Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitstudien belegen: Embolisation ist geeignetes Verfahren bei Myomen

06.10.2008
Therapie besticht durch hohes Maß an Patientinnen-Zufriedenheit

Bei Myombefall der Gebärmutter stellt die Entfernung des Organs noch immer das häufigste Therapieverfahren dar. Nach Angaben der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) wurden im vergangenen Jahr bei knapp 130.000 Patientinnen Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) durchgeführt, wenn gutartige Veränderungen des Organs vorlagen.

In Langzeitstudien konnte jetzt nachgewiesen werden, dass sich Myome mit der organerhaltenden Methode der Myomembolisation besser und mit geringeren Folgekomplikationen entfernen lassen und vor allem die Zufriedenheit der Patientinnen deutlich höher ist. Eine entsprechende Auswertung der Studien legte der Flensburger Radiologe Prof. Dr. med. Stefan Müller-Hülsbeck jetzt vor.

Langzeitergebnisse äußerst vielversprechend
"Die Parameter, mit denen wir den Erfolg der Uterusarterienembolisation (UAE) einschätzen, sind die technische Erfolgsrate, die Patientenzufriedenheit und die Zahl der Komplikationen während und nach dem Eingriff", erklärt Müller-Hülsbeck. In allen drei Punkten zeigt die UAE gute Ergebnisse. Müller-Hülsbeck verweist unter anderem auf eine englische Studie, in der an mehreren Kliniken 649 Embolisations-Patientinnen über einen Zeitraum von mehreren Jahren begleitet wurden. Die Vergleichsgruppe bestand aus 459 Frauen, die sich den Uterus operativ entfernen ließen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die unmittelbare Komplikationsrate nach Embolisation mit 19 Prozent niedriger lag als im Vergleich zur Gebärmutterentfernung mit einer Komplikationsrate von 26 Prozent. Und weiter: 91 Prozent der Patientinnen, die sich organerhaltend behandeln ließen, würden die Embolisation empfehlen. Bei der Patientengruppe, die sich die Gebärmutter entfernen ließ, waren dies nur 85 Prozent. Auch andere Studien verfestigten das Bild, wonach die UAE zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden führt. Eine Multicenterstudie, die an 27 Krankenhäuser der USA unternommen wurde, zeigte bei den 1.278 teilnehmenden Frauen in der 3-Jahres-Kontrolle eine statistisch signifikante Besserung der Beschwerden und der Lebensqualität nach UAE.
Eine rasche Genesungszeit
Wie kommt es zu diesem hohen Maß an Patientinnen-Zufriedenheit? Neben der Wirksamkeit der Therapie nennt Professor Müller-Hülsbeck als wesentlichen Vorzug der UAE gegenüber operativen Verfahren die rasche Genesungszeit: "Die Frauen kommen am Mittwoch zum Eingriff in die Klinik, werden am Donnerstag entlassen und können am Montag wieder zur Arbeit gehen. Ob berufliche Verpflichtungen, die Haushaltsführung, aber auch sexuelle Aktivitäten kann die Patientin, wenn sie es möchte, sehr bald wieder aufnehmen."
Aufklärung ist gefragt
"Der nachhaltige Erfolg der UAE bestärkt uns in unserer Arbeit", so Professor Müller-Hülsbeck. "Es wird jetzt darum gehen, Patientinnen noch gezielter die Möglichkeit eines organerhaltenden Behandlungsweges aufzuzeigen und sie besser informieren. Aufklärungsarbeit werden wir auch im Kollegenkreis leisten müssen, wo die UAE bis heute als nur wenig anerkanntes und akzeptiertes Verfahren gilt."
Ein schonendes Verfahren
Myome sind gutartige Knoten, die sich an der Uteruswand oder im Uterus selbst herausbilden und bei den betroffenen Frauen schmerzhafte und lang andauernde Regelblutungen auslösen können. In Deutschland hat etwa jede dritte Frau Myome, in zwanzig Prozent der Fälle kommt es aufgrund der Größe und der Zahl der Myome zu Beschwerden. Seit einigen Jahren wird in Deutschland das Verfahren der Embolisation dieser Knoten angewandt. Der Operateur, zumeist ein Radiologie mit Schwerpunkt interventionelle Radiologie, führt über die Leiste der Patientin einen Katheter ein und gelangt zu den Gefäßen, die das Myom mit Blut versorgen. Mittels kleiner Partikel werden die Gefäße vor Ort emboliert, das heißt verschlossen - der Knoten ist von der Blutzufuhr abgeschlossen und vernarbt. Das Verfahren wurde erstmalig 1995 in Deutschland angewandt.
Weiterführende Informationen
Etwa 75 radiologische Institute bieten deutschlandweit die Myomembolisation an. Viele Informationen für betroffene Frauen sowie einen Klinikfinder für Deutschland, Österreich und die Schweiz stellt die Internetseite www.myomembolisation.org bereit. Die hier skizzierten Untersuchungsergebnisse wurden erstmalig in DER RADIOLOGE Ausgabe Juli 2008, S. 660ff. veröffentlicht.

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.myomembolisation.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Abstoßung von Spenderorganen: Neue Biomarker sollen Komplikationen verhindern
15.12.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Antibiotikaresistenzen durch Nanopartikel überwinden?
15.12.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik