Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebstherapie: Neuer Wirkstoff bildet Tumore besser ab

01.09.2011
Tumore mit radioaktiven Substanzen besser sichtbar machen und gezielter behandeln: Forschenden aus Freiburg, Bern und Kalifornien ist bei der Radionuklidtherapie ein Paradigmenwechsel gelungen. Ihre Forschungsergebnisse werden nun im «Journal of Nuclear Medicine» publiziert.

Radioaktiv markierte Substanzen werden in der Medizin etwa dazu verwendet, bösartige Tumore sichtbar zu machen beziehungsweise den Tumor zu bestrahlen und so zu zerstören. Bisher ging man davon aus, dass ein solcher Wirkstoff – ein sogenannter Agonist – in die Tumorzelle eindringen und sich dort anreichern muss, um seine Wirkung zu erzielen.

Ein internationales Forscherteam des Universitätsklinikums Freiburg (Deutschland), des Instituts für Pathologie der Universität Bern (Schweiz) und des Salk Institutes in La Jolla Kalifornien/USA) hat nun einen Wirkstoff entwickelt, der sich an der Oberfläche der Tumorzellen anreichert, ohne in diese einzudringen – ein Antagonist. Dieses Verfahren könnte effektiver sein als die bisher verwendeten Agonisten, da die Anreicherung der Antagonisten im Tumor viel stärker ist. Dabei handelt es sich laut den Forschenden um einen Paradigmenwechsel: Antagonisten galten bisher als ungeeignet für die Markierung und Zerstörung von Tumoren, weil sie an der Zelloberfläche bleiben und ihre radioaktive «Ladung» nicht ins Zellinnere abgeben. Tests an Patienten haben aber nun gezeigt, dass ein speziell entwickelter Antagonist Tumore nicht nur besser abbilden kann als die gängigen Agonisten, sondern sich auch weniger im normalen Gewebe anreichert. Künftig könnte so mit einer Injektion Krebs bekämpft werden, ohne gesundes Gewebe zu stark zu beeinträchtigen. Das Forscherteam publiziert seine Studie nun im Fachblatt «Journal of Nuclear Medicine».

Neuer Zugang zur Krebstherapie
Eine im klinischen Alltag bereits erfolgreiche Methode ist die Verwendung von kleinen radioaktiv markierten Molekülen, die passgenau an Rezeptoren auf der Zelloberfläche von Tumorzellen «andocken». Die Rezeptoren werden dadurch aktiviert. Durch diese agonistische Wirkung dringt die radioaktive Substanz in das Zellinnere ein, akkumuliert in der Krebszelle und zerstört sie schließlich. Das internationale Forscherteam konnte zum ersten Mal an Patienten zeigen, dass Moleküle, die eine antagonistische Wirkung haben und die Rezeptoren nicht aktivieren, besser an die Oberfläche von Tumorzellen binden und somit eine deutlich stärkere Anreicherung im Tumorgewebe zeigen als herkömmliche, radioaktiv markierte Moleküle.

Mit der neuen radioaktiv markierten Substanz konnte die Ausdehnung von neuroendokrinen Tumoren des Dünndarms beziehungsweise der Schilddrüse deutlich besser sichtbar gemacht werden als mit der herkömmlichen Substanz. «Dies ist der erste Beweis beim Menschen, dass Antagonisten effektiv Tumore abbilden können», sagt Dr. Damian Wild vom Universitätsklinikum Freiburg. «Es ist anzunehmen, dass wir mit einer zusätzlichen radioaktiven Substanz die Tumore auch zerstören können.» Wie Prof. Jean-Claude Reubi vom Institut für Pathologie der Universität Bern erklärt, wurden diese Antagonisten bisher nur bei den seltenen neuroendokrinen Tumoren angewendet. «Aber es ist zu erwarten, dass auch Antagonisten in anderen Tumoren eingesetzt werden könnten.»

Quellenangabe:
Damian Wild, Melpomeni Fani, Martin Behe, Ingo Brink, Jean.E.F. Rivier,
Jean-Claude Reubi, Helmut R. Maecke, and Wolfgang A. Weber: First
Clinical Evidence That Imaging with Somatostatin Receptor Antagonists is
Feasible, Journal of Nuclear Medicine, Vol. 52, No. 9, September 2011,
doi:10.2967/jnumed.111.088922
Ansprechpartner:
Dr. Damian Wild
Abteilung Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Freiburg (D)
Tel.: +49 761 270-39950
E-Mail: damian.wild@uniklinik-freiburg.de
Prof. Dr. Jean-Claude Reubi
Institut für Pathologie
Universität Bern (CH)
Tel. +41 31 632 32 43
E-Mail: jean.reubi@pathology.unibe.ch

Carin Lehmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise