Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lösen Hormone Nierenkrebs aus?

15.02.2011
Patienten mit Bluthochdruck haben ein höheres Risiko, an Nierenkrebs zu erkranken. Den Ursachen dafür sind Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg auf der Spur. Ihre Forschungen treiben sie mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Krebshilfe voran.

Tatsache Nummer 1: Bei zu hohem Blutdruck ist das Risiko für Nierenzellkrebs fast doppelt so groß wie bei normalem Blutdruck. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Bluthochdruck medikamentös behandelt wird oder nicht. Das haben große internationale Studien mit insgesamt rund 50.000 Teilnehmern gezeigt. In Deutschland hat jeder vierte Einwohner zu hohen Blutdruck.

Tatsache Nummer zwei: Bei vielen Bluthochdruck-Patienten ist zu viel körpereigenes Angiotensin II vorhanden. Dieses Hormon reguliert den Blutdruck. Besteht hier ein Zusammenhang zu den vermehrten Krebsfällen? Möglicherweise ja, meinen Professorin Dr. Helga Stopper und Dr. Nicole Schupp, Toxikologinnen von der Universität Würzburg. Sie haben nachgewiesen, dass ein zu hoher Angiotensin-II-Spiegel das Erbgutmolekül DNA schädigt. Diesen Effekt fanden sie in Nierenzellkulturen, an isolierten Mäusenieren und auch bei Ratten, in deren Organismus der Angiotensin-II-Spiegel erhöht war.

DNA-Schäden: Reparatur oder Mutation?

Die Frage heißt nun: Kann der Organismus diese DNA-Schäden reparieren? Oder bleiben sie im Erbgut als Mutationen erhalten, die später vielleicht Krebs auslösen? Das wollen die Forscherinnen zusammen mit Professor Dr. Bernd Epe vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Universität Mainz klären. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit rund 375.000 Euro.

DNA-Schäden treten in den Zellen eines Organismus tagtäglich auf. Doch eine gut funktionierende Reparaturmaschinerie kann die meisten davon beseitigen. „Übersteigt aber die Schädigung die Reparaturkapazität oder unterlaufen den Reparaturenzymen Fehler, kommt es zu Mutationen“ erklärt Helga Stopper. Diese Veränderungen der genetischen Information werden bei der Zellteilung an die Tochterzellen weitergegeben – und lassen im ungünstigsten Fall die Zelle zur Krebszelle entarten.

Blauer Farbstoff zeigt Mutationsrate an

Führt ein erhöhter Spiegel von Angiotensin II zu Mutationen? Das wollen die Wissenschaftlerinnen mit einem speziellen Mausmodell klären. Im Erbgut der Tiere befinden sich Bakteriengene: Isoliert man sie, können sie im Laborversuch einen blauen Farbstoff bilden – aber nur, wenn sie noch funktionstüchtig sind. Sind die Gene dagegen mutiert, verlieren sie diese Eigenschaft. Je weniger blaue Farbe entsteht, umso mehr Mutationen liegen in den Zellen vor. Auf diese Weise lässt sich prüfen, ob die Mutationsrate von der Angiotensin-Menge abhängt.

Geringeres Krebsrisiko durch Medikamente?

Gleichzeitig soll in dem Projekt untersucht werden, welchen Einfluss verschiedene blutdrucksenkende Medikamente auf die Häufigkeit von DNA-Schäden haben. „Denn es besteht die Möglichkeit, dass einige Wirkstoffgruppen hier vorteilhafter wirken als andere und damit möglicherweise das Krebsrisiko senken könnten“, so die Forscherinnen. Manche Wirkstoffe senken den Blutdruck, indem sie in das körpereigene Renin-Angiotensin-System eingreifen.

Kontakt

Dr. Nicole Schupp, Lehrstuhl für Toxikologie, T (0931) 201-48722,
nicole.schupp(at)toxi.uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Helga Stopper, Lehrstuhl für Toxikologie, T (0931) 201-48427,
stopper(at)toxi.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie

Kieler Forscher koordiniert millionenschweres Verbundprojekt in der Entzündungsforschung

19.01.2017 | Förderungen Preise

Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen

19.01.2017 | Biowissenschaften Chemie