Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leben und Sterben von Hauttumorzellen

09.09.2008
Angesichts der weiter zunehmenden UV-Bestrahlung der Bevölkerung und dem immer höheren Lebensalter der Bevölkerung wird der weisse Hautkrebs in den kommenden Jahrzehnten deutlich weiter ansteigen.

Eine defekte Regulierung des sogenannten programmierten Zelltodes (Apoptose) kommt bei der Entwicklung von Hautkrebs eine wichtige Bedeutung zu. Welche Mechanismen Hauttumorzellen zum Wachstum anregen, untersucht eine Arbeitsgruppe um den Magdeburger Mediziner Martin Leverkus.

Das Ziel ist es, neue Ansätze zur Behandlung von Hautkrebs zu entdecken und insgesamt Verfahren zu entwickeln, die die Resistenz gegenüber dem programmierten Zelltod durchbrechen können. Unterstützt wurde diese Arbeit von der Wilhelm-Sander-Stiftung.

Weißer Hautkrebs oder Plattenepithelkarzinom: Dies sind die Fachausdrücke für die häufigste Krebserkrankung des Menschen. Betroffen werden insbesondere Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter, die stark der UV-Strahlung ausgesetzt waren. "Die ersten Tumorzellen entstehen z.T. Jahrzehnte zuvor und werden erst durch weitere UV-Bestrahlung zu invasiven und damit gefährlichen Karzinomen", erklärt Martin Leverkus.

Beim weißen Hautkrebs spielt offenbar ein in der Zelle vorhandenes Eiweiß, cFLIP, eine wichtige Rolle. So kann durch dieses Molekül die Auslösung des programmierten Zelltodes durch Botenstoffe blockiert werden. Interessanterweise binden diese Botenstoffe an Oberflächenmoleküle der Tumorzellen und können dadurch Apoptose auslösen. Ist der Inhibitor cFLIP stark exprimiert, können diese Botenstoffe nicht mehr programmierten Zelltod auslösen, sondern vielmehr andere tumorfördernde Signalwege der Zelle anschalten. Um die Bedeutung des Moleküls cFLIP, das in der Zelle in verschiedenen Formen vorkommen kann, genauer studieren zu können, arbeitet die Arbeitsgruppe mit Hilfe von Viren, die in der Lage sind, verschiedene Formen dieses Inhibitors in Tumorzellen einzuschleusen.

"Durch Einschleusung dieser Eiweiße in die Zelle erhoffen wir uns Aussagen über ihre Bedeutung bei der Entwicklung von Hautkrebs" so Leverkus weiter. Für zukünftige Therapien könnten aus den Erkenntnissen der Arbeitsgruppe von Leverkus wichtige Schlussfolgerungen für die Behandlung von Hautkrebs abgeleitet werden: "Wenn wir verstanden haben, wodurch cFLIP in der Zelle reguliert wird, werden daraus möglicherweise Wege identifiziert werden können, auch in Hautkrebszellen diese Eiweiße abzuschalten." In von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Versuchen konnten die Mitglieder der Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass die isolierte Einschleusung des Inhibitors in Vorläuferzellen des Hautkrebses bereits ausreicht, um aus den Vorläuferzellen invasive Tumoren zu bilden. Daher sind zukünftig auch Therapieverfahren zur gezielten Veränderung der Expression des Inhibitors cFLIP in Hautkrebszellen möglich. Bevor es allerdings soweit ist, müssen die verschiedenen Effekte von cFLIP im Detail erforscht werden. Die Arbeitsgruppe für Experimentelle Dermatologie wird deshalb die verschiedenen Facetten des Moleküls cFLIP in den nächsten Jahren weiter beim weißen Hautkrebs aufklären, die hoffentlich die Grundlage für einen möglichen Einsatz von gezielten blockierenden Substanzen in der Therapie des weißen Hautkrebses schaffen.

Kontakt: Prof.Dr. Martin Leverkus, Magdeburg;
Telefon: +49 (391) 67-15251;
E-Mail: martin.leverkus@med.ovgu.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt mit insgesamt mehr als 330.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten