Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitmessung der Hauttemperatur hilft Schmerzsyndrom diagnostizieren

10.10.2008
Einfach, aber effizient ist das Verfahren, das Bochumer Schmerzforscher zur besseren Diagnose des chronisch-regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) entwickelt haben: Die Langzeitmessung der Hauttemperatur unter Alltagsbedingungen erlaubt es, die vielgestaltige Erkrankung, die jährlich 5.000 Menschen in Deutschland betrifft, sicher festzustellen. Beim CRPS entgleist das Empfinden von Gliedmaßen derart, dass schon geringste Berührungen Schmerz hervorrufen.

Für ihre Studie zur Langzeittemperaturmessung wurden die junge Wissenschaftlerin Elena Krumova aus der Arbeitgruppe von Prof. Christoph Maier beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2008 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Schmerzen, Schwellung, motorische Störungen

CRPS-Patienten entwickeln nach relativ leichten Verletzungen, einem Knochenbruch oder sogar nur einer Verstauchung starke Schmerzen, motorische Störungen, Schwellungen, Haut- und Knochenveränderungen. Über 60 Prozent von ihnen behalten für immer Funktionsein-schränkungen und chronische Schmerzen, können nicht mehr arbeiten und sind häufig von psychischen Folgeerkrankungen betroffen. Die Diagnose ist allerdings schwierig, denn die Symptome sind sehr verschieden - sowohl zwischen einzelnen Patienten als auch bei ein- und demselben Patienten je nach Untersuchungszeitpunkt. Um das CRPS sicher von anderen Er-krankungen zu unterscheiden, setzen die Mediziner auf die Messung der Hauttemperatur, die zwischen gesundem und krankem Körperglied teils deutlich differiert.

Einfach lange messen

Statt wie bisher mittels aufwändiger Messverfahren unter verschiedenen Bedingungen zu messen, maßen die Bochumer Forscher die Hauttemperatur am betroffenen Körperglied unter Alltagsbedingungen über ca. 7,5 Stunden in einminütigen Abständen mit einem tragbaren Temperaturmessgerät und unterzogen diese Werte einer komplexen statistischen Analyse. An der Studie nahmen 22 CRPS-Patienten, 18 Patienten mit Gliedmaßenschmerzen mit anderer Ursache und 23 gesunde Kontrollpersonen teil. Die Langzeitergebnisse der CRPS-Patienten unterschieden sich deutlich von denen der anderen Gruppen vor allem in der Dynamik der Hauttemperaturschwankungen. Dadurch kann ein CRPS mit viel höherer Sicherheit als bisher erkannt werden. "Die Hauttemperaturanalyse kann in den klinischen Alltag implementiert werden und ist ein hilfreiches Instrument bei der schwierigen Diagnostik des komplexen regi-onalen Schmerzsyndroms. Es verhindert vor allem Fehldiagnosen, die nach unseren Beo-bachtungen in letzten Jahren zugenommen haben", sagte Prof. Dr. Christoph Maier, Leiter der Abteilung für Schmerztherapie der Ruhr-Universität Bochum im Bergmannsheil. Darüber hinaus gibt die Studie wertvollen Aufschluss über die Art der Temperaturfehlsteuerung und somit über die Beteiligung des Gehirns an dieser Krankheit.

Kontakt

Prof. Dr. Christoph Maier, Abt. f. Schmerztherapie, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklini-kum Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-6366, E-Mail: christoph.maier@rub.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

23.02.2017 | Medizin Gesundheit

Viren unterstützen Fotosynthese bei Bakterien – Vorteil in der Evolution?

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Katalyse in der Maus

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie