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Wenn die Luft knapp wird im Tumor...

01.12.2008
Solide Tumoren zeichnen sich durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff aus. Im Vergleich zu gesundem Gewebe scheint diese Sauerstoffmangelsituation (Hypoxie) den Tumorzellen aber sehr gut zu bekommen.

Durch die Hypoxie im Tumor werden Gene verstärkt aktiviert, die das weitere Tumorwachstum sowie die Metastasierung des Tumors fördern können durch das Hereinwachsen von neuen Gefäßen.

Mittlerweile sind die molekularen Abläufe für diese Vorgänge recht gut untersucht. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein Genaktivator (Transkriptionsfaktor), der als Hypoxie-induzierbarer Faktor (HIF)-1 bezeichnet wird. Das HIF-1a Protein wird unter hypoxischen Bedingungen stabilisiert und aktiviert, während die Zufuhr von Sauerstoff diesen Prozess unterbinden kann.

Beteiligt an der Sauerstoff-abhängigen HIF-1a Proteindestabilisierung sind sogenannte Prolylhydroxylase Enzyme (PHDs), die als zelluläre Sauerstoffsensoren angesehen werden können. Da es bisher im Tumorgewebe nicht gelungen ist, die Stabilisierung von HIF-1a direkt zu unterbinden, stellen die PHD Enzyme attraktive Zielmoleküle dar, um die Anpassung des Tumors an Hypoxie zu beeinflussen.

Zunächst muss allerdings der Einfluss der PHDs auf das Tumorwachstum bzw. auf das Ansprechen von Tumoren auf Chemotherapie besser verstanden werden. Wenn der Transkriptionsfaktor HIF-1 nicht das einzige von den PHD Enzymen abzubauende Molekül wäre, könnte eine Manipulation ihrer Aktivität ansonsten ineffektiv sein oder im schlimmsten Fall sogar ungewollte Folgen haben. Daher wird in der Abteilung von Frau Prof. Katschinski, Universitätsmedizin Göttingen, der Einfluss der PHD Enzyme auf das Tumorwachstum und das Ansprechen der Tumore auf Chemotherapie untersucht. Dazu hat die Arbeitsgruppe Zelllinien hergestellt, die genetisch so verändert sind, dass die Proteinmenge der PHD Enzyme gezielt gesenkt werden kann.

In diesen Zellen konnten bereits Veränderungen in der Proteinausstattung beobachtet werden, die Tumorzellen die Zellwanderung, das Ablösen vom Tumorzellverband bzw. eine Resistenz gegenüber häufig verwendeten chemotherapeutischen Substanzen ermöglichen. Diese Vorgänge sind an der Tumormetastasierung und Therapieresistenz beteiligt. Die etablierten Zellmodelle werden in laufenden Untersuchungen genutzt, um das Tumorwachstum in Abhängigkeit von der PHD Proteinmenge zu beobachten.

Die entstehenden Tumore werden in Kooperation mit Frau Prof. Dr. F. Alves (Max Planck Institut für experimentelle Medizin und Abteilung Hämatologie und Onkologie, Universitätsmedizin Göttingen) und Herrn Prof. Dr. E. Grabbe (Abteilung Diagnostische Radiologie, Universitätsmedizin Göttingen) regelmäßig hinsichtlich ihrer Größe und der in ihnen neu entstehenden Gefäße untersucht. Dazu werden aufwändige nicht invasive Bilddarstellungsmethoden (fpVCT und eXplore OptixTM) verwendet, die eine Darstellung der Tumorentwicklung sowie der Gefäße im lebenden Versuchtier mit präziser Auflösung über die Zeit ermöglichen.

Kontakt: Prof. Dr. D. M. Katschinski, Universitätsmedizin Göttingen, Abteilung Herz- Kreislauf-physiologie, Georg August Universität Göttingen

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 180.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

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