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Kurzzeit-Immuntherapie bei Typ 1-Diabetes wirkt langfristig

21.05.2010
Eine kurzzeitige Immuntherapie kann bei Patienten mit Typ 1-Diabetes den oft rasanten Rückgang der körpereigenen Insulinproduktion auch langfristig bremsen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam mit Beteiligung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des vor kurzem neu gegründeten Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München. Insbesondere jüngere Diabetespatienten profitieren von der Therapie.

Prof. Dr. Anette Ziegler vom Helmholtz Zentrum München und ihre Kollegen hatten 2005 eine Studie an insgesamt 80 Patienten mit neu aufgetretenem Typ 1-Diabetes begonnen. Die Hälfte der Studienteilnehmer im Alter von 12 bis 39 Jahren erhielt an sechs aufeinander folgenden Tagen eine Immuntherapie mit dem CD3-Antikörper ChAglyCD3. Die Kontrollgruppe wurde mit einem Placebo-Präparat behandelt. Nach 18 Monaten hatte sich bei den mit dem Antikörper behandelten Patienten die körpereigene Insulinproduktion verbessert. Entsprechend war die Menge an zu verabreichendem Insulin deutlich geringer als bei der Kontrollgruppe. Ob die Therapie auch über längere Zeit von Nutzen ist, war bisher unklar.

„Die Folgeuntersuchungen bestätigen uns eindeutig, dass der Therapieeffekt auch längerfristig anhält“, sagt Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe hielt sich bei den behandelten Patienten die körpereigene Insulinproduktion über etwa zwei Jahre auf ihrem Anfangsniveau.

„Überrascht hat uns auch die klare Altersabhängigkeit des Therapieerfolgs“, so Ziegler weiter. Patienten im Alter von unter 27 Jahren hielten das anfängliche Niveau der körpereigenen Insulinproduktion sogar über drei Jahre lang. Selbst heute, nach vier Jahren, brauchen die mit ChAglyCD3 behandelten Patienten dieser Altersgruppe nur zwei Drittel der täglichen Insulindosis im Vergleich zur entsprechenden Kontrollgruppe.

Typ-1-Diabetes zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Das immunologische Geschehen, das der Stoffwechselstörung zu Grunde liegt, basiert auf einer genetischen Disposition und wird durch Umweltfaktoren beeinflusst. Da es bei Typ 1-Diabetes zu einem fast vollständigen Untergang der Insulin produzierenden Zellen kommt, müssen Typ-1-Diabetiker ihre Krankheit immer mit Insulin behandeln.

Die vorliegende Studie gibt Anlass zu Hoffnung, da erstmals eine nur wenige Tage andauernde Immuntherapie langfristige Wirkung zeigt. Die im Vergleich zu anderen Immuntherapien kurze Behandlungsdauer reduziert zudem das Risiko für Langzeit-Nebenwirkungen. Vier Jahre sind eine vergleichsweise kurze Beobachtungszeit. Daher müssen nun weitere Untersuchungen folgen, bevor die neue Therapie auch außerhalb von Studien zum Einsatz kommen kann.

Weitere Informationen

Originalpublikation: B. Keymeulen et al.: Four-year metabolic outcome of a randomized controlled CD3-antibody trial in recent-onset type 1 diabetic patients depends on their age and baseline residual beta cell mass. Diabetologia 2010; 53: 614-623; online: http://www.springerlink.com/content/p3572576j25l2640/fulltext.pdf | DOI 10.1007/s00125-009-1644-9

Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Unser Ziel ist es, eine personalisierte Medizin für die Prävention und Therapie großer Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Erkrankungen der Lunge und des Nervensystems zu entwickeln. Als ein weltweit führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf Environmental Health untersuchen wir hierfür das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit insgesamt 26.500 Beschäftigten zusammengeschlossen haben.

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Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Tel.: 089-3187-3946
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