Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsforschung: Protein sorgt für Überraschung

09.04.2010
Österreichisches Team findet neuen Signalweg von „SOCS-3“ bei Prostatakarzinom



Das Karzinom der Vorsteherdrüse (Prostata) ist die häufigste bösartige Erkrankung von Männern. Komplexe Signalwege zwischen Zellen stecken hinter dieser Krebsart, mit der europaweit jeder Zehnte rechnen muss. Ein Team aus Österreich sorgt nun für eine Überraschung: „SOCS-3“, das bisher als Schlüsselprotein für das Wachstum von Prostatakrebs bekannt ist, kann das Wachstum und die Beweglichkeit dieser Krebszellen auch einschränken.

Über die Entdeckung des österreichischen Forschungsteams unter Leitung des Molekular-Pathologen Prof. Zoran Culig von der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie, berichtet die international renommierte Zeitschrift „Endocrine Related Cancer” online vorab. Die Forschungen wurden vom österreichischen Forschungsfonds FWF gefördert. Die neuesten Ergebnisse sind für die weltweit fieberhaft laufende Krebsforschung insoferne von Bedeutung als „dass SOCS-3 direkt in einen jener Signalwege zwischen Zellen eingreifen kann, der durch bestimmte Signalproteine das Wachstum und die Beweglichkeit von Krebszellen steuert, in den so genannten ´FGF-2-Pathway`. SOCS-3 könnte nach unseren neuesten Ergebnissen daher die Wanderung von Tumorzellen verhindern“, erklären Martin Puhr und Zoran Culig vom Innsbrucker Team uni sono.

Neuer Signalweg

Bekannt war bisher in der Erforschung von Entstehung und Wachstum des Prostatakarzinoms, dass das zur Klasse der „Suppressor of Cytokine Signaling“ (SOCS) zählende Protein SOCS-3 über einen bisher bekannten indirekten Signalweg das Wachstum von Prostata-Krebs forciert, indem es bestimmte für den Zelltod wichtige Botenstoffe blockiert. Krebszellen können damit ungehindert wachsen. „Überraschend und neu am Innsbrucker Ergebnis ist, dass SOCS-3 möglicherweise unterschiedliche Effekte im primären Tumor und in fortgeschrittenen Tumoren, die sich ausbreiten, hat. Signalproteine des FGF-2-Pathway werden im Prostatakarzinomgewebe hochexprimiert und können durch SOCS-3 inhibiert werden“, betont Puhr. Diese Erkenntnis könnte nach Angaben der Wissenschaftler bei der Erforschung einer Reihe weiterer Krebsarten, unter anderem Tumoren der Leber, der Haut und der Lunge, neue Strategien eröffnen.

Hochkarätige Grundlagenforschung

Der Nachwuchsforscher Dr. Martin Puhr (33) vom Forschungsteam Culigs konnte auf Basis langjähriger Grundlagenforschungen in einem Zellkulturmodell nun beweisen, dass SOCS-3 direkt in den für die Metastasierung wichtigen FGF-2-Pathway eingreift. Die kurz „SOCS“ genannten Eiweißstoffe – bisher sind sieben bekannt - unterdrücken im Körper die Wirkung von Zytokinen. SOCS-Proteine haben in verschiedenen Tumorarten unterschiedliche Wirkungen. Für SOCS-3 hat das Innsbrucker Team nun eine neue, unerwartete Wirkung entdeckt, womit es sich laut Culig um ein „multipotentes Protein“ im Krebsgeschehen handelt.

Das insgesamt neunköpfige Team Culigs erforscht als eine weniger Gruppen in Mitteleuropa die Ursachen für das Entstehen und Wachsen von Prostata-Krebszellen und sorgte in jüngster Zeit mit mehreren international renommierten Beiträgen in der Scientific Community für Aufsehen. Martin Puhr hat einen Teil seiner Ausbildung an der renommierten Thomas-Jefferson-University in Philadelphia (USA) absolviert. Für seine Forschungen an SOCS-3 wurde der Nachwuchswissenschaftler 2008 mit dem Preis der ARTP (Französische Gesellschaft für Prostatakarzinomforschung) ausgezeichnet.

Prostatakrebs als eine der häufigsten Krebserkrankungen der westlichen Welt mit entsprechenden Kosten für das Gesundheitssystem ist bisher nur im Frühstadium sehr gut behandelbar. Alleine in Österreich sterben über 1200 Männer jährlich an Prostatakrebs. Bei dieser Tumorart sind grundsätzlich jene Mechanismen nicht im Detail bekannt, die zu Entartung, unkontrolliertem Wachstum und Streuung der Zellen führen.

Publikation:

SOCS-3 antagonises the proliferative and migratory effects of FGF-2 in prostate cancer by inhibition of p44/p42 MAPK signalling. M. Puhr, F. R. Santer, H. Neuwirt, G. Marcias, A. Hobisch, Z. Culig, Endocrine Related Cancer, Epub ahead of print.

http://dx.doi.org/10.1677/ERC-10-0007

Bild: v.l.n.r.: Prof. Zoran Culig, Dr. Frédéric R. Santer, Dr. Martin Puhr
Copyright: Robert Schober
Kontakt:
Dr. Martin Puhr
Prof. Zoran Culig
Medizinische Universität Innsbruck
Universitätsklinik für Urologie
Anichstrasse 35, A-6020 Innsbruck
Tel.: ++43/512/504 - 24717
Email: zoran.culig@i-med.ac.at
Mag. Gabriele Rampl
Public Relations Prof. Zoran Culig
Kurzgasse 3/10, A-1060 Wien
Telefon: +43(0)650/2763351
Email: office@scinews.at

Dr. Martin Puhr | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.zculig.org
http://www.scinews.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics