Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

LSD wirkt über Serotonin-Rezeptoren wahrnehmungsverändernd

27.01.2017

Forschende der UZH haben herausgefunden, wie sich unter LSD die Wahrnehmung von Bedeutung im Gehirn verändert. Für die veränderte Wahrnehmung sind die Serotonin 2A-Rezeptoren verantwortlich. Diese Erkenntnis hilft, neue Pharmakotherapien für psychiatrische Krankheiten wie Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen oder Phobien zu entwickeln.

Menschen nehmen alltägliche Dinge und Erlebnisse unterschiedlich wahr und messen beispielsweise Musikstücken unterschiedliche Bedeutung zu. Bei psychiatrischen Krankheiten ist diese Wahrnehmung oft verändert. Für Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen beispielsweise sind Drogenreize bedeutungsvoller als für nichtabhängige Personen.


LSD wirkt im Gehirn über Serotonin-Rezeptoren wahrnehmungsverändernd, (istockphoto)

Oder Patienten mit Phobien nehmen die Dinge oder Situationen, die ihnen Angst machen, im Unterschied zu gesunden Personen mit überhöhter Bedeutung wahr. Eine verstärkte negative Bewertung des Selbst ist auch bei depressiven Patienten charakteristisch. Wie diese sogenannte persönliche Relevanz im Gehirn entsteht und welche neuropharmakologischen Mechanismen ihr zugrunde liegen, war bisher nicht bekannt.

LSD verändert Bedeutungszuschreibung

Forschende der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich zeigen nun, dass LSD diesen Prozess durch die Stimulation des Serotonin 2A-Rezeptors, einem der 14 verschieden Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, beeinflusst. Studienteilnehmer mussten vor Studienbeginn 30 Musikstücke als persönlich wichtig und bedeutend oder als persönlich unbedeutend kategorisieren.

Im anschliessenden Versuch veränderte LSD gegenüber einem Scheinmedikament die Bedeutungszuschreibung: «Vorher als unbedeutend klassifizierte Musikstücke wurden unter LSD plötzlich zu persönlich bedeutenden Musikstücken», erklärt Katrin Preller, die zusammen mit Prof. Franz Vollenweider und dem Forschungsteam Neuropsychopharmakologie und Brain Imaging die Studie durchführt.

LSD wirkt über die Serotonin 2A-Rezeptoren

Zu solch überhöhten oder übertriebenen Bedeutungszuschreibungen auf Erlebnisse und Umweltreize kommt es bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen. Ein kohärentes Selbst dagegen hängt von einem funktionierenden Netzwerk von sogenannten kortikalen Mittelhirnstrukturen ab, wie neuere Studien zeigen. Bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen ist demnach dieses Netzwerk gestört. «LSD scheint nun genau auf dieses Netzwerk einzuwirken und das Bedeutungserleben zu beeinflussen», erläutert Katrin Preller.

Die Wissenschaftler konnten auch mithilfe funktioneller Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) zeigen, dass Studienteilnehmer nach der Einnahme von LSD vorher nicht relevanten Reizen mehr Bedeutung zumassen. Wurde hingegen vor der Einnahme von LSD der Serotonin 2A-Rezeptor pharmakologisch blockiert, wurden auch alle weiteren durch LSD ausgelösten psychischen Veränderungen normalisiert.

«Dies war sehr überraschend, denn aus Studien mit Tieren ging hervor, dass LSD auch weitere Rezeptoren wie das Dopamin D2-System stimuliert», sagt Preller. Von diesem nahm man bisher an, dass es für die durch LSD ausgelöste Euphorie verantwortlich sein dürfte. Ebenso ging man davon aus, dass verschiedene Rezeptorsysteme an der Entstehung von Bedeutungserleben beteiligt sind. Die Ergebnisse der aktuellen Studie weisen aber deutlich auf die Schlüsselrolle des Serotonin 2A-Rezeptors hin sowohl für das subjektive Erleben unter LSD wie auch für die mittels fMRT objektivierten Veränderungen der Hirnaktivität.

Mögliche Ansätze für Pharmakotherapien bei psychiatrischen Problemen

Diese Beobachtung gibt Aufschluss, wie LSD neuropharmakologisch im Gehirn wirkt und insbesondere wie die Pharmakologie von Bedeutungswahrnehmung funktioniert. Während der Serotonin 2A-Rezeptor dafür zuständig zu sein scheint, neue Bedeutung zu generieren, könnte das Dopamin-System die Relevanz von Reizen regeln, die wir generell als wichtig erachten. Diese Ergebnisse können damit einst Betroffenen von psychiatrischen Krankheiten zugutekommen, die durch veränderte Bedeutungswahrnehmung gekennzeichnet sind, wie Depressionen, Phobien und Abhängigkeitserkrankungen.

Literatur:

Katrin H. Preller, Marcus Herdener, Thomas Pokorny, Amanda Planzer, Rainer Kraehenmann, Philipp Stämpfli, Matthias E. Liechti, Erich Seifritz, Franz X. Vollenweider. The fabric of meaning and subjective effects in LSD-induced states depend on serotonin 2A receptor activation. Current Biology, 16. Januar 2017. Doi: 10.1016/j.cub.2016.12.030

Kontakt:

Dr. Katrin Preller
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Tel. +41 44 634 44 67
E-Mail: preller@bli.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.media.uzh.ch

Beat Müller | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics