eine sogenannte Lobektomie: Die Chirurgen entfernen dabei den gesamten Lungenlappen, in dem sich der Tumor befindet, sowie die benachbarten Lymphknoten.

„Die Heilungschancen wurden als höher eingestuft als bei einer Radiotherapie, bei der nicht geprüft werden kann, ob alle Krebszellen durch die Strahlung abgetötet wurden“, erläutert Professor Dr. med. Michael Flentje, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg.

Eine Bestrahlung erhalten derzeit vorwiegend Patienten, für die eine Operation zu riskant wäre. Diese Einschätzung wird durch die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) zunehmend infrage gestellt.

„Mit der SABR werden die Strahlen millimetergenau auf den Tumor fokussiert. Es sind deshalb wesentlich höhere Strahlendosierungen möglich“, erläutert Professor Flentje: „Die Erfahrungen bei inoperablen Patienten haben gezeigt, dass die Tumorkontrolle und damit die Chance auf eine Heilung bei über 90 Prozent liegen.“

Rückblickende Vergleiche hatten diese Einschätzung auch für operable Patienten in den letzten Jahren zunehmend gestützt. Drei Studien haben aktuell Operation und stereotaktische Bestrahlung direkt und mit zufälliger (randomisierter) Zuteilung bei Patienten verglichen, die noch operiert werden konnten. „Alle Studien mussten vorzeitig abgebrochen werden, weil zu wenige Patienten sich auf einen solchen Vergleich einlassen wollten“, berichtet der Strahlentherapeut.

„Die Angst, eventuell durch eine Radiotherapie die Chance einer sicheren Heilung aufzugeben oder die Furcht vor einer eingreifenden Operation, waren im Einzelfall wohl zu groß.“ Forscher aus den Niederlanden haben nun die Daten von 58 Patienten aus zwei der drei Studien näher untersucht.

Die aktuell in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Bedenken bezüglich der Strahlentherapie unbegründet sind. Nach der Operation starben in den ersten drei Jahren sechs von 27 Patienten, davon zwei am ursprünglichen Lungenkrebs und einer an einem neu entstandenen Lungenkrebs. Unter den 31 Patienten, die eine stereotaktische Bestrahlung erhalten hatten, gab es nur einen Todesfall. Hier war der Tumor trotz Radiotherapie weiter gewachsen.

„Wir wissen noch nicht endgültig, ob die Radiotherapie mit SABR der Operation gleichwertig oder überlegen ist. Das müssen weitere Studien klären“, kommentiert DEGRO-Pressesprecher Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. „Wir sind aber der Ansicht, dass die SABR zumindest gleichwertig ist.“ Ganz sicher sei sie für viele Patienten die schonendere Therapie. Eine Lungenoperation kann auch für körperlich fitte Patienten eine große Strapaze sein. Der Verlust von einem der insgesamt fünf Lungenlappen beschränkt auf Dauer die Sauerstoffzufuhr, was langfristig die Lebensqualität der Patienten herabsetzen kann.

Literatur:
J. Y. Chang, S. Senan, M. A, Paul et al.: Stereotactic ablative radiotherapy versus lobectomy for operable stage I non-small-cell lung cancer: a pooled analysis of two randomised trials. Lancet Oncol 2015; 16: 630–37. DOI: 10.1016/S1470-2045(15)70168-3. Abstract: http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2815%2970168-3/ab...

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.


Pressekontakt für Journalisten:

Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
Internet: http://www.degro.org

Weitere Informationen:

http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2815%2970168-3/ab...
http://www.degro.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics