Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Werden Knochenbrüche bei Kindern zu oft operiert?

12.09.2013
Jeder dritte Knochenbruch bei Kindern ist eine Fraktur des Unterarms nahe am Handgelenk. Ist ein Knick sichtbar, wird in der Regel operiert.

Doch dies scheint nicht immer notwendig zu sein: Der Bruch, so haben Kinderchirurgen beobachtet, heilt nahezu immer gut von allein. Dies ist vor allem bei kleinen Patienten der Fall, die noch in der Wachstumsphase sind.

Experten diskutieren dies auf der 51. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH), die vom 12. bis 15. September 2013 in Düsseldorf stattfindet. Eine neue Studie geht dem nun außerdem wissenschaftlich nach.

Es ereignet sich täglich hunderte Male: Jemand stürzt, will sich abfangen – und bricht sich dabei den Arm dicht über dem Handgelenk. Diese sogenannte distale Unterarmfraktur tritt häufig bei Kindern auf, die beim Spielen oder Toben hinfallen. In etwa der Hälfte der Fälle verschieben sich die verletzten Knochen oder sie knicken ab; die Fehlstellung ist deutlich sichtbar.

Dann wird meist operiert: Der Arzt richtet den Bruch, fixiert die Knochen mit einem Metallstift und stellt den Arm mit einem Gips ruhig. Bei Kindern bis zwölf Jahren sei jedoch auch ohne Operation eine Spontankorrektur zu beobachten, sagt DGKCH-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Lucas Wessel, Direktor der Kinderchirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim. Diese Korrektur sei innerhalb von zwei Jahren nach dem Unfall zuverlässig zu verzeichnen. Denn die Knochen der jungen Patienten wüchsen noch und könnten verbliebene Fehlstellungen komplett korrigieren.

Ob es tatsächlich ausreicht, bei betroffenen Kindern den Arm nur ruhigzustellen, soll nun eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Untersuchung ergeben. „Vielen Betroffenen kann künftig womöglich eine Operation erspart bleiben“, sagt Studienleiter Wessel, der die Arbeit am 13. September 2013 in Düsseldorf auf einer Pressekonferenz während der 51. Herbsttagung der DGKCH vorstellen wird.

Die Forscher vergleichen dafür in den nächsten zwei Jahren die Daten von 742 Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren, die sich den Unterarm nahe der Hand gebrochen haben. Die Hälfte der Kinder wird operiert, bei der anderen Hälfte wird der Bruch eingegipst und der Spontanheilung überlassen. Den Heilungsverlauf kontrollieren die Ärzte wie üblich durch Röntgen. „Finden wir bei den Kontrollen über das Maß der Spontankorrektur hinausgehende Fehlstellungen, schwenken wir – wie auch sonst üblich – auf das operative Verfahren um“, betont Wessel. „Das Komplikationsrisiko wird auf nahezu null geschätzt.“ Um die Zufriedenheit der jeweiligen Behandlung evaluieren zu können, werden die Familien hierzu befragt.

Die Studie startet im Anschluss an die DGKCH-Herbsttagung. Bestätige sich die These, dass Eingipsen in vielen Fällen ausreicht, würden nicht nur viele Operationen überflüssig, sondern auch Kosten gespart werden, betont Wessel. „Kinder werden in der Chirurgie viel zu häufig wie Erwachsene therapiert“, sagt er. „Dabei stellen sie deutlich davon abweichende Anforderungen an die Chirurgie.“

Terminhinweis:

Pressekonferenz
anlässlich der 51. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Termin: Freitag, 13. September 2013 von 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: CCD-Congress Center Düsseldorf, Raum 5
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, Düsseldorf
Vorläufige Themen und Referenten:
Bauchschmerzen, Blähbauch und Reizdarm beim Kind – Alarmsignal oder Befindlichkeitsstörung? Was Eltern darüber wissen sollten
Professor Dr. med. Guido Fitze
Kongresspräsident der DGKCH 2014, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden
Sportverletzungen bei Kindern: Neues zur Vorsorge und den besten Therapien bei Brüchen, Bänderrissen, Verstauchungen und Co.
Professor Dr. med. Dr. Peter P. Schmittenbecher
Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Karlsruhe
Kinder mit Harnwegsinfekten vor Schäden bewahren – Wie individuelle kinderchirurgische Behandlungskonzepte helfen
Professor Dr. med. Maximilian Stehr
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Kinderurologie der DGKCH, Chefarzt für Kinderchirurgie und -urologie, Cnopf'sche Kinderklinik, Nürnberg
Knochenbrüche bei Kindern – Wird zu viel operiert?
Professor Dr. med. Lucas M. Wessel
Vorstandsmitglied der DGKCH, Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Mannheim GmbH, Universitätsklinikum Medizinische Fakultät Mannheim
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Dr. Adelheid Liebendörfer und Christine Schoner
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-573
Fax: 0711 8931-167
schoner@medizinkommunikation.org
liebendoerfer@medizinkommunikation.org

Medizinkommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgkch.de
http://www.dgkj2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise