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Kinder aus der Reserve locken: Bilder als "Sprachinstrument" für verhaltensauffällige Grundschüler

21.10.2008
Nach einem Jahr Schulprojekt mit guten Ergebnissen abgeschlossen: Heilpädagogisch-kunsttherapeutische Präventionsmaßnahme als Kooperationsprojekt von KFH Freiburg, Jugendbegegnungsstätte Freiburg-Haslach und Vigeliusschule I (Grundschule) erleichtert Kindern den Umgang mit Problemsituationen.

Die Katholische Fachhochschule Freiburg hat vor einem Jahr die wissenschaftliche Begleitung eines Förderprojekts zur Persönlichkeitsentwicklung an der Vigelius-Grundschule in Freiburg-Haslach übernommen und diese jetzt mit positivem Ergebnis abgeschlossen. Ziel des Projekts war es, die Kinder bei der Bewältigung ihrer individuellen Problemsituationen zu unterstützen.

Zentrale Erkenntnis ist, dass das künstlerisch-ästhethische Angebot dazu beiträgt, das Selbstwertgefühl der Kinder zu festigen, dass es die Kinder entlastet und entspannt. Sie erhalten zur Bewältigung ihrer Konflikte Unterstützung. Das fördert ihre Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, erhöht die Frustrationstoleranz, und hilft, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen und zu achten.

Initiiert wurde das Projekt von Prof. Dr. Ruth Hampe, berufen für Rehabilitation und Kunsttherapie an der KFH Freiburg. Sie plädiert für einen Prozess des Umdenkens in der Erziehung: "Durch bildnerisches Gestalten, Musik, Bewegung und Theaterspiel können Kinder Emotionen zum Ausdruck bringen, die sie sprachlich nicht vermitteln können."

Das in Freiburg betriebene Projekt beruht auf der Konzeption einer Schulbegleitforschung der Universität Bremen, die dort in den Jahren 2003 - 2007 von Prof. Ruth Hampe entwickelt und durchgeführt wurde.

In das Schulprojekt wurden nicht nur Schülerinnen und Schüler aus allen Klassen der Vigelius-Grundschule einbezogen. Ebenso gab es ein intensives Zusammenarbeiten von Lehrern, GruppenleiterInnen und Eltern. Die beteiligten Kinder wurden von ihren Lehrern vorgeschlagen und konnten mit Zustimmung der Eltern teilnehmen.

Zwei Gruppen mit je sechs Kindern trafen sich einmal pro Woche, um kreativ-schöpferisch tätig zu sein: zu malen, zu zeichnen, mit Ton zu arbeiten. Professionell betreut wurden die Gruppen von Anja Beier, Heilpädagogin und Kunsttherapeutin, und Birgit Volk, Sozialheilpädagogin und Kunsttherapeutin, sowie vier Studentinnen der KFH Freiburg.

Prof. Hampe: "Immer mehr Kinder machen Erfahrungen mit belastenden Lebenssituationen wie Trennung oder Scheidung der Eltern, Krankheits- oder Todesfälle in der Familie, die oft Lern-, Konzentrations- oder Sprachschwierigkeiten im Unterricht oder Schwierigkeiten, in der Klassengemeinschaft zu recht zu kommen, nach sich ziehen." Im Rahmen des Projekts können die Kinder spielerisch und ohne Leistungsdruck experimentieren, gestalten und ihre Gefühle, wie auch Erlebtes zum Ausdruck bringen. Denn Ängste, Depressionen, Aggressionen, Trauerprozesse bedürfen Ausdrucksformen außerhalb von Sprache. Die Integration von ästhetisch-gestalterischen Förderangeboten an Schulen kann dazu beitragen, Kinder frühzeitig bei der Bewältigung von Problemsituationen zu unterstützen.

Obwohl für alle Beteiligten der Erfolg des Projekts offensichtlich ist, steht es finanziell auf unsicheren Beinen. Weder die Stadt Freiburg, noch das Oberschulamt sehen sich in der Lage, dieses Angebot zu finanzieren. Die bisherige Arbeit konnte nur mit Unterstützung mehrerer Sponsoren, wie psd-Bank RheinNeckarSaar, Wir helfen Kindern e.V. (eine Initiative der Alexander Bürkle-Gruppe), Wilhelm Oberle Stiftung/Staufen, Thomas Staebe-Stiftung/Freiburg, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Schulstiftung Baden-Württemberg möglich gemacht werden. Die Einwerbung der Mittel haben die Jugendbegegnungsstätte Freiburg-Haslach e.V. in Kooperation mit der KFH Freiburg und der Vigeliusschule I (Grundschule) realisiert.

Prof. Dr. Ruth Hampe: "Schulen haben den Bildungsauftrag der Persönlichkeitsförderung. Und vor allem neuere Studien machen deutlich, wie wichtig in diesem Zusammenhang das ästhetische Gestalten und Erleben für Lernsituationen sein kann. Dass in der Erziehung neue Wege eingeschlagen werden müssen, belegen zudem neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse. Die Integration von ästhetisch-gestalterischen Förderangeboten an Schulen ist daher ein unerlässliches Instrument, um Kinder und Jugendliche für das Bewältigen von schwierigen Lebenssituationen stark zu machen."

Barbara Hirth | idw
Weitere Informationen:
http://www.kfh-freiburg.de

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