Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Länger leben mit der fremden Niere

01.03.2011
Alternativer Wirkstoff verhindert Abstoßung und schont das Organ

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben gemeinsam mit 16 weiteren Transplantationszentren in Deutschland und der Schweiz erfolgreich eine neue Therapieform erprobt, mit deren Hilfe die Funktion einer Spenderniere im Körper des Empfängers oder der Empfängerin besser erhalten werden kann. Die in der renommierten Fachzeitschrift Lancet* veröffentlichte ZEUS-Studie eröffnet die Perspektive, das Langzeitüberleben von Patientinnen und Patienten mit Nierentransplantaten nachhaltig zu verbessern.

Der Studie liegt eine einfache Überlegung zugrunde: Viele Patientinnen und Patienten brauchen, um der gefürchteten Abstoßungsreaktion zu entgehen, nach einer Nierentransplantation starke Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (so genannte Immunsuppressiva). Einige dieser Wirkstoffe schützen zwar vor der Abstoßung, schädigen aber auf Dauer das transplantierte Organ selbst. In Langzeitstudien konnte nachgewiesen werden, dass durch diesen Effekt die durchschnittliche Überlebenszeit nach einer Transplantation auf acht bis zwölf Jahre sinkt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Klemens Budde und Prof. Petra Reinke, Oberärzte an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und internistische Intensivmedizin der Charité, verfolgten in der ZEUS-Studie nun den Ansatz, nach erfolgter Transplantation die schädigenden Immunsuppressiva möglichst rasch durch nicht nierenschädigende Medikamente zu ersetzen. „Die Ergebnisse verschieben den Fokus bei der Therapie von Nierentransplantaten hoffnungsvoll auf eine verbesserte Nierenfunktion als Marker für ein langfristiges Überleben mit einem funktionstüchtigen Transplantat“, resümiert Dr. Budde

Im Zentrum der Untersuchung standen die so genannten Calcineurin-Inhibitoren wie Cyclosporin A. Sie werden bislang standardmäßig nach Nierentransplantationen gegeben und nur dann abgesetzt, wenn Schäden an der transplantierten Niere bereits erkennbar sind. Die Forscherinnen und Forscher begannen 4,5 Monate nach der Transplantation, bei insgesamt 300 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, unterschiedliche Behandlungsstrategien zu verfolgen. Eine Gruppe erhielt weiterhin die Standardtherapie mit Cyclosporin, bei einer zweiten wurde Cyclosporin durch ein anderes Medikament ersetzt. Diese Patienten erhielten stattdessen den Wirkstoff Everolimus, der nachweislich das Transplantat nicht schädigt.

Bei der Abschlussuntersuchung zwölf Monate nach der Transplantation zeigten sich wesentliche Vorteile für diese Gruppe: Das Transplantat funktionierte besser als unter Cyclosporin, während die Abstoßungsrate nur leicht anstieg. Dr. Budde nennt dieses Ergebnis „sehr ermutigend“, schränkt jedoch ein: „Das ist noch kein Beweis für die Überlegenheit von Everolimus. Wir müssen als nächstes die Langzeit-Resultate abwarten.“

*Budde K, Becker T, Arns W, Sommerer C, Reinke P, Eisenberger U, Kramer S, Fischer W, Gschaidmeier H, Pietruck F; on behalf of the ZEUS Study Investigators: Everolimus-based, calcineurin-inhibitor-free regimen in recipients of de-novo kidney transplants: an open-label, randomised, controlled trial. Lancet. 2011 Feb 21. doi:10.1016/S0140-6736(10)62318-5.

Kontakt:
Prof. Klemens Budde
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie
Campus Charité Mitte
T: +49 30 450 514 002
klemens.budde@charite.de

Stefanie Winde | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung