Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knochenmarkerkrankungen besser überwachen und gezielter behandeln

12.11.2014

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. fördert Forschungsprojekt der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der UMG zum Myelodysplastischen Syndrom (MDS) über zwei Jahre.

Mit Hilfe neuer Technologien kann die vollständige Erbinformation von Blutkrebszellen eines Patienten aufgeschlüsselt werden. So werden Veränderungen in den Erbanlagen sichtbar, die ein Patient durch seine Krankheit erworben hat und die mit anderen Verfahren bisher nicht festgestellt werden konnten.


Schematische Darstellung der gesamten Erbinformation der fehlerhaften Blutzellen eines MDS-Patienten. Mit Hilfe der neuen Technologien können mikroskopisch unsichtbare Schäden nachgewiesen werden.

Grafik: umg/Ganster

Bei einigen Erkrankungen sind diese Veränderungen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine Therapie. Ob auch Patienten mit myelodysplastischen Syndromen (MDS) von diesen neuen Technologien profitieren können, untersuchen jetzt Prof. Dr. Detlef Haase, Leiter des Labors für spezielle hämatologische Diagnostik der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Lorenz Trümper) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), seine wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dr. Christina Ganster, und Prof. Dr. Francesc Solé Ristol vom Institut de Recerca contra la Leucèmia Josep Carreras (IJC) in Barcelona, in einem gemeinsamen Forschungsprojekt.

Die Forscher untersuchen in dem Projekt, ob neue Technologien wie die DNA-Sequenzierung der zweiten Generation (Next Generation Sequencing) und die molekulare Karyotypisierung helfen können, um bei MDS-Patienten erworbene Veränderungen der Erbanlagen so früh wie möglich nachzuweisen. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung fördert das Projekt für zwei Jahre mit einem Betrag von 200.681 Euro.

Myelodysplastische Syndrome zählen zu den häufigsten bösartigen Knochenmarkerkrankungen und sind Vorstufen einer Leukämie. Bei dieser Erkrankung der Stammzellen bildet der Körper zu wenige und fehlerhafte Blutzellen. Gleichzeitig können sich die Krebs-(Leukämie)zellen vermehren. Das kann im schlimmsten Fall zu sehr bösartigen Formen von Blutkrebs führen.

Bei den meisten Patienten ist es schwer, die Krankheit frühzeitig festzustellen. Daher gelingt es nicht einzuschätzen, wie die Erkrankung verlaufen wird und welche Behandlung die beste ist. Vielen Patienten können deshalb maßgeschneiderte Therapien gar nicht oder zu spät angeboten werden. Stattdessen werden stark belastende und teure Therapien oft ohne Nutzen eingesetzt, welche die Lebensqualität aber deutlich verringern.

Mit herkömmlichen diagnostischen Methoden wie der Chromosomenanalyse können nur bei etwa 50 Prozent der Patienten mit MDS Veränderungen der Erbinformation in Blutkrebszellen nachgewiesen werden. Die Krebsforscher wollen jetzt in ihrem Projekt herausfinden, ob die zusätzlichen Informationen durch die neuen Technologien dabei helfen, eine bessere Prognose über den Verlauf der Erkrankung zu treffen.

Mittels DNA-Sequenzierung der zweiten Generation (Next Generation Sequencing) und molekularer Karyotypisierung können gleichzeitig Hunderttausende von Stellen in der gesamten Erbinformation der Leukämiezellen mit einem Vielfachen des Auflösungsvermögens herkömmlicher Methoden untersucht werden.

Ist die Prognose über den Verlauf der Erkrankung sicherer, kann auch besser eine geeignete Therapie für den Patienten ausgewählt werden. Außerdem wollen die Mediziner überprüfen, wie gut sich die Überwachung des Krankheitsverlaufs in der Praxis realisieren lässt, was in Zukunft die Möglichkeit eröffnen würde, vorausschauend, schneller und gezielter mit einer Therapieumstellung auf eine Verschlechterung der Erkrankung zu reagieren.

„Zusätzlich zu dem Nutzen der neuen Technologien wollen wir untersuchen, ob man die benötigen Informationen der Krebszellen auch aus Blut aus den Armvenen gewinnen kann. Die Analyseverfahren, die bisher bei MDS-Patienten eingesetzt werden, werden am Knochenmark durchgeführt. Dies ist eine große Belastung für die Patienten. Eine konstante, engmaschige Überwachung des Krankheitsverlaufs ist auf diese Weise nicht vertretbar“, sagt Prof. Dr. Detlef Haase.

„Blut aus den Armvenen zu entnehmen ist zwar weniger schmerzhaft, bei vielen MDS-Patienten ist die Anzahl der Blutkrebszellen im Blut aber zu gering, um diese Zellen mittels herkömmlicher Methoden nachzuweisen“, sagt Dr. Christina Ganster aus der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der UMG. „Wenn wir aus Armvenen-Blut durch gezielte Anreicherung der MDS-Zellen und deren anschließende Untersuchung eine Diagnose erhalten würden, könnten wir mehr Patienten frühzeitig eine zielgerichtete Therapie anbieten. Außerdem könnten wir die Patienten über das Armvenen-Blut wesentlich besser überwachen”, sagt Prof. Dr. Detlef Haase.

Myelodysplastische Syndrome (MDS)
MDS tritt vor allem bei Patienten über 60 Jahren auf. Patienten mit MDS bilden aus ihren Stammzellen keine vollständig reifen und funktionstüchtigen Blutzellen mehr, da ihre Stammzellen genetisch verändert sind. Der Körper produziert nicht ausreichend Blut und unreife Knochenmarkzellen können sich vermehren. Eine Leukämie ist die mögliche Folge. Da sich der Verlauf der Krankheit jederzeit von gut- zu bösartig verändern kann, ist es sehr wichtig, bei Diagnosestellung und dann regelmäßig im Verlauf zu kontrollieren, ob und welche genetischen Veränderungen in den Stammzellen vorliegen. Die Behandlung reicht von einer rein unterstützenden Therapie bis zur Knochenmarktransplantation.

José Carreras Leukämie-Stiftung
1987 erfuhr José Carreras von seiner Diagnose „Leukämie“. Aus Dankbarkeit über die eigene Heilung gründete er 1995 die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V.. Die Stiftung hat seitdem über 900 Projekte finanziert, die den Bau von Forschungs- und Behandlungseinrichtungen, die Erforschung von Leukämie und ihrer Heilung sowie die Arbeit von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben. Weitere Informationen zur Stiftung: www.carreras-stiftung.de

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie
Prof. Dr. Detlef Haase, Telefon 0551 / 39-6313
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
haase.onkologie@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie