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Kombi-Untersuchung diagnostiziert Grünen Star und rettet Sehvermögen

17.09.2012
Durch eine gezielte Untersuchung des Sehnervs am Augenhintergrund lässt sich ein Glaukom frühzeitig erkennen. Indem der Augenarzt zusätzlich den Augeninnendruck misst, entdeckt er auch den wichtigsten Risikofaktor für die Augenerkrankung. Zusammen mit der mikroskopischen Untersuchung der vorderen Anteile des Auges sind diese Untersuchungen Bestandteil der Glaukomvorsorge.
Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in einer aktuellen Stellungnahme hin. Augendruck senkende Medikamente können das Fortschreiten eines Glaukoms verhindern und damit Sehvermögen retten. Dass eine wirksame Glaukomvorsorge Erblindungen verhindert, sei durch große randomisierte Therapiestudien belegt, so die DOG.

Ein Glaukom – auch „Grüner Star“ genannt – ruft zunächst keine wahrnehmbaren Beschwerden hervor. Denn die Sehnervenfasern gehen unbemerkt und ohne Schmerzen nach und nach zugrunde. Unbehandelt führt das Glaukom aber bis hin zur Erblindung und ist weltweit die zweithäufigste Erblindungsursache. In Deutschland leiden etwa zwei bis vier Prozent der über 65-Jährigen an Glaukom, jährlich erblinden hier über 1000 Menschen. Damit handelt es sich beim Glaukom um eine Volkskrankheit, die mit Diabetes mellitus durchaus vergleichbar sei, erklärt Professor Dr. med. Franz Grehn, Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg.
Ein Glaukom lässt sich sicher nur durch eine augenärztliche Untersuchung des Sehnervs diagnostizieren, betont Grehn. „So kann der Augenarzt Schäden am Sehnerv, die ein Glaukom kennzeichnen, frühzeitig erkennen – zum Beispiel die charakteristische Aushöhlung des Sehnervenkopfes.“ Die Messung des Augeninnendrucks an der Hornhaut sei als Vorsorgeuntersuchung allein nicht ausreichend, so der DOG-Experte. „Denn obwohl ein erhöhter Augeninnendruck den wichtigsten Risikofaktor für das Glaukom darstellt, sind erhöhter Augendruck und Glaukom nicht immer streng verknüpft“, so Grehn. Ein erheblicher Teil an Glaukomerkrankungen entstehe bei statistisch normalem Augeninnendruck. Umgekehrt gibt es Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck, die kein Glaukom entwickeln.

Es sei deshalb unbedingt notwendig, die Augeninnendruck-Messung mit der Sehnerv-Untersuchung zu kombinieren – beispielsweise auch, um das Erkrankungsrisiko abzuschätzen. Die Augendruck-Messung dient aber auch zur Kontrolle der Therapie. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Augentropfen, die den Augeninnendruck senken, das Fortschreiten der Glaukomerkrankung stoppen oder zumindest verlangsamen und damit Sehvermögen retten“, erklärt Grehn. Dies gelte auch für jene Glaukomfälle, bei denen der Augeninnendruck im Bereich der Werte gesunder Menschen liegt. „Auch bei solchen Normaldruckglaukomen kann die medikamentöse Absenkung des Augeninnendrucks auf niedrigere Werte die Krankheit aufhalten“, so DOG-Experte Grehn.

Hat der erhöhte Augeninnendruck den Sehnerv noch nicht geschädigt, hilft eine Drucksenkung ebenfalls. Dies hat auch die amerikanische „Ocular Hypertension Treatment Study“ (OHTS) nachgewiesen. Mit einem medikamentös gesenkten Augeninnendruck sinkt auch die Gefahr, dass sich ein Glaukom entwickelt, auf weniger als die Hälfte: über einen Zeitraum von fünf Jahren von 9,5 auf 4,4 Prozent. Pro mmHg Drucksenkung reduziert sich das Risiko um etwa zehn Prozent, wie die „European Glaucoma Prevention Study“ (EGPS) bestätigte.

Vor diesem Hintergrund sei auch die Forderung des Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWIG) wissenschaftlich nicht nachzuvollziehen. Das IQWIG fordert, dass zunächst durch Vergleich mit unbehandelten Glaukompatienten belegt werden müsse, dass Glaukomvorsorge Erblindungen verhindert, erläutert Professor Grehn. „Wer eine effektive Vorsorge beim Grünen Star gewährleisten will, sollte auf eine regelmäßige Kombi-Kontrolle von Augeninnendruck und Sehnerv achten.“ Früherkennung und Diagnose seien dabei allein Aufgabe des Augenarztes. Die DOG empfiehlt Menschen mit bestehendem Risiko, ab dem 40. Lebensjahr alle drei Jahre zur Kontrolle zu gehen, ab dem 65. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre.
Professor Dr. med. Franz Grehn diskutiert auf dem 110. Kongress der DOG über das Thema „Glaukom-Frühoperation Pro und Contra“. Die Stellungnahme zur Früherkennung des Glaukoms ist auch Thema auf der Kongress-Pressekonferenz, die am 20. September im Berliner Estrel stattfindet.

Die vollständige Stellungnahme der DOG zur Glaukomvorsorge finden Sie auf der Homepage der DOG: http://www.dog.org

Terminhinweise:

Pressekonferenz im Rahmen des 110. DOG-Kongresses
Termin: Donnerstag, 20. September 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Estrel Berlin, Raum Paris (EG)
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Vortrag „Penetrierende Glaukomchirurgie“ von
Professor Dr. med. Franz Grehn auf dem 110. DOG-Kongress
Termin: Samstag, 22. September 2012, 9.15 bis 10.45 Uhr
Ort: Estrel Berlin CC, Raum 1
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 110. DOG-Kongress
Kerstin Ullrich/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641/-293
Telefax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog-kongress.de

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