Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kriminalistisch gegen Lymphome vorgehen

10.10.2012
Erfolgreiches Verbundprojekt der Deutschen Krebshilfe

Verbesserte Diagnosemöglichkeiten und individuell auf den Patienten abgestimmte Therapien – das sind die Früchte der Arbeit des wissenschaftlichen Verbundprojekts „Molekulare Mechanismen bei malignen Lymphomen“, das die Deutsche Krebshilfe seit 2004 mit insgesamt fast acht Millionen Euro gefördert hat.

Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stand das Erstellen so genannter molekularer Fingerabdrücke von Lymphknotenkrebs. Diese „kriminalistische“ Herangehensweise ermöglichte den Wissenschaftlern, wichtige Hinweise für die Diagnose und Therapie von Lymphomerkrankungen zu sammeln. Lymphome treten in vielen unterschiedlichen Formen auf und haben in den letzten Jahrzehnten in den westlichen Ländern ständig zugenommen.

Lymphome entstehen, wenn Gewebezellen der lymphatischen Organe wie Lymphknoten oder Milz zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Entwicklung unkontrolliert wachsen. Bei der feingeweblichen Untersuchung von Lymphknoten und Lymphgeweben lassen sich die Krankheitsbilder aus dem Kreis der bösartigen Lymphome identifizieren und den Untergruppen Morbus Hodgkin oder Non-Hodgkin-Lymphom zuordnen. Insgesamt gibt es mehr als 50 verschiedene Lymphomarten, die sich nur geringfügig voneinander unterscheiden. Daher fällt es den Ärzten bei bösartigen Lymphomen schwer, eine genaue Diagnose zu erstellen und zu bestimmen, welche Therapie für den Patienten am erfolgversprechendsten ist.

„Von der präzisen Diagnose hängt oftmals das Leben des Betroffenen ab“, erläutert Professor Dr. Lorenz Trümper vom Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Göttingen. Daher hatten sich insgesamt 23 universitäre Kliniken und Forschungsinstitute zu einem Verbund zusammengeschlossen – mit Trümper als Sprecher. Die Deutsche Krebshilfe hat dieses wissenschaftliche Verbundprojekt mit insgesamt acht Millionen Euro gefördert. Ziel war es, eine Vielzahl bösartiger Lymphome genauestens zu charakterisieren und so ihre Diagnosemöglichkeiten entscheidend zu verbessern.

Dazu bedienten sich die Wissenschaftler modernster Labortechnik. Mittels molekularbiologischer Methoden konnten die Forscher gleichzeitig bei tausenden verschiedener Gene einer Zelle feststellen, ob sie gerade aktiv oder inaktiv sind. So erhielten sie einen einzigartigen genetischen Fingerabdruck der Tumorzellen. Da jeder Krebs ein eigenes Muster besitzt, konnten die Wissenschaftler einen molekularen Steckbrief des jeweiligen Lymphoms erstellen. Anhand dieser Steckbriefe lassen sich präzise Aussagen über die Lymphomart, den Krankheitsverlauf und die Heilungschancen der Betroffenen machen. Nach diesen Kriterien kann die Therapie zukünftig individuell an den Patienten angepasst werden, um so das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.

„Dieser Forscherverbund gehört ohne Zweifel zu den Vorzeigeprojekten der Deutschen Krebshilfe“, betont Professor Dr. Brigitte Schlegelberger von der Medizinischen Hochschule Hannover und Gutachterin des Großprojekts im Fachausschuss ‚Forschung‘ der Deutschen Krebshilfe. „Das ist Forschung auf höchstem Niveau: Mit ihren Erkenntnissen haben die beteiligten Wissenschaftler dazu beigetragen, die Heilungschancen für viele Lymphom-Patienten auf lange Sicht erheblich zu verbessern.“

„Diese Ergebnisse zeigen, dass Erfolge in der Krebsforschung mit vielen kleinen Schritten erkämpft werden“, fügt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, hinzu. „Doch der lange Atem der vielen beteiligten Forscher hat sich ausgezahlt: Dieses Forschungsprojekt hat die Krebs-Medizin sowohl in Deutschland als auch international ein ganzes Stück voran gebracht.“

Hintergrund-Information: Krebsforschung
Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe etwa 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

Christiana Tschoepe | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

nachricht MRT-Kontrastmittel: Neue Studie spricht für Sicherheit
17.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie