Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lungenkrebs: Erhöhte Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung

04.06.2014

Erfolg für die Ulmer Universitätsmedizin: In der Sektion Pneumologie an der Klinik für Innere Medizin II ist im Rahmen eines Studienabkommens erstmalig ein Lungenkrebspatient mit der neuen Substanz „Ceritinib“ behandelt worden.

Diese bietet insbesondere bei mehrfach vorbehandelten Patienten eine neue Therapiemöglichkeit. Der neue Wirkstoff ist als Tablette verfügbar und greift ganz gezielt eine Schwachstelle im Erbgut von bestimmten Lungenkrebsarten an.


Dr. Cornelia Kropf-Sanchen

Foto: Universitätsklinikum Ulm

„Allerdings ist diese Veränderung im Erbgut nur bei etwa vier Prozent der Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs vorhanden“, erläutert Dr. Cornelia Kropf-Sanchen, Leiterin der Sektion Pneumologie, und ergänzt. „Bisher stand uns mit dem Vorläufermedikament „Crizotinib“ die einzige Therapiemöglichkeit für diese Patientengruppe zur Verfügung. Obwohl dieses eine sehr gute Wirkung zeigt und eine Stabilisierung über eine lange Zeit bedeuten kann, schreitet im Endergebnis auch bei diesen Patienten die Erkrankung leider meist fort. Für diese Fälle stellt ,Ceritinib‘ nun eine neue Therapiemöglichkeit dar.“

Die neue Substanz ist in Deutschland momentan noch nicht zugelassen. Anders in den USA: Dort wurde sie, nicht zuletzt aufgrund der überzeugenden Studienergebnisse, im April dieses Jahres für Patienten – die ein Fortschreiten der Tumorerkrankung zeigen – zugelassen. Insbesondere für diese Betroffenen, die keine andere Therapiemöglichkeit mehr gehabt hätten, zeigte „Ceritinib“ in mehr als 50 Prozent ein Ansprechen.

Auch in Deutschland erhöhen sich nun die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung: „Uns ist es möglich, sehr früh eine Auswahl und Testung von Patientenproben vorzunehmen“, sagt Dr. Stefan Rüdiger, Assistenzarzt in der Sektion Pneumologie, „denn wir kooperieren sehr gut mit dem Institut für Pathologie“. Die Probenentnahme verläuft für Patienten in aller Regel problemlos:

Aufgrund einer speziellen Technik, bei der eine so genannte Kältesonde eingesetzt wird, kann stets ausreichend Gewebe für abklärende Untersuchungen gewonnen und dann entschieden werden, ob eine Behandlung mit dem neuen Wirkstoff infrage kommt.

„Eine konventionelle Chemotherapie ohne individuelles Therapiekonzept wird dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht mehr gerecht“, betonen Dr. Kropf-Sanchen und Dr. Stefan Rüdiger übereinstimmend. „Es wird immer wichtiger, bestimmte Veränderungen im Erbgut der Krebszellen zu kennen, weil sich daraus zunehmend auch neue Therapiemöglichkeiten ergeben.“

Das auf die Zukunft ausgerichtete Prinzip einer individualisierten Therapie wird bei der Behandlung von Lungenkrebspatienten schon heute umgesetzt. So wird beispielsweise jeder Patient in einer wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Konferenz (Tumorboard) besprochen, zudem kann Patienten eine breite Palette neuer Substanzen im Rahmen von Studien angeboten werden. 

Aufgrund der bereits vorliegenden Daten setzen die beiden Mediziner in „Ceritinib“ große Hoffnungen. „Es freut uns, dass wir unsere Patienten im Rahmen von Studienabkommen schon früh am Therapiefortschritt teilhaben lassen können. Zahlreiche der heutzutage zugelassenen Medikamente für Lungenkrebspatienten standen uns schon vor Jahren zur Verfügung“, sagt Dr. Kropf-Sanchen und unterstreicht damit einen wichtigen Vorteil universitärer Medizin. „Mit dem neuen Lungenkrebsmedikament können wir nun zumindest einem Teil unserer Patienten eine sehr effektive und nebenwirkungsarme Therapie anbieten“, so die Lungenspezialistin abschließend.

Gerne vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner. Bitte nehmen Sie Kontakt zu Jörg Portius, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm, unter der Rufnummer 0731 500-43043 auf.

Jörg Portius | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften