Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Wissenschaftlern gelingt wichtiger Schritt zur Früherkennung der Alzheimer-Demenz

14.06.2011
Leipziger Wissenschaftlern ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Früherkennung der Alzheimer-Demenz gelungen.

Gemeinsam mit Forschern in den USA, Australien und der Schweiz haben sie in einer Multicenter-Studie erfolgreich ein Mittel getestet, das es ermöglicht, die Krankheit noch vor dem Ausbruch zu diagnostizieren.

Mit der schwach radioaktiven Marker-Substanz Florbetaben, die in den Arm gespritzt wird und sich dann im Gehirn anreichert, kann das Eiweiß Beta-Amyloid mittels eines Positronen-Emissions-Tomografen (PET) nachgewiesen werden. Beta-Amyloid gilt als Auslöser der Alzheimer-Demenz.

"Die Erkenntnisse der Studie bedeuten eine gravierende Verbesserung bei der Alzheimer-Diagnostik", sagt Professor Dr. Osama Sabri, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und Leiter der klinischen Prüfung. Die Leipziger Universitätsmedizin war bei dieser von der Bayer Schering Pharma in Auftrag gegebenen Studie das führende Zentrum, das an der Planung der Untersuchung beteiligt war und deren Durchführung mit betreut hat.

"Es macht uns sehr stolz, dass nicht München, Berlin, Stanford oder Yale diese Studie bekommen haben, sondern wir. Das ist auch für die Medizinische Fakultät ein riesiger Erfolg", so der Mediziner, der die Leitung der gesamten Studie innehatte und bei der Veröffentlichung als Seniorautor fungierte. Ihre Ergebnisse hat die Forschungsgruppe um Professor Sabri in der Mai-Ausgabe der renommierten Zeitschrift "Lancet Neurology" veröffentlicht, der weltweit wichtigsten Zeitschrift im Bereich der klinischen Hirnforschung.

Zehn bis 15 Jahre bevor die Alzheimer-Erkrankung ausbricht, lagert sich Beta-Amyloid im Hirn an und lässt sich zu diesem Zeitpunkt bereits nachweisen. Das Eiweiß, so die Annahme der Mediziner, ist giftig für die Nervenzellen im Gehirn und führt dazu, dass diese absterben. Mit dem neuen so genannten PET-Tracer könnte die Krankheit in Zukunft bereits diagnostiziert werden, bevor Symptome auftreten.

"Das wäre eine wirkliche Revolution in der Alzheimer-Diagnostik", sagt Privatdozent Dr. Henryk Barthel von der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin an der Universität Leipzig, Erstautor der Veröffentlichung.

Bisher wird Alzheimer-Demenz mit klinischen Tests, beispielsweise zur Leistung des Gedächtnisses, diagnostiziert. Diese können jedoch nur bedingt Auskunft über eine tatsächliche Erkrankung geben. "In 20 bis 30 Prozent der Fälle ist die Diagnose falsch, etwa weil eine andere Art der Demenz vorliegt", so Barthel. Die derzeit sicherste Methode, Alzheimer festzustellen, ist eine mikroskopische Untersuchung des Hirns nach dem Tod des Patienten.

Das rechtzeitige Erkennen würde eine frühe Behandlung ermöglichen. "Die Krankheit ist im Moment nicht heilbar. Lediglich das Fortschreiten der Erkrankung kann mit Medikamenten bei einem Teil der Patienten verlangsamt werden", erklärt Barthel. Es werde jedoch intensiv an neuen Heilungskonzepten geforscht, die sich beispielsweise darauf stützen, das Beta-Amyloid aus dem Gehirn zu entfernen.

Die aktuelle Studie der Leipziger Wissenschaftler ist die größte und die weltweit erste Multicenter-Studie zum Nachweis von Beta-Amyloid im Gehirn mit Hilfe der PET-Bildgebung. Insgesamt wurden 150 Menschen, 89 Alzheimer-Patienten und 69 Gesunde, untersucht. Dabei konnten die Wissenschaftler eine sehr hohe Genauigkeit bei der Unterscheidung zwischen gesunden Personen und Alzheimer-Patienten erzielen. "Diese hohe Genauigkeit ist eines der Hauptergebnisse der Studie und die Voraussetzung dafür, dass die Methode in Zukunft auch in der klinischen Routine eingesetzt werden kann", sagt Dr. Barthel.

Bei der Untersuchung wurde den Studienteilnehmern eine schwach radioaktive Substanz in die Armvene gespritzt. Die Strahlung, welcher der Patient dadurch ausgesetzt wird, entspricht in etwa dem Doppelten der natürlichen Strahlenmenge, die ein Mensch im Laufe eines Jahres aufnimmt. Sie ist damit als nicht gesundheitlich bedenklich einzuschätzen. Die Testsubstanz reichert sich nach kurzer Zeit am Beta-Amyloid im Gehirn an, was mittels einer Kamera im Positronen-Emissions-Tomografen gemessen werden kann.

Dabei entsteht ein dreidimensionaler Datensatz, der zusammen mit Daten aus einer Magnetresonanztomografie (MRT) eine genaue Lokalisation des Beta-Amyloids in der grauen Hirnmasse ermöglicht.

Für die Leipziger Forscher war die Studie gleich in dreifacher Hinsicht ein Erfolg. Nicht nur, dass die Studie hierher gegeben wurde und mit Professor Sabri ein Leipziger Wissenschaftler die Leitung innehatte. Auch das Rekrutierungsziel von 30 Patienten pro Zentrum wurde hier am schnellsten erreicht. Zudem hat die Leipziger Radiochemie 75 Prozent des gespritzten Tracer-Materials für die gesamte Studie hergestellt. "Ein Fünftel der Patienten und sogar drei Viertel der Substanz kamen aus Leipzig, das macht uns natürlich stolz. Den Erfolg der Studie verdanken wir der gelungenen Kombination aus einer technisch hochstehenden Nuklearmedizin und der großartigen Rekrutierung von Probanden durch Professor Hermann-Josef Gertz aus der Psychiatrie des UKL", so Professor Sabri.

Ines Christ

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Osama Sabri
Telefon: +49 341 97-18000
E-Mail: osama.sabri@medizin.uni-leipzig.de

Susann Huster | idw
Weitere Informationen:
http://nuklmed.medizin.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie