Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Laserstrahl gegen bösartige Krebszellen

12.11.2010
Neues Verfahren zur Behandlung von Gallengangtumoren mit Lichttherapie am Uniklinikum Greifswald etabliert

An der Klinik für Innere Medizin A des Universitätsklinikums Greifswald wurde Anfang des Jahres eine neue Behandlungsmethode eingeführt, die Tumorzellen direkt im Gallengang angreifen soll.

Diese so genannte photodynamische Therapie (PDT) durch Laserlicht ist ein noch relativ neues Behandlungsprinzip, das insbesondere Patienten mit Gallengangkrebs besser helfen soll. Inzwischen haben bereits zwölf Patienten das spezielle Verfahren durchlaufen, das momentan im Land nur in Greifswald angeboten wird.

„Bösartige Tumore der Gallengänge sind leider nur zu einem geringen Teil durch eine vollständige chirurgische Entfernung heilbar“, sagte Prof. Dr. Markus Lerch, Direktor der Klinik für Innere Medizin A am Universitätsklinikum Greifswald. „Meistens wird der Tumor erst entdeckt, wenn er den Hauptgallengang oder seine Abzweigungen in der Leber verschlossen hat und zu einem Aufstau der Galle im Körper führt. In diesem Fall ist dann nur noch bei einem Viertel der betroffenen Patienten eine chirurgische Operation des Tumors möglich. Das wichtigste Symptom, die Gelbfärbung der Haut durch den Verschluss der Gallenwege, kann man zwar durch das endoskopische Einlegen von so genannten Stents in den Gallengang beheben und damit eine lebensgefährliche Blutvergiftung beim Patienten verhindern. Das weitere Wachstum des Tumors wird dadurch jedoch nicht beeinflusst. Leider sind auch die Strahlentherapie und die Chemotherapie bei dieser Krebsart meist wenig wirksam.“

Für die photodynamische Therapie (PDT) wurden Medikamente entwickelt, die das Gewebe lichtempfindlich machen können. Werden diese Präparate dem Patienten in die Vene verabreicht, verteilen sie sich im ganzen Körper. In den meisten Geweben wird die Substanz, die die Lichtempfindlichkeit vermittelt, rasch wieder ausgeschieden. In den Krebszellen dagegen, insbesondere auch des Gallenganges, verbleiben sie erheblich länger und in höherer Konzentration gespeichert als in gesundem Gewebe. Dadurch wird das Tumorgewebe sehr lichtempfindlich. Durch eine endoskopische Laserlichtbestrahlung des jetzt gut identifizierbaren lichtempfindlichen Tumorgewebes kann eine gezielte Zerstörung der Tumorzellen und Verkleinerung des Tumorgewebes erfolgen.

Nach den Pionierarbeiten zu diesem Verfahren in den USA wurde die Methode jetzt auch in Greifswald etabliert. „Wir haben bereits mehrere Patienten behandelt, bei denen der Gallengangskrebs erfolgreich mit photodynamischer Lasertherapie zerstört oder verkleinert wurde“, so der Leitende Oberarzt des Bereichs Endoskopie an der Klinik für Innere Medizin A, Dr. Matthias Kraft. Bei über der Hälfte der bisher so behandelten Patienten mit Gallengangskrebs wurde der größte Teil der Geschwulst örtlich zerstört, ohne dass es zu schweren schädlichen Nebenwirkungen gekommen ist.“

Die Licht sensibilisierende Substanz wird dem Patienten zwei bis drei Tage vor der Therapie verabreicht“, erläuterte Dr. Tilman Pickartz, der sich auf das neue Verfahren spezialisiert hat. „Anschließend wird durch den Arbeitskanal eines Endoskops eine dünne Laserlichtfaser direkt vor den Tumor herangeführt. Die Bestrahlung des Tumors mit kaltem Laserlicht einer bestimmten Wellenlänge, Energie und Beleuchtungsdauer führt dann zur Zerstörung des Tumorgewebes. Über den mit einem Kunststoffröhrchen offen gehaltenen Gallengang kann der Gallenabfluss abfließen. Die einzige wirkliche Nebenwirkung ist, dass die Haut teilweise etwas lichtempfindlich bleibt. Dagegen müssen sich so behandelte Patienten für etwa eine Woche mit Handschuhen und Sonnenhut schützen, wenn sie sich viel im Freien aufhalten“, so Pickartz. Das Verfahren wird von der Gesetzlichen Krankenkasse anerkannt.

Ansprechpartner am Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A
Direktor: Prof. Dr. Markus M. Lerch
Friedrich-Loeffler-Straße 23 a, 17475 Greifswald
T + 49 3834 86-72 30
E gastro@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive