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Auf leisen Sohlen durch den Winterwald - Langlaufen, ein Sport nicht nur für Gesunde!

28.12.2010
Winterzeit ist Langlaufzeit. Immer mehr Menschen begeistern sich für die Ausdauersportart. Auf leisen Sohlen durch den Winterwald, lassen sich Bewegung und Wintervergnügen ideal verbinden.

Wenn Ungeübte ihre Bretter aus dem Keller holen, steigt aber auch die Verletzungsgefahr. Wir fragten Prof. Dr. med. Nikolaus Wülker, Ärztlicher Direktor der Orthopädie am Universitätsklinikum Tübingen, was man beachten sollte und ob auch Menschen mit Arthrose oder künstlichen Hüftgelenken von diesem Sport profitieren können.

- Langlaufen gilt als Sport mit geringem Verletzungsrisiko. Welche Verletzungen treten auf, wenn doch einmal etwas passiert?

Verletzungen beim Langlauf sind wirklich sehr viel seltener als beim Abfahrtsski, wo wir ja enorm viele und oft schwerwiegende Verletzungen sehen. Wenn beim Langlaufen etwas passiert, dann sind die Geschwindigkeiten geringer und es stehen im Gegensatz zum Abfahrtsski weniger Hindernisse wie andere Skifahrer oder Bäume im Weg. Auch der Schnee ist meist weniger festgefahren und der Aufprall ist daher weicher als beim Abfahrtsski. Wenn allerdings etwas passiert, dann ist es beim Langlauf wie beim Abfahrtsski vor 50 Jahren, also bevor es hohe Skistiefel und Sicherheitsbindungen gab. Die relativ feste Verbindung zwischen Ski und Schuh kann bei einem Sturz dazu führen, dass sich das Bein verdreht. Es dreht sich dann nicht wie beim Abfahrtsski mit hohem Skistiefel vorwiegend im Kniegelenk, sondern im Sprunggelenk. Dabei kann es zu Zerrungen, zu Bänderrissen oder zu Frakturen kommen. Überwiegend sind der Außenknöchel und die darum gelegenen Bänder betroffen, allerdings können die Verletzungsmuster auch sehr viel komplexer sein.

- Wenn es im Gelände zu einer Verletzung gekommen ist, was sollte zuallererst getan werden? Wann muss man zum Arzt?

Wenn etwas passiert ist, fällt es ja zunächst schwer, auf der Loipe eine exakte Diagnose zu stellen. Da wird man sich nach den Beschwerden richten und entscheiden müssen, ob man selbst von der Loipe kommt oder sich transportieren lässt. Als erste Therapie sollte man versuchen, den Fuß vorsichtig wieder in eine normale Lage zu bekommen, auch eine Kühlung ist bei Schwellungen nie verkehrt. Wenn der Fuß verdreht oder verkippt steht, muss man von einer Fraktur oder einer Ausrenkung ausgehen und Hilfe holen.

- Darf man ein verstauchtes Gelenk noch belasten? Wie lange soll man pausieren?

Wenn eine präzise Diagnose gestellt wurde, gibt es verschiedene Situationen. Handelt es sich um eine Verstauchung oder Zerrung, kann man die Belastung so steigern, wie es die Schmerzen erlauben. Denn dann ist ja nichts wirklich gerissen oder kaputt gegangen.

Bei einem Bänderriss oder einem Muskelfaserriss muss hingegen dafür gesorgt werden, dass die gerissenen Strukturen auch wieder richtig aneinander heilen. Dies wird immer eine Ruhigstellung mit Schienen oder im Gips und wahrscheinlich auch eine Entlastung mit Gehstützen bedeuten. Dabei sind die erforderlichen Zeiträume oft länger als man denkt. Innerhalb von sechs Wochen nach derartigen Rissen wird man kaum wieder irgendeine Sportfähigkeit erlangen.

- Langlauf gilt als gesunder Sport, auch für Menschen mit Gelenkbeschwerden.
Verschlimmert Langlaufen eine Arthrose, wieweit darf man sich belasten und schadet die Kälte?

Wenn man schon einen gewissen Gelenkschaden hat, zum Beispiel eine beginnende Arthrose, tun den Betroffenen gleichmäßige Bewegungen wie beim Langlauf besonders gut. Natürlich soll man nicht gegen den Schmerz anfahren. Aber wenn die Beschwerden durch die Arthrose noch nicht so schlimm sind, ist die Bewegung für die Ernährung des Knorpels hilfreich. Gleichzeitig verzögert sich die Einsteifung der betroffenen Gelenke und der Abbau der benachbarten Muskeln wird aufgehalten. Allerdings empfinden die meisten Arthrose-Patienten Kälte als unangenehm, sie sollten sich daher besonders warm einpacken.

- Darf man mit einem künstlichen Kniegelenk langlaufen?
Was ist bei einem künstlichen Hüftgelenk? Kann es sich lockern?
Künstliche Hüftgelenke und künstliche Kniegelenke sind bei rhythmischen Belastungen uneingeschränkt einsetzbar, wenn keine Stoßbelastung damit verbunden ist. Das ist gerade der Unterschied zwischen Abfahrtslauf und Langlauf: Während wir Abfahrtslauf aufgrund der hohen und oft nicht vorhersagbaren Spitzenbelastungen nicht empfehlen, ist Langlauf ein gutes Training für die Muskulatur und die Weichteile, die das Kunstgelenk umgeben. So gibt es dann auch viele Patienten, die mit einem künstlichen Kniegelenk oder Hüftgelenk gerade auf der Loipe die wieder erlangte Aktivität als besonders lebenswert empfinden.

- Wie sieht es nach einem Bandscheibenvorfall oder bei Rückenschmerzen aus?

Bei Patienten mit Rückenschmerzen, gerade auch bei einem Bandscheibenvorfall, ist körperliche Aktivität keineswegs generell etwas Schlechtes. Dies gilt allerdings erst, wenn die akute Phase einer Nervenreizung, die zu einer heftigen Ausstrahlung von Schmerzen in die Beine führt, überstanden ist. Generell sind bei Rückenproblemen langes Stehen und Sitzen ungünstig. Umgekehrt ist dann auch die regelmäßige Bewegung beim Langlauf eher günstig. Dabei spielt außerdem sicher auch ein psychologischer Aspekt eine Rolle: die geistige Abwechslung, die Freude an der Bewegung und der Aufenthalt in der Natur helfen häufig, Rückenschmerzen besser zu verarbeiten oder zu überwinden.

Die Fragen beantwortete Prof. Dr. med. Nikolaus Wülker, Orthopädische Universitätsklinik Tübingen.

- Die Orthopädische Klinik Tübingen
unter der Leitung von Prof. Dr. med. Nikolaus Wülker gehört zu den 17 Kliniken des Tübinger Universitätsklinikums und beschäftigt sich seit Jahrzehnten u.a. intensiv mit Endoprothesen und anderen Operationstechniken. Mehrere hundert Kunstgelenke werden hier jedes Jahr implantiert. Schmerzfreie Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit können dank modernster Methoden wiederhergestellt werden. Informationen zur Klinik und zum Behandlungsspektrum gibt es unter www.medizin.uni-tuebingen.de und am Patienten-Servicetelefon 07071/29-8 60 33.

Ansprechpartner für die Presse

Universitätsklinikum Tübingen
Orthopädische Universitätsklinik
Prof. Dr. med. Nikolaus Wülker, Ärztlicher Direktor
Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 66 85 (Sekretariat)
wuelker@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-tuebingen.de
http://www.med.uni-tuebingen.de/Patienten/Kliniken/Orthop%C3%A4die.html

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