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Lernen im Wachkoma möglich

21.09.2009
Reiz-Konditionierung kann Gehirnuntersuchung ersetzen

Patienten mit Wachkoma können bestimmte Dinge lernen. Forscher aus Argentinien und England berichten in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Nature Neuroscience von einem einfachen Experiment, der diesen Nachweis erstmals ermöglichte.

Sie konditionierten Wachkoma-Patienten, indem sie ihnen einen Ton vorspielten und unmittelbar darauf einen kleinen Luftstoß ins Auge versetzten. Nach einigen Trainingsdurchgängen blinzelten die Patienten bereits beim Hören des Tones. Bei einer Kontrollgruppe von Freiwilligen, die sich unter Vollnarkose befanden, fand dieser Lernprozess nicht statt.

So einfach diese Beobachtung auch scheint, sie erfordert von Wachkoma-Patienten eine ganze Reihe von Handlungen, die auf vorhandenes Bewusstsein hinweisen. Denn sie müssen dazu eine Beziehung zwischen Ton- und Luftstoß-Stimuli herstellen und auch Erinnerungen bilden.

Von den Erkenntnissen könnte einerseits die Rehabilitation profitieren, andererseits soll die Versuchsmethode den Ärzten zu einer besseren Diagnose helfen, erklärt Studienautor Tristan Bekinschtein von der Universität Cambridge. "Dieser Test, der mit sehr einfachen Mitteln durchführbar ist, kann das Bewusstsein von Patienten feststellen, ohne dass dazu Gehirnuntersuchungen oder spezielle Anweisungen nötig sind. Zusätzlich gibt die Lernfähigkeit des Patienten auch Hoffnung auf eine Verbesserung gewisser Fähigkeiten."

Wie wichtig Lernprozesse für Wachkoma-Patienten sind, erklärt Johann Donis, Vorsitzender der österreichischen Wachkoma-Gesellschaft im pressetext-Interview. "Die Frage lautet, ob man es schafft, auf bestimmte Reize eine Reaktion zu erhalten. Ab dem Augenblick, wo eine nicht-reflektorische Antwort gelingt, ist dies als erster Schritt zu einem Bewusstsein zu werten", so der Wiener Neurologe. Könne ein Wachkoma-Patient zwischen verschiedenen Inputs unterscheiden, sei die Suche nach einem Kanal zur Kommunikation wichtig, der je nach Fähigkeit etwa in gesteuertem Blinzeln, Augenbewegungen, Atmen sowie Hand- oder Fußbewegungen bestehen könne. "Es zahlt sich aus, sich besonders um diese Patientengruppe zu kümmern. Denn gewisse Formen der Kommunikation sind möglich", betont Donis.

In Deutschland sind rund 10.000 Menschen und in Österreich rund 1.000 Menschen vom "apallischen Syndrom", wie das Wachkoma im Fachjargon heißt, betroffen. Dabei handelt es sich um eine der schwersten Schädigungen des Gehirns, bei der Überleben noch möglich ist. Ursachen dieses Krankheitsbildes sind oft Unfälle mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen oder der reanimierte Zustand nach einem Schlaganfall. Die Patienten bleiben in einem komaähnlichen Zustand und haben die Augen zeitweise geöffnet, können jedoch nur beschränkt Reize und Informationen der Umwelt aufnehmen und darauf reagieren.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.neuroscience.cam.ac.uk
http://www.wachkoma.at

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