Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leberkrebs: Prävention für Hepatitis-B-Patienten durch Immuntherapie

09.11.2011
Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis B Virus (HBV) ist häufig die Ursache für die Entstehung von Leberkrebs.

Trotz der Fortschritte in der Behandlung kann die Erkrankung noch nicht effektiv therapiert werden. Eine vielversprechende Strategie, die HBV-Infektion vollständig und langfristig zu kontrollieren, ist die gezielte Stimulation des Immunsystems der Patienten. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Mengji Lu am Universitätsklinikum Essen testet diesen Ansatz nun im Tiermodell.

Weltweit sind nach Schätzung der WHO etwa 400 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis B-Virus infiziert. In Deutschland geht man von circa 400.000 Patienten aus. Die Zahl der jährlichen Neuinfektionen wird weltweit auf 20 Millionen geschätzt, davon 100.000 in Westeuropa. Patienten, die chronisch mit HBV infiziert sind, haben ein 100fach höheres Risiko an Leberkrebs zu erkranken. Die derzeit verfügbaren Therapieoptionen mit dem Botenstoff Interferon-α führen nur bei einem Fünftel der Patienten zu einer Ausheilung. Auch die bisher erprobten Impfstoffe brachten keinen durchschlagenden Erfolg.

Bei Patienten, die eine HBV Infektion erfolgreich aus eigener Kraft bekämpfen können, zeigen die T-Zellen des Immunsystems bereits kurz nach der Infektion eine starke Reaktion. Anders bei Patienten, die eine chronische Infektion entwickeln: Ihre T-Zellantwort ist nur schwach ausgeprägt. Eine mögliche Herangehensweise ist deshalb, dem Immunsystem einen unterstützenden Impuls zu geben beziehungsweise die Immunantwort gezielt zu verstärken. Warum bisherige Bemühungen gescheitert sind erläutert Professor Lu: „Der Grund für die bisherigen Fehlschläge bei der Wirksamkeit von Impfstoffen, ist die verminderte Fähigkeit des Immunsystems, auf die spezifischen Impfstoffe zu reagieren. Die hohe Vermehrungsrate der Viren in chronisch infizierten Patienten führt zur Toleranz des Immunsystems gegenüber dem Erreger.“

Einen Lösungsansatz sieht der Forscher daher in der Kombination von verschiedenen Strategien. So soll des Immunsystems durch eine Impfung unterstützt, ergänzend jedoch auch die Vermehrung des Virus in den Zellen unterdrückt werden. Letzteres will das Team um Professor Lu dadurch erreichen, dass es dem Virus künstliche Bausteine – sogenannte Nukleosidanaloga – „unterjubelt“. Diese wirken bei der Vervielfältigung des Virus-Erbgutes wie Sand im Getriebe. Der Prozess kommt ins Stocken und letztlich zum Stillstand.

Die Arbeitsgruppe um Professor Lu testet den neuen kombinierten Therapieansatz derzeit an Murmeltieren, die chronisch am Murmeltier-Hepatitis-Virus (WHV) erkrankt sind. In der geplanten Studie erhalten die Tiere das hochwirksame Nukleosidanalogon „Entecaviar“. Anschließend wird ihr Immunsystem mit einer Kombination aus DNA- und Protein-Impfstoffen gezielt angeregt. Das Team um Professor Lu hofft, dass die chronische Infektion dadurch beendet und die Entwicklung von Leberkrebs bei den Tieren verhindert werden kann.

Sollte sich die Strategie als erfolgreich erweisen, wäre diese Herangehensweise eine Grundlage zur Entwicklung einer entsprechenden Kombinationstherapie beim Menschen.

Vorversuche zum Projekt haben gezeigt, dass durch diese Kombinationstherapie eine vollständige Auslöschung des Virus zumindest bei einigen Tieren erreicht werden konnte. Professor Lu: „Ich sehe eine realistische Chance, dass wir durch die neue Studie die Erfolgsrate weiter steigern können. Ein solcher Fortschritt wäre sehr bedeutsam für die klinische Anwendung.“

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 200.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. rer. nat. Mengji Lu, Institut für Virologie,
Universitätsklinikum Essen
E-Mail: mengji.lu@uni-due.de
Telefon: +49 201 723 35 30

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de
http://www.uni-due.de/virologie/res_lu_en.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rasche Umweltveränderungen begünstigen Artensterben

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Materie-Rätsel bleibt weiter spannend: Fundamentale Eigenschaft von Proton und Antiproton identisch

19.10.2017 | Physik Astronomie

Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie