Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunstherzsystem: Kleine Pumpe - große Wirkung

07.11.2008
100. Linksherzunterstützungssystem VentraAssist im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, in Bad Oeynhausen implantiert. Das kleine leistungsstarke Kunstherzsystem paßt seine Pumparbeit der körperlichen Belastung des Patienten an.

Sie ist klein, wiegt nur 298 g und pumpt äußerst zuverlässig: Am Mittwoch, den 29. Oktober 2008, setzte das Team um Prof. Dr. Reiner Körfer (Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum NRW), Oberarzt PD Dr. Gero Tenderich, Oberarzt Dr. Michiel Morshuis und Oberarzt Dr. Latif Arusoglu, das 100.Linksherzunterstützungssystem "VentrAssist LVAS" der australischen Firma Ventracor in Europa ein.

In einer 3-stündigen Operation wurde Rainer Ilner aus Kamp-Lintfort eine kleine Zentrifugalpumpe an die linke Herzkammer und an die Hauptschlagader angeschlossen, um die Pumpleistung seines eigenen, geschwächten Herzens zu unterstützen.

Das Unterstützungssystem war notwendig geworden, da der 47-jährige Patient aufgrund einer ausgeprägten Herzmuskelschwäche (Dilatative Kardiomyopathie) nur noch eine Leistungsfähigkeit von 15 Prozent hatte. Sein Herz war so geschwächt, dass ihm kleinste Anstrengungen große Mühe kosteten und immer mit Luftnot verbunden waren. Eine medikamentöse Therapie reichte nicht mehr aus, um seine schwere Herzinsuffizienz zu stabilisieren. Eine Herztransplantation wird notwendig. Doch die Wartezeit auf ein Spenderherz ist lang, mehr als ein Jahr. Um sie zu überbrücken, wurde ihm jetzt das VentrAssist-System eingesetzt. "Ohne den Einsatz eines Linksherzunterstützungssystems hätte Herr Ilner nur noch eine zeitlich begrenzte Lebenserwartung gehabt", äußerte sich Prof. Dr. Reiner Körfer zufrieden über den Gesundheitszustand des Patienten, der heute erste Schritte in seinem Zimmer machte. "Unsere jahrlangen Erfahrungen zeigen, dass die Überbrückung zur Herztransplantation mittels Kunstherzsystemen die Ausgangssituation und Überlebenschance des Patienten vor und nach der Transplantation erhöhen, da die Durchblutung der abhängigen Organe deutlich verbessert wird."

VentrAssist kann Patienten helfen, die unter terminaler Herzinsuffizienz (nicht heilbarer Herzmuskelschwäche) leiden und auf eine Herztransplantation warten. Leider konnten im letzten Jahr nur 376 Herzen bundesweit verpflanzt werden (davon 61 Herztransplantationen im Herz- und Diabeteszentrum NRW), während der Bedarf an Spenderorganen doppelt so hoch ist. Alternativen rücken daher in den Blickpunkt: Miniaturisierte, leistungsstarke Pumpen, die zur Überbrückung bis zur Transplantation und auch als Dauerlösung implantiert werden können.

Das Linksherzunterstützungssystem VentrAssist gehört zu der neuen Generation von Herzunterstützungssystemen. Vorteil: der Rotor ist magnetisch gelagert und somit nahezu verschleißfrei. Darüber hinaus verbrauchen diese Systeme wenig Energie, die Implantation ist vergleichsweise einfach und weniger invasiv. VentrAssist hat die Eigenschaft, sich an den Blutbedarf des Patienten anzupassen. Bei steigender Aktivität, beispielsweise beim Gehen oder körperlicher Betätigung des Patienten wirft das System mehr Blut in den Körperkreislauf aus. Im Ruhezustand nimmt der Blutfluß entsprechend ab.

Das System VentrAssist besteht aus einer kleinen implantierbaren Pumpe (Gewicht: 298 Gramm, Durchmesser: 67 mm, Material: Titan), die durch Rotation den natürlichen Blutstrom unterstützt. Im Inneren der Pumpe beschleunigt der magnetisch gelagerte Rotor mit ca. 1800 -3000 Umdrehungen pro Minute das Blut. Eine externe Steuer¬einheit kontrolliert die Systemleistung und regelt die Energieversorgung von wieder auf¬ladbaren Batterien oder einem Batterieladegerät. Die Patienten können sich frei bewegen, die externe Steuereinheit und die Akkus tragen sie in einem kleinen Rucksack bei sich - ein dauernder stationärer Aufenthalt ist nicht mehr nötig. Dies sichert nicht nur das Überleben, sondern verhilft auch zu einer guten Lebensqualität. Lediglich zu regelmäßigen ambulanten Kontrollen muß Rainer Illner ins Herz- und Diabeteszentrum NRW nach Bad Oeynhausen kommen.

Seit 1987 werden im Herz- und Diabeteszentrum NRW Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium mit den unterschiedlichsten Herzunterstützungssystemen und Kunstherzen therapiert. Insgesamt rund 1500 Systeme haben die Spezialisten bereits implantiert und verfügen damit weltweit über die größte Kompetenz und Routine. 1999 wurde von Prof. Dr. Reiner Körfer, Oberarzt Dr. Latif Arusoglu und Oberarzt Dr. El Aly Banayosy weltweit das erste komplett implantierbare Kreislaufunterstützungssystem, das sogenannte LionHeart eingesetzt. 2004 und 2005 folgten weitere Premieren mit der Implantation von den zentrifugalen Linksherzunterstützungssystemen DuraHeart und CorAide.

Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anja Brandt M.A.
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
Tel.: 05731-97 1955
Fax: 05731-97 2028
Email: info@hdz-nrw.de

Anja Brandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de
http://www.ventracor.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie