Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenmarkstransplantation: Erlanger Forscher wollen Auslösemechanismus für Folgeerkrankung klären

02.12.2011
Die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation ist für Leukämie-Patienten oftmals der einzige Therapieansatz mit Hoffnung auf Heilung.

Allerdings entwickeln Patienten nach der Transplantation häufig schwere Immunreaktionen, die Entzündungen an der Haut, am Darm, an der Leber und in der Lunge auslösen können. Diese als „Graft versus Host“ (GvHD) bezeichnete Erkrankung verläuft meist schwer. Wirksame Behandlungsmöglichkeiten fehlen weitgehend.

Die Forscherteams um Prof. Dr. Evelyn Ullrich und Prof. Dr. Kai Hildner am Uniklinikum Erlangen widmen ihre aktuelle Forschung dem Ziel, diese Immunreaktion besser zu verstehen und Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Krebserkrankungen von weißen Blutzellen aus dem Knochenmark, sogenannte Leukämien, stellen eine tödliche Bedrohung für Patienten dar. Die wichtigste Behandlungsform besteht in der Zerstörung des kranken Knochenmarks durch Chemo- und Strahlentherapie gefolgt von einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation.

Hierdurch ist Heilung möglich. Trotz großer Fortschritte bei der Durchführung der Transplantationen können nach Tagen, Wochen oder Monaten schwerwiegende Folgeerkrankungen auftreten. Oftmals kommt es zu einer krankhaften Reaktion des Transplantats gegen den Körper des Empfängers, der „Graft-versus-Host“-Reaktion, kurz GvHD. Im Rahmen der GvHD können nahezu alle Organe bei Patienten betroffen sein. So kann es zum Beispiel zu schmerzhaften Hautveränderungen, Durchfällen, Leberfunktionsstörungen oder Luftnot kommen.

Eine Untergruppe der weißen Blutzellen, die sogenannten T-Lymphozyten, sind der Hauptauslöser der GvHD. T-Lymphozyten werden durch bestimmte lösliche Eiweiß-Botenstoffe, den Zytokinen, aktiviert und dadurch selbst zur Ausschüttung weiterer Zytokine angeregt. Insbesondere eine Gruppe von T-Lymphozyten, die Th17-Zellen, produzieren Zytokine wie Interleukin 17A und Interleukin 17F. Beide gelten als wesentliche Vermittler von Schmerzen und Entzündungen. Die genaue Rolle von Th17-Zellen bei der Krankheitsentstehung der GvHD ist bislang jedoch noch nicht im Detail untersucht worden. Im Zentrum des von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Forschungsvorhabens steht daher die Klärung der Bedeutung von Th17-Zellen, insbesondere der von ihnen produzierten Botenstoffe, die für die GvHD relevant sind. Prof. Ullrich und Prof. Hildner hoffen, Ergebnisse zu erzielen, anhand derer sich beurteilen lässt, ob die medikamentöse Hemmung vonTh17-Zellen in der Zukunft eine Therapiemöglichkeit für GvHD Patienten darstellen könnte.

Die Erlanger Mediziner nehmen bei ihren Untersuchungen vor allem die Wirkung der Botenstoffe auf den Darm unter die Lupe. Dafür haben sie an der Labormaus ein Knochenmarkstransplantationsmodell entwickelt, welches die wesentlichen Krankheitsphasen einer akuten GvHD aufweist. Ihre Ergebnisse vergleichen sie auch mit Beobachtungen an Mäusen, die keine Th17-Zellen produzieren.

Durch Untersuchungen an Darmproben von Patienten mit GvHD soll verstanden werden, ob Th17-Zellen und das für deren Entstehung wichtige Protein BATF auch bei GvHD im Menschen nachweisbar sind. Von diesen Analysen versprechen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse, die zum Verständnis des Krankheitsablaufs beitragen. Dieses Wissen soll auch der Entwicklung neuer Ansätze für die Behandlung von GvHD Patienten dienen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 150.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Prof. Dr. Evelyn Ullrich leitet die Arbeitsgruppe für „Zelluläre Immunregulation“ an der Medizinischen Klinik 5, Prof. Dr. Kai Hildner die Arbeitsgruppe für „Dendritische Zellen in der mukosalen Immunologie“ an der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen.

Kontakt:

Prof. Dr. Kai Hildner
Telefon: +49 (0) 9131 85 35000
E-Mail: Kai.Hildner@uk-erlangen.de
http://www.medizin1.uk-erlangen.de/e7203/e7499/e109219/index_ger.html
Prof. Dr. Evelyn Ullrich;
E-Mail: Evelyn.Ullrich@uk-erlangen.de
http://www.medizin5.uk-erlangen.de/e1846/e515/index_ger.html

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten