Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderwunsch nach Krebs

18.03.2009
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert das Forschungsprojekt "Kinderwunsch nach Krebs" an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor: Prof. Dr. Beckmann).

Hintergrund: Um die Fruchtbarkeit von krebskranken Frauen zu erhalten, kann vor der Chemo- oder Bestrahlungstherapie entnommenes und tiefgefrorenes Eierstockgewebe nach überstandener Krebserkrankung voll funktionsfähig wieder eingesetzt werden.

Während diese Methode bei Brustkrebs oder Lymphdrüsenkrebs relativ unbedenklich angewendet werden kann, besteht bei Leukämien und Eierstockkrebs die Gefahr, dass mit der Retransplantation des eingefrorenen Eierstockgewebes alte Tumorzellen übertragen werden. Das einjährige Projekt der Forschergruppe um PD Dr. Ralf Dittrich und PD Dr. Andreas Müller soll das Rückübertragungsrisiko ausschalten.

Die Anzahl der Krebserkrankungen steigt stetig - rund 440.000 Neuerkrankungen gibt es alleine in Deutschland jährlich. Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten überleben immer mehr Patientinnen und Patienten. Das Neuauftreten einer Krebser-krankung betrifft dabei nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Frauen. Diese haben jedoch das Problem, dass die heute üblichen Behandlungsoptionen in vielen Fällen zu einer Unfruchtbarkeit führen.

Verschiedene Möglichkeiten zur Erhaltung der Fruchtbarkeit vor Krebstherapie

Bei Männern ist es einfach Spermien vor einer Krebstherapie einzufrieren und diese später zur Erfüllung des Kinderwunsches zu verwenden. Bei Frauen ist es schwieriger, da sich hier pro Monatszyklus nur eine Eizelle bildet. Trotzdem können auch krebskranken Frauen heute Optionen zum Fertilitätserhalt angeboten werden, zum Beispiel die Ovariopexie. Hier werden die Eierstöcke vor einer Bestrahlung operativ aus dem Bestrahlungsgebiet verlagert, um die Strahlenschädigung der Eierstöcke zu verringern.

Wenn es gefahrlos möglich ist, die medikamentöse Therapie der Krebserkrankung zu verschieben, besteht die Möglichkeit der hormonellen Stimulation der Patientin, um so in einem Zyklus mehrere Eizellen zu gewinnen (ca. 12) und diese einzufrieren. Nach Beendigung der Krebstherapie können diese Zellen dann später verwendet werde. Dieses Verfahren ist vergleichbar einer normalen In vitro Fertilisation (Künstliche Befruchtung), die jährlich zehntausende Male bei Sterilitätspatientinnen angewandt wird.

Bei vielen Patientinnen können die traditionellen Methoden zur Fruchtbarkeitserhaltung nicht angewendet werden. Hoffnung für diese krebskranken Frauen mit Kinderwunsch existiert seitdem es neuerdings die Möglichkeit gibt, Eierstockgewebe einzufrieren. Vor einer intensiven Chemotherapie oder Bestrahlungstherapie wird per Bauchspiegelung Eierstockgewebe entnommen. Dieses Gewebe wird dann mit einem speziellen Verfahren so schonend eingefroren, dass es nach Ende der Krebsbehandlung aufgetaut und der durch die Krebstherapie unfruchtbar gewordenen Patientin voll funktionsfähig zurück verpflanzt wird. Weltweit gibt es zwar erst fünf Geburten nach der Retransplantation von Ovarialgewebe nach überstandener Krebserkrankung (2 in Belgien, 2 in Dänemark und 1 in Israel), trotzdem ist damit bewiesen, dass diese neue Methode die Fertilität der Patientinnen wieder herstellen kann.

Kontakt:
Johannes Eissing
Tel.: 09131 / 8536102
presse@uk-erlangen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 40.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.kind-nach-krebs.de
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie