Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder in neuen Bundesländern dreimal häufiger gegen Durchfall geimpft

28.10.2011
In Deutschland werden immer mehr Kinder gegen Durchfall-erregende Rotaviren geimpft.

Von 2007 bis 2010 stieg die Impfrate im ersten Lebensjahr von drei auf 26 Prozent. Dies zeigen Studien, in denen Wissenschaftler der Universitätskliniken Leipzig, Halle und Oxford deutschlandweit die Zahl der verschriebenen Rotavirus-Impfungen analysierten.

Demnach erfolgt die Impfung gegen die für Kinder bedrohliche Infektion in den neuen Bundesländern rund drei Mal so häufig wie in den alten: In Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, und Sachsen-Anhalt impften Ärzte 2010 insgesamt 60 Prozent der Säuglinge. In den alten Bundesländern waren es nur 20 Prozent.

„Die Unterschiede zwischen Ost und West sind vor allem auf die unterschiedlichen Impfempfehlungen der Länder zurückzuführen“, erklärt Professor Dr. med. Volker Schuster, Leiter der Poliklinik an der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Leipzig. Als erstes Bundesland hatte die Impfkommission in Sachsen 2008 die Rotavirus-Impfung empfohlen, gefolgt von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Schuster arbeitete in dem Projekt gemeinsam mit dem Leipziger Kollegen Privatdozent Dr. Dr. med. Holm Uhlig und Dr. med. Ulrike Uhlig aus Halle. Neben den Impfraten analysierten die Forscher auch die Zahl der beim Robert Koch-Institut gemeldeten Rotavirusinfektionen. Wie sich zeigte, ging die Zahl der gemeldeten Rotavirusinfektionen besonders in den Bundesländern mit hohen Impfraten zurück. Dies sei ein Hinweis auf die Effektivität der Impfung in Deutschland, berichten die Wissenschaftler in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins „The Pediatric Infectious Disease Journal“. Das Projekt wurde durch den Wilhelm Roux Forschungspreis der Universität Halle unterstützt, den Dr. med. Ulrike Uhlig im vergangenen Jahr erhalten hatte.

Rotaviren verursachen heftige Durchfälle, die oft mit starken Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber einhergehen. 90 Prozent aller Kinder erkranken in den ersten drei Lebensjahren an dem Erreger. Vor allem Säuglinge und sehr kleine Kinder können durch die Infektion aufgrund von Erbrechen und Durchfall in einen bedrohlichen Flüssigkeitsmangel geraten. Sie müssen dann stationär mit einer Infusionstherapie behandelt werden. Für die Impfung stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung. Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr bekommen diese zwei, beziehungsweise drei Mal per Schluckimpfung verabreicht.

„Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut gibt leider bislang keine generelle Impfempfehlung auf Bundesebene“, bedauert Schuster. In einer Stellungnahme hat die STIKO 2010 festgestellt, dass „für eine erneute Abwägung vor einer generellen Impfempfehlung noch wesentliche Daten zur Impfstoffsicherheit und zur Krankheitslast fehlen“. Gegen eine generelle Empfehlung spricht laut STIKO, dass die Nutzen-Kosten-Bilanz für den Impfstoff bislang negativ ausfällt. Gegenüber den möglichen Einsparungen bei den Behandlungskosten ist der Impfstoff derzeit noch zu teuer. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung dennoch.

Anders als in Deutschland verlaufen Rotavirus-Infektionen bei Kindern in Entwicklungsländern oftmals tödlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in Entwicklungsländern jährlich mindestens 500.000 Kinder an den Folgen dieser Infektion sterben. Seit 2009 empfiehlt sie daher die Rotavirus-Impfung weltweit in alle nationalen Impfprogramme aufzunehmen.

Literatur:
Uhlig U, Kostev K, Schuster V, Uhlig HH. Rotavirus Vaccination in Germany: Analysis of Nationwide Surveillance Data 2006 to 2010. Pediatr Infect Dis J. 2011 Aug 3. [Epub ahead of print]

ANTWORTFORMULAR:

O Ich möchte ein Interview mit Professor Schuster führen. Bitte stellen Sie für mich einen Kontakt her.

O Bitte informieren Sie mich regelmäßig über die Aktivitäten des Universitätsklinikums Leipzig/der Medizinischen Fakultät.

NAME:
MEDIUM:
ADRESSE:
TEL/FAX:
Kontakt für Journalisten:
Medizinkommunikation Stuttgart
Anna Julia Voormann, Irina Lorenz-Meyer
Rüdigerstraße 14
70469 Stuttgart
Berliner Büro:
Langenbeck-Virchow-Haus
Luisenstraße 59
10117 Berlin
Fon +49[0]711 8931-552/-642
Fax +49[0]711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Michael Lindner | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-leipzig.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise