Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lüften des Geheimnisses um Präeklampsie

19.10.2016

Präeklampsie (PE) ist eine Erkrankung schwangerer Frauen, die in 3 bis 5 Prozent der Schwangerschaften auftritt. Die PE ist mit einem erhöhten Krankheits- und Todesrisiko für die Mutter und das Neugeborene assoziiert. Die Ursachen der PE sind weitestgehend unbekannt und entsprechend fehlen spezifische Therapien.

Die einzige mögliche Therapie besteht in der Einleitung der Geburt, um die Plazenta, die die Krankheit verursacht, zu entfernen. Dies führt aber häufig zu Frühgeburten, die wiederum mit einem erhöhten Risiko für das Neugeborenen assoziiert sind.


Aktivierte Thrombozyten in der Plazenta nach Injektion von extrazellulären Vesikeln

Aufnahme: Shrey Kohli

Eine Gruppe von Forschern hat nun unter der Leitung von Prof. Berend Isermann, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, einen wichtigen krankheitsverursachenden Schritt identifiziert. Diese neuen Erkenntnisse verbessern unser Verständnis dieser häufigen Erkrankung schwangerer Frauen und weisen auf neue therapeutische Ansätze hin. Über ihre Untersuchungen berichten die Wissenschaftler im renommierten Fachjournal „Blood“.

Die PE hat ihre Ursache in der Plazenta, hat aber auf verschiedene Organe der Mutter schädliche Effekt. So verursacht die PE einen Hypertonus und einen Nierenschaden. Diese Folgen können katastrophale Folgen annehmen und zum sogenannten HELLP (hemolysis, elevated liver enzymes, and low platelet count) Syndrom führen.

Blutplättchen (Thrombozyten, engl. platelets) sind typischerweise im Rahmen der PE aktiviert. Neben der Thrombozytenaktivierung finden sich auch vermehrt extrazelluläre Vesikel (EVs), die bei der Aktivierung von Thrombozyten aber auch von anderen Zellen entstehen. Ob und ggf. wie aktivierte Thrombozyten oder EVs zur PE beitragen ist bisher noch nicht bekannt gewesen.

Die Wissenschaftler Berend Isermann und Shrey Kohli haben nun mit Kollegen nachweisen können, dass der Thrombozyten Aktivierung und der Generierung von EVs eine zentrale Bedeutung zukommt. Thrombozyten und EVs verursachen eine thrombo-inflammatorische Reaktion in der Plazenta. Die durch EVs aktivierten Thrombozyten setzen den Botenstoff ATP frei, der in den Zellen der Plazenta (Trophoblasten) eine sterile Entzündung verursacht.

Diese Entzündungsreaktion führt nicht nur zur Schädigung der Plazenta und des Embryos, sondern auch zur Blutdruckerhöhung und Nierenschädigung. In Kooperation mit Gynäkologen der Universitätskliniken in Magdeburg und Erlangen sowie des städtischen Klinikums in Magdeburg konnte das Forscherteam nachweisen, dass sich entsprechende Veränderungen auch bei schwangeren Frauen mit Präeklampsie finden.

Im Tiermodell konnten spezifische pharmakologische Interventionen mit Aspirin oder den entzündungshemmenden Substanzen Anakinra, Apyrase oder purinergen Rezeptorantagonisten die PE-assoziierten Folgen verhindern. Diese Ergebnisse bereiten somit ein neues pathophysiologisches Verständnis der PE und zeigen neue therapeutische Ansätze für die PE auf.

Publikation: Blood 2016 :blood-2016-03-705434; doi:10.1182/blood-2016-03-705434

http://www.bloodjournal.org/content/early/2016/09/02/blood-2016-03-705434.long?s...

Kontakt:
Prof. Dr. Berend Isermann und Shrey Kohli
Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie
Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg
Tel.: +49 391 67-13921
E-Mail: berend.isermann@med.ovgu.de und shrey.kohli@med.ovgu.de

Kornelia Suske | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie