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Längeres EKG hilft Vorhofflimmern bei älteren Patienten mit Schlaganfall besser zu erkennen

28.11.2013
Ältere Menschen ab 80 Jahren leiden viel häufiger an Vorhofflimmern als bisher angenommen. Mit 7-Tage-Langzeit-EKG drei Mal häufiger Vorhofflimmern entdeckt als mit 24-Stunden-EKG. Neuauswertung Studie „FIND-AF“: Veröffentlicht im „Journal of Neurology".

Wenn das Herz aus dem Rhythmus ist, wird es oft auch für das Gehirn gefährlich. Die Herzrhythmusstörung „Vorhofflimmern“ gilt als der mit Abstand größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Deshalb möchte man diesen gefährlichen „Vorboten“ möglichst früh und verlässlich entdecken. Bei jedem dritten Patienten können die Ärzte bisher jedoch nicht eindeutig den Auslöser der Erkrankung bestimmen.

Um die Zusammenhänge beider Erkrankungen besser zu verstehen, haben UMG-Forscher nach der ersten Auswertung der Schlaganfallstudie „Find-AF“ der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) im Jahr 2010 jetzt eine zweite, genauere Analyse der Daten vorgenommen. „Find-AF“ ist die Abkürzung für „finding atrial fibrillation“ und bedeutet übersetzt „Vorhofflimmern finden“. Die Forscher der Kliniken für Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) sowie Neurologie (Direktor: Prof. Dr. Mathias Bähr) konnten die bisherigen Ergebnisse bestätigen und deutlich konkretisieren.

Die erneute Auswertung ergab, dass Patienten mit vorrübergehendem Vorhofflimmern ähnliche klinische Eigenschaften und vergleichbar schwere Schlaganfälle haben wie Patienten mit permanentem Vorhofflimmern. Weiterhin fanden die Mediziner heraus, dass die Wahrscheinlichkeit von vorübergehendem Vorhofflimmern mit dem Alter deutlich ansteigt. Bei Patienten unter 60 Jahren konnte Vorhofflimmern nur mit Hilfe eines 7-Tage-Langzeit-EKG, zusätzlich zur üblichen Herzrhythmusüberwachung, festgestellt werden.

Die Wissenschaftler können mit diesem Wissen nun genauer bestimmen, bei wel-chen Altersgruppen ein umfassenderes Langzeit-EKG sinnvoll ist: Ältere Schlaganfall-Patienten profitieren deutlich mehr von einer intensivierten Herzrhythmusüberwachung als Jüngere. Indem die Langzeit-EKG-Aufzeichnung von 24 Stunden auf sieben Tage verlängert wurde, ist die Rate an neu entdecktem Vorhofflimmern fast drei Mal so hoch. Die Forschungsergebnisse wurden veröffentlicht im „Journal of Neurology“.

Originalpublikation: Wachter R, Weber-Krüger M, Seegers J, Edelmann F, Wohl-fahrt J, Wasser K, Gelbrich G, Hasenfuß G, Stahrenberg R, Liman J, Gröschel K.: Age-dependent yield of screening for undetected atrial fibrillation in stroke patients: the Find-AF study. J Neurol. (2013) 260, 2042-2045.

Ergebnisse der Studie im Detail

Bei der umfangreicheren zweiten Auswertung der Daten bildeten die Forscher unterschiedliche Altersgruppen: Patienten unter 60 Jahren, fünf Gruppen in fünf Jahresschritten von 60 bis 84 Jahren sowie Patienten über 85 Jahren. Anschließend wurde für diese Gruppen der Prozentsatz der Patienten ermittelt, bei denen ohne 7-Tages-Langzeit-EKG kein Vorhofflimmern erkannt worden wäre. „Die Rate an Vorhofflimmern steigt mit dem Alter fast linear an. Das gilt sowohl für das vorübergehende wie auch für das anhaltende Vorhofflimmern“, sagt Priv.-Doz. Dr. Rolf Wachter, Leiter der Studie und Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG. „Bei Patienten unter 60 Jahren musste man 20 Langzeit-EKGs über sieben Tage machen, um einen Patienten mit Vorhofflimmern zu finden. Bei Patienten über 80 Jahren hat jeder vierte untersuchte Patient unentdecktes Vorhofflimmern, bei über 85-jährigen sogar mehr als jeder dritte Patient.“

„Dass Vorhofflimmern bei älteren Patienten eine größere Rolle spielt als bei jünge-ren, wusste man bereits. Aber dass über die Hälfte der Schlaganfall-Patienten über 80 Jahren an Vorhofflimmern leidet, ist ein neuer Befund und war in diesem Ausmaß bisher nicht bekannt“, sagt Dr. Jan Liman, Oberarzt der Schlaganfallstation („stroke unit“) der Klinik für Neurologie der UMG.

„Die Ergebnisse sind ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir bei ärztlichen Entscheidungen zu Diagnostik und Therapie das Alter der Patienten viel mehr berücksichtigen müssen“, ergänzt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie
Priv.-Doz. Dr. Rolf Wachter, Telefon 0551 / 39-14141
wachter@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.herzzentrum-goettingen.de
http://www.neurologie.med.uni-goettingen.de
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

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