Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was der Leber zu schaffen macht

28.03.2013
Prof. Dr. Ina Bergheim von der Universität Jena betreibt molekulare Ernährungsforschung

„Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“ – ein Glas Wein zum guten Essen und ein Bier nach Feierabend gehören für die meisten Deutschen einfach dazu. Über 80 Prozent der Deutschen trinken Alkohol. Pro Jahr nimmt jeder Erwachsene mehr als 130 Liter an alkoholischen Getränken zu sich.

„Gegen das gelegentliche Gläschen in Ehren ist meistens nichts einzuwenden“, sagt Prof. Dr. Ina Bergheim von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch übermäßiger Alkoholkonsum führe definitiv zu Gesundheitsschäden, so die neue Professorin für Modellsysteme molekularer Ernährungsforschung weiter.

„Dazu gehören in erster Linie Lebererkrankungen“, weiß die Ernährungswissenschaftlerin, die von der Universität Hohenheim nach Jena wechselte. Bleibt der Alkoholkonsum weiter hoch, entwickelt sich eine Fettleberentzündung. Schlimmstenfalls kann es zu Leberzirrhose kommen, so Bergheim, die sich als eine von wenigen Forschern in Deutschland mit ernährungsphysiologischen Aspekten des Alkoholkonsums auf die Leber befasst.

Doch nicht nur übermäßiger Alkoholgenuss macht der Leber zu schaffen. „Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass die Zahl der nicht-alkoholbedingten Lebererkrankungen in den vergangenen 30 Jahren deutlich angestiegen ist.“ Eine Ursache dafür sieht Prof. Bergheim im steigenden Verzehr von Zucker. Denn den konsumieren wir längst nicht mehr nur in Form von Süßigkeiten oder Kuchen. „Zucker ist in vielen Nahrungsmitteln versteckt“, so die 39-Jährige. Ketchup, Joghurt und Getränke enthalten große Mengen davon. „Chronischer Zuckerkonsum kann zumindest im Tiermodell zu ähnlichen Schäden an der Leber führen wie chronischer Alkoholkonsum“, warnt Bergheim.

Die aus dem rheinland-pfälzischen Oberwesel stammende Wissenschaftlerin setzt einen ihrer Forschungsschwerpunkte in der Prävention von Lebererkrankungen durch die Ernährung. „Voraussetzung dafür ist, dass wir die molekularen Mechanismen verstehen, die zur alkohol- bzw. nicht-alkoholbedingten Fettlebererkrankung beitragen.“ Ina Bergheim beschäftigte sich bereits in ihrer Diplomarbeit an der Uni Gießen mit alkoholbedingten Organschäden: Zunächst mit dem Einfluss, den chronischer Alkoholkonsum auf das Kleinhirn hat, „später ging es weiter über den Dickdarm und die Speiseröhre hin zur Leber.“ In Zellkultur- und Tiermodellen aber auch in Probandenstudien geht sie seither der gesundheitsschädigenden Wirkung von Alkohol und Zucker nach.

Nach dem Studium wechselte sie an die Uni Hohenheim und hat in ihrer Promotion, die sie 2002 abschloss, die Rolle von Alkohol bei der Entstehung von Darm- und Speiseröhrenkrebs untersucht. Es folgten Forschungsaufenthalte am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und der University of Louisville im US-Bundestaat Kentucky. Wieder zurück an der Uni Hohenheim hat Ina Bergheim eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Nachwuchsforschergruppe aufgebaut. 2010 habilitierte sie sich dort mit einer Arbeit über die molekularen Mechanismen alkohol- und nicht-alkoholbedingter Fettlebererkrankungen.

Ein weiteres Standbein hat die Ernährungswissenschaftlerin in der Erforschung von Risikofaktoren, die Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter bedingen und fördern. „Auch dabei spielt die Ernährung eine zentrale Rolle“, sagt Bergheim, die selbst Mutter zweier Kinder ist. Wie eine ihrer jüngst abgeschlossenen Studien an über- und normalgewichtigen Kindern belegt, sind übergewichtige Kinder trotz der höheren Energie- und Nährstoffaufnahme teilweise nicht ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt. Normal- und übergewichtige Kinder unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem Bewegungs- und weniger in ihrem Ernährungsverhalten. Außerdem zeige bereits ein Großteil der übergewichtigen Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren Symptome des sogenannten metabolischen Syndroms: Störungen des Fettstoffwechsels, Bluthochdruck, Insulinresistenz.
Kontakt:
Prof. Dr. Ina Bergheim
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 29, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949730
E-Mail: ina.bergheim[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise