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Konsens im Kampf gegen Dickdarmkrebs

31.05.2016

Das Auftreten spezieller invasiver Krebszellen kann eine genauere Prognose bei Darmkrebserkrankungen ermöglichen. Auf Initiative der Forschungsgruppe für Dickdarmkrebs am Institut für Pathologie der Universität Bern wurde Ende April eine Konferenz durchgeführt, die zu einem Konsens in der Beurteilung des Phänomens geführt hat. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus weltweit elf Ländern wurde eine international standardisierte Auswertungsmethode erarbeitet.

Dickdarmkrebs ist mit jährlich mehr als einer Million Neuerkrankten weltweit eine der häufigsten Krebsarten. Trotz des medizinischen Fortschritts bei der Behandlung ist die Prognose für Patientinnen und Patienten im fortgeschrittenen Stadium immer noch relativ schlecht.


Tumorknospen (sog. Tumor-Buds, markiert durch Pfeile) lösen sich als Einzelzellen oder kleine Zellgruppen von der Tumorfront ab und dringen in das umgebende Gewebe ein. Bild: Universität Bern

Universität Bern, Institut für Pathologie

Zunächst wird der mit Krebs befallene Dickdarmteil chirurgisch entfernt, anschliessend ist die Pathologie im Rahmen der interdisziplinären Tumorzentren für die Diagnosestellung und Festlegung des Tumorstadiums verantwortlich.

Mit mikroskopischen und molekularen Analysen werden alle wichtigen charakteristischen biologischen Merkmale, sogenannte Biomarker, ermittelt. Sie können Aufschluss über die genaue Diagnose, die Prognose und die erwartete Reaktion auf bestimmte Therapien geben. So kann eine Behandlung so gut wie möglich an die erkrankte Person angepasst werden.

Biomarker für genauere Prognose

In den letzten Jahren wurde in der medizinischen Fachliteratur in zahlreichen Studien «Tumor Budding», die Tumorzellsprossung, als Biomarker für eine schlechtere Prognose beim Dickdarmkrebs beschrieben. An der Invasionsfront des Tumors finden sich in diesem Fall einzelne kleine Gruppen von Krebszellen.

Sie können sich aus dem Zellverband lösen und über die Infiltration von Lymph- und Blutgefässen Tumorableger in lokalen und entfernten Organen verursachen, was schliesslich zu einer nicht mehr heilbaren Situation führt. Bisher fehlte jedoch ein allgemein anerkanntes Beurteilungssystem, welches erlauben würde, eine unter dem Mikroskop beobachtete Tumorzellsprossung in der täglichen Diagnostik und Patientenbetreuung anzuwenden.

Berner Initiative für einen Konsens

Auf Initiative der Forschungsgruppe für Dickdarmkrebs am Institut für Pathologie der Universität Bern fand Ende April 2016 die «International Tumor Budding Consensus Conference (ITBCC)» statt, an welcher nun eine solche international standardisierte Auswertungsmethode erarbeitet wurde. Dies kann als Durchbruch auf dem Gebiet der prognostischen Biomarker beim Dickdarmkrebs betrachtet werden.

Als nächster Schritt ist nun der Antrag für eine weltweite Aufnahme von «Tumor Budding» als Prognosefaktor in die nationalen Richtlinien sowie in die Dickdarmkrebs-Klassifikationen der WHO (World Health Organization), der UICC (Union Intérnationale Contre le Cancer) und der AJCC (American Joint Comittee on Cancer) geplant.

«Die internationale Anwendung der standardisierten Auswertung von <Tumor Budding> im diagnostischen Alltag ist eine vielversprechende Basis für zukünftige klinische Studien», sagt Alessandro Lugli, Leiter Klinische Pathologie am Institut für Pathologie. «Zudem ermöglicht sie die Erforschung von zielgerichteten Therapien gegen die invasiven Krebszellen.»

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2016/medie...
http://www.pathology.unibe.ch/

Nathalie Matter | Universität Bern

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