Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Luftreiniger sollen Krankheitserreger im Hörsaal zerstören

14.10.2009
Honorarprofessor Prof. Dr. Reinhard Latza setzt an der TU Chemnitz Luftreinigungssysteme ein, um die Ansteckungsgefahr durch Grippeviren zu verringern

437 Fälle der "Neuen Grippe A/H1N1" - im alltäglichen Sprachgebrauch als Schweinegrippe bezeichnet - weist das Robert Koch Institut mit Stand vom 8. Oktober 2009 für Sachsen aus. Deutschlandweit seien seit Ende April 2009 mehr als 22.000 Erkrankungen und zwei möglicherweise mit dem Erreger in Verbindung stehende Todesfälle registriert.

Beim Übertragungsweg des Virus geht das Institut von einer Tröpfcheninfektion aus - besonders gefährlich sind also große Menschenansammlungen, in denen die Erreger beim Husten, Niesen und Sprechen in die Luft gelangen. Zum Start des Wintersemesters strömen wieder tausende Studierende an die Hochschulen - so auch an die TU Chemnitz, wo Honorarprofessor Prof. Dr. Reinhard Latza mit seiner Firma Chempro-Control GmbH nun dafür sorgen will, dass die Luft in den großen Hörsälen von Viren, Bakterien und anderen organischen Schadstoffen befreit wird.

Reinhard Latza, Honorarprofessor für Medizinische Laboranalytik und Ernährung an der TU Chemnitz sowie Facharzt für Hygiene, Umwelt- und Labormedizin, weiß, dass in einem Kubikmeter Raumluft 280.000 Substanzen wie Krankheitserreger, Rauchpartikel, Schimmelsporen und Allergene nachgewiesen werden können. Und er weiß auch, wie man die Luft reinigen kann: Als Leiter der Chempro-Control GmbH, einem labordiagnostischen Institut für Umwelt-, Luft- und Wasser-Analytik in St. Ingbert, entwickelt er gemeinsam mit Wissenschaftlern der Russischen Akademie der Wissenschaften und der TU Chemnitz neuartige Luftreiniger, die durch das Prinzip der Photokatalyse die schädlichen Bestandteile der Luft in Kohlendioxid und Wasser abbauen. "Das Prinzip der Photokatalyse eignet sich besonders gut zur Säuberung der Raumluft und trägt ein enorm großes Forschungspotenzial", versichert Latza zur Wirkungsweise der Luftreinigungssysteme.

Dank neuester Erkenntnisse aus der Weltraum- und Nanotechnik können diese Luftreiniger in speziell konstruierten Anlagen bis zu 110.000 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigen. Ausschlaggebend für den hohen Wirkungsgrad der Geräte sei ihre große Oberfläche - drei Fußballfelder misst die Reinigungsfläche beispielsweise in Geräten mit einer Durchströmung von 750 Kubikmetern in einer Stunde, würde man die photokatalytisch reinigenden Nanopartikel flächenmäßig nebeneinander ausbreiten.

"Vor allem in großen Räumen des Hörsaalgebäudes der TU Chemnitz an der Reichenhainer Straße 90 sollen die Geräte künftig für sauberere und vor allem virenfreiere Luft sorgen", sagt Eberhard Alles, Kanzler der TU Chemnitz. Die ersten Luftreiniger sind seit dem frühen Morgen des 13. Oktober in Betrieb. Geplant ist der Einsatz von rund zehn Geräten in verschiedenen Größenausführungen auch in weiteren Hörsälen sowie in besonders stark frequentierten kleineren Räumen - etwa in den Büros des Studentensekretariats oder des Prüfungsamtes. "Wir sind die erste Hochschule in Deutschland, die sich mit Luftreinigungssystemen auf eine mögliche Grippewelle vorbereitet", sagt Alles und ergänzt: "Damit werden wir auch den Anfragen des Personalrates gerecht, der sich bereits frühzeitig mit Blick auf die Schweinegrippe um die Gesundheit von Studierenden und Mitarbeitern sorgte."

"Natürlich kann auch die TU Chemnitz keine Voraussage treffen, ob und in welchem Umfang uns eine Grippewelle erreicht. Was wir aber tun können, ist uns darauf vorzubereiten. Auch die nun in stark frequentierten Räumen installierten Reinigungssysteme, deren Einsatz durch wissenschaftliche Tests begleitet wird, können sicher einen wichtigen Beitrag dazu leisten", sagt Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes, Rektor der TU Chemnitz. "Da auch die modernen Luftreiniger keinen hundertprozentigen Schutz vor Ansteckung bieten, dürfen natürlich auch weitere präventive Maßnahmen nicht vernachlässigt werden. Dabei geht es uns nicht nur um die Anschaffung von Hygienemasken oder Mitarbeiterinformationen unseres Ausschusses für Arbeits- und Gesundheitsschutz", ergänzt Alles.

Weitere Informationen erteilt Katrin Schulz, Büro des Kanzlers, Telefon 0371 531-12001, E-Mail katrin.schulz@hrz.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften