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Wie kommen Chirurgen durchs Schlüsselloch?

21.12.2010
Trainingszentrum für minimal-invasive Chirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg

Ein neues Trainingszentrum für Operateure hat die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus Büchler) in ihrer Sektion Minimal-Invasive Chirurgie eingerichtet. Ab Januar 2011 können sowohl erfahrene Ärzte als auch Medizinstudenten an verschiedenen Computer-Simulatoren und Trainingsgeräten spezielle Techniken der so genannten Schlüsselloch-Chirurgie üben.

Die schonende Operationsmethode, bei der der Chirurg wenige kleine Schnitte setzt und immer häufiger von computergesteuerter Technologie unterstützt wird, wird ständig weiterentwickelt. Auch komplexe Eingriffe im Bauch- und Brustraum, z.B. Dickdarm- oder Speiseröhrenentfernung, führen Operateure zunehmend per Schlüsselloch-Chirurgie durch. Der Arzt steht dabei vor ganz besonderen Herausforderungen.

„Mit Stäbchen statt mit Messer und Gabel essen“

Wie hält man die Kamera, damit sie aus dem Körper des Patienten gute Bilder liefert und so dem Chirurgen während der Operation den Weg zeigt? Wie funktioniert die Koordination zwischen Blick auf den Bildschirm und punktgenauer Steuerung der Instrumente? Wie fertigt man im Körperinneren Knoten mit Instrumenten, die nicht direkt in der Hand des Operateurs liegen sondern mit Stäben verbunden sind? „Das ist wie wenn man mit Stäbchen isst, statt mit Messer und Gabel“, beschreibt Privatdozent Dr. Beat Müller, Leiter der Sektion Minimal-Invasive Chirurgie.

Bisher wurden Ärzte von erfahrenen Kollegen schrittweise bei Operationen an diese Fertigkeiten herangeführt. „Mit unseren neuen Trainingskursen bieten wir unseren Ärzten eine moderne Alternative“, sagt Dr. Beat Müller. Aber auch Ärzte aus anderen Kliniken können das Trainingszentrum in Kursen oder stundenweise unter Anleitung eines Mitarbeiters der Sektion Minimal-Invasive Chirurgie nutzen.

Nachwuchs-Chirurgen optimal ausbilden

Auch Studenten können im Trainingszentrum „OP-Luft schnuppern“, wenn sie z.B. im so genannten POP-Trainer (Pulsating Organ Perfusion) eine Schweinegallenblase mit minimal-invasiver Technik entfernen. „Wir möchten die Studenten für die Chirurgie begeistern“, erklärt Assistenzarzt Dr. Felix Nickel, der die Kurse betreut. „Hier kann jeder selbst Hand anlegen. Das macht mehr Spaß als nur in Vorlesungen sitzen.“

Die Reaktionen der ersten Teilnehmer geben ihm Recht: Im Rahmen einer Kooperation mit dem Stipendienprogramm Medical Excellence des Finanzdienstleister MLP haben jetzt 16 Stipendiaten aus ganz Deutschland einen Operations-Simulationskurs durchlaufen – noch bevor der regelmäßige Kursbetrieb losgeht. „Sie waren alle begeistert“, sagt Dr. Felix Nickel. Bis zu viermal pro Jahr sollen Medical Excellence-Studenten in Heidelberg trainieren.

Graduiertenkolleg mit 8,5 Millionen Euro gefördert

Das Trainingszentrum für minimal-invasive Chirurgie Heidelberg soll auch als Schnittstelle zwischen der Erforschung neuer Technologien und deren Anwendung am Patienten dienen: In einem interdisziplinären Graduiertenkolleg der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, der Universität Karlsruhe (TH) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) entwickeln Doktoranden – Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mediziner – den OP-Arbeitsplatz der Zukunft. Einige der neuen Techniken können z.B. im Rahmen von Computersimulationen im Trainingszentrum getestet werden.

So haben die Nachwuchswissenschaftler ein Navigationssystem entwickelt, mit dessen Hilfe der Chirurg eine computergesteuerte Operationsnadel gezielt in Lebertumoren führen kann. „Bislang braucht man bis zu elf computertomographische Aufnahmen während der Operation, um den Tumor zu erreichen. Wenn wir das neue Verfahren in der klinischen Anwendung etablieren können, dann können wir die Belastung mit Röntgenstrahlen verringern“, blickt Dr. Beat Müller, der das Graduiertenkolleg wissenschaftlich betreut, in die Zukunft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt eine zweite Förderperiode bewilligt und investiert damit über einen Zeitraum von insgesamt neun Jahren rund 8,5 Millionen Euro.

Weitere Informationen im Internet
http://www.intelligente-chirurgie.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Minimal-invasive-Chirurgie.105442.0.html
http://www.mlp.de/studenten/individuelle-beratung/humanmediziner/medical-excellence
Ansprechpartner:
PD Dr. Beat Müller
Sektionsleiter Minimal Invasive Chirurgie
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 48 28
E-Mail: beat.mueller@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
http://www.intelligente-chirurgie.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Minimal-invasive-Chirurgie.105442.0.html

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