Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lebererkrankungen bei Kindern: Untersuchung mit Druckwellen statt wiederholter Gewebeproben

29.10.2014

Projekt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg abgeschlossen: Diagnosegerät „Fibroscan“ kann chronisch kranken Kindern schmerzhafte Biopsien der Leber ersparen / Dietmar Hopp Stiftung unterstützte Projekt mit großzügiger Spende

Ein spezielles Diagnosegerät, das mit Hilfe von Druckwellen und Ultraschall die Leberfestigkeit misst, eignet sich gut zur Verlaufskontrolle chronischer Lebererkrankungen bei Kindern. In fortgeschrittenen Stadien kann die kurze und schmerzlose Untersuchung den Kindern einige der bisher notwendigen, wiederholten Leberbiopsien ersparen.


Dr. Ulrike Teufel, Ärztin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, und Professor Dr. Jens-Peter Schenk, Chefarzt der Kinderradiologie, bei der Untersuchung eines Patienten mit dem Diagnos

Universitätsklinikum Heidelberg

Zu diesem Ergebnis ist ein Team um Dr. Ulrike Teufel, Ärztin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, und Professor Dr. Jens-Peter Schenk, Chefarzt der Kinderradiologie, gekommen: Die Ärzte hatten im Rahmen eines fünfjährigen Projektes, neben Erstellung von Normwerten im Kindesalter, die Ergebnisse aus 80 Leberbiopsien bei Kindern mit den Daten, die das Gerät „Fibroscan“ lieferte, verglichen.

Sie zeigten damit erstmals, dass die als Elastographie bezeichnete Untersuchungsmethode, die bei Erwachsenen mit Leberschäden bereits routinemäßig Anwendung findet, auch bei Kindern die gängige Diagnostik sinnvoll ergänzt. Die Dietmar Hopp Stiftung hatte 2009 die Anschaffung des Diagnosegeräts mit einer Spende in Höhe von 100.000 Euro möglich gemacht und die Durchführung des Projekts gefördert.

„Mit Hilfe dieses Verfahrens, das wir ergänzend zur Ultraschall-Untersuchung einsetzen, können wir die Veränderung des Lebergewebes in kürzeren Intervallen als bisher kontrollieren und so den Verlauf der Fibrose besser nachvollziehen“, sagt Professor Schenk. „Wir gehen davon aus, dass wir so die Anzahl der Biopsien verringern können – das ist ein großer Gewinn für die kleinen Patienten.“ Das Verfahren wurde nun am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg in die Regelversorgung chronisch leberkranker Kinder übernommen.

Auch im Kindesalter gibt es bereits chronische Lebererkrankungen. Meist treten sie als Folge angeborener Stoffwechselerkrankungen wie der Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson) oder Mukoviszidose sowie angeborener Veränderungen der Gallengänge auf. Auch spät entdeckte, anhaltende Entzündungen kommen als Ursache in Frage. Allen Erkrankungen ist gemein, dass mit der Zeit das Lebergewebe durch funktionsloses, festes Bindegewebe ersetzt wird. Mediziner sprechen von einer Fibrose. Schreitet die Vernarbung trotz Behandlung weiter fort, kann früher oder später nur noch eine Lebertransplantation helfen.

Bildgebende Verfahren geben wenig Auskunft über Umbau des Lebergewebes

Um die weitere Therapie zu planen, z.B. das Kind rechtzeitig für eine Transplantation anzumelden und darauf vorzubereiten, müssen die Ärzte die Leber regelmäßig auf ein mögliches Voranschreiten einer Fibrose untersuchen. Bisher stand ihnen dazu als einziges Diagnosewerkzeug die Biopsie, die Entnahme eines kleinen Gewebeteils mit einer Nadel, zur Verfügung. Dabei wird das Lebergewebe durch die Bauchdecke entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Bei Kindern muss die Biopsie oft in Narkose vorgenommen werden.

Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschall erfassen zwar äußerliche Veränderungen von Leber und Milz oder Abweichungen im Blutfluss, geben aber nur wenig Auskunft über den Grad der Vernarbung. Außerdem dauert eine MRT mindestens 30 Minuten – besonders den kleineren Patienten müssen dazu Beruhigungsmittel verabreicht, selten müssen sie sogar narkotisiert werden. Laborwerte werden herangezogen, um Komplikationen wie zusätzlich auftretende Entzündungen oder Gallenstau aufzuspüren.

Ohne Nadel und Beruhigungsmittel bzw. Narkose kommt dagegen die Elastographie aus: Das Diagnosegerät sendet ein niederfrequentes Tonsignal aus, das sich für den Patienten wie ein leichtes Schnippen mit dem Finger auf der Haut anfühlt. Der Ultraschallkopf misst die Verformung des Gewebes, die durch die Druckwelle erzeugt wird. Die Druckwelle breitet sich in vernarbtem, daher steiferem und weniger verformbarem Lebergewebe schneller aus als in normalem Gewebe. Je höher die Ausbreitungsgeschwindigkeit, desto höher der Fibrosegrad der Leber. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und kann ohne Folgen für den Patienten mehrfach wiederholt werden.

Häufige Verlaufskontrolle bei fortgeschrittener Vernarbung wichtig für Therapieplanung

Die Heidelberger Studie, die bisher größte Untersuchung der Elastographie bei Kindern, zeigte aber auch die Grenzen des Verfahrens: So lassen sich damit geringe Veränderungen des Lebergewebes nicht erkennen, erst eine fortgeschrittene Fibrose führt zum Anstieg der Messwerte. Die Elastographie mit dem „Fibroscan“ eignet sich daher zur Kontrolle, ob der Zustand der Leber stabil bleibt oder sich weiter verschlechtert. „Für eine genaue Diagnose sind Biopsien weiterhin unverzichtbar. Aber wir können mit Hilfe der Elastographie entscheiden, wie dringend die Biopsie ist, und bei unveränderten Werten erst noch abwarten“, so Dr. Teufel. „Das gilt auch für Patienten mit bekannten Lebererkrankungen, die sich neu an unserer Klinik vorstellen: Sind ihre Werte bei der Elastographie normal, müssen wir vorerst keine Gewebeprobe entnehmen.“


Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.121264.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Kinderheilkunde-I.820.0.html

Kontakt:
Professor Dr. Jens-Peter Schenk
Sektion Pädiatrische Radiologie
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Tel.: 06221 56-2329
E-Mail: jens-peter.schenk@med.uni-heidelberg.de

Dr. Ulrike Teufel
Klinik Kinderheilkunde I
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg
Tel.: 06221 56-4002
E-Mail: Ulrike.Teufel@med-uni-heidelberg.de

Über die Dietmar Hopp Stiftung
Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte zu ermöglichen. Das Stiftungsvermögen besteht überwiegend aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung, die zu den größten Privatstiftungen Europas zählt, rund 400 Millionen Euro ausgeschüttet. Der Schwerpunkt der Förderaktivitäten liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich der Stifter besonders verbunden fühlt. Auf Antrag fördert die Stiftung Projekte gemeinnütziger Organisationen in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung. Darüber hinaus setzt die Dietmar Hopp Stiftung ihre satzungsgemäßen Zwecke durch eigene Förderaktionen um. Die neueste Aktion will unter dem Titel „alla hopp!‘‘ alle Generationen für mehr Bewegung begeistern. Daher spendet die Stiftung Bewegungs- und Begegnungsanlagen an 18 Kommunen der Region im Gesamtwert von 40 Millionen Euro. Die Dietmar Hopp Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen, im Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und in der Sportregion Rhein-Neckar e.V.

Dietmar Hopp Stiftung
Raiffeisenstraße 51
68789 St. Leon-Rot
T: 06227 8608550
F: 06227 8608571
info@dietmar-hopp-stiftung.de
www.dietmar-hopp-stiftung.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 116.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
des Universitätsklinikums Heidelberg und der
Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Besuchen Sie das Universitätsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Julia Bird | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften