Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Killerzellen auf Tumoren lenken

21.03.2013
Forscher entwickeln Immuntherapie für Darmkrebspatienten

Darmtumoren sondern ein spezielles Eiweiß ab, das sie für das körpereigene Abwehrsystem unangreifbar macht. Dies haben Forscher des Universitätsklinikums Bonn herausgefunden.

Nun wollen sie dem Immunsystem seine Kraft zurückgeben: Eine neue Immuntherapie soll den Abwehrmechanismus der Tumoren aushebeln und die Killerzellen des Immunsystems wieder auf sie aufmerksam zu machen.

Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsvorhaben der Wissenschaftler um PD Dr. Linda Diehl vom Institut für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des Universitätsklinikums Bonn mit 246.000 Euro.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 70.000 Menschen an Darmkrebs. In den meisten Fällen wird der Tumor operiert. Große Fortschritte in der Krebsforschung haben Immuntherapien in der klinischen Praxis ermöglicht. Aber Tumorzellen haben eine Reihe von Strategien entwickelt, um den Angriffen des Immunsystems zu entgehen.

Eigentlich sollte es für das Immunsystem ein Leichtes sein, Tumoren aufzuspüren. Die bösartigen Geschwülste geben eine Vielzahl von Eiweißmolekülen in die Blutbahn ab. Einige von ihnen, die sogenannten Tumorantigene, lösen eine Immunantwort aus – das körpereigene Abwehrsystem erkennt die Tumorantigene als fremd und schickt seine Helfer an den Ursprungsort der Bedrohung: den Tumor selbst. Dort beginnen die Abwehrzellen damit, die bösartige Geschwulst zu bekämpfen. Ganz vorne mit dabei sind die T-Killerzellen des Immunsystems.

Antigene von Darmtumoren gelangen – wie alle Stoffe, die aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden – über die Pfortader zur Leber. Dort werden sie von speziellen Leberzellen eingefangen und von vorbeiziehenden T-Killerzellen erkannt. Diese sollten nun eigentlich in Alarmbereitschaft versetzt werden und sich auf den Weg zum Tumor machen.

Doch Darmkrebszellen haben ein Ass im Ärmel: „Darmkarzinome sondern ein spezielles Eiweiß ab: das Tumorantigen mit dem wissenschaftlichen Namen CEA“, erläutert Diehl. CEA wird zwar von den Killerzellen erkannt, aber statt sich sofort zum Tumor zu begeben, ziehen sie unbehelligt weiter ihres Weges. „Darmkrebszellen machen sich die natürliche Funktion spezieller Leberzellen zunutze“, so Diehl weiter. „CEA zweckentfremdet einen natürlichen Mechanismus dieser Zellen. Die Killerzellen erkennen das Eiweiß nicht als Bedrohung, sie tolerieren CEA und somit den Tumor in ihrem Hoheitsgebiet, dem Körper.“ Normalerweise ist dieser Mechanismus dafür verantwortlich, eine Überreaktion des Immunsystems gegen Nahrungsbestandteile zu verhindern. „In diesem Fall ermöglicht er dem Tumor das Überleben.“

Im Labor ist es den Forscher bereits gelungen, die toleranten Killerzellen wieder auf Tumoren zu lenken. Jetzt wollen sie einen Schritt weiter gehen und basierend auf ihren Erkenntnissen eine optimierte Immuntherapie für Darmkrebspatienten entwickeln. „Immer mehr Menschen erkranken an Darmkrebs. Daher ist für die Deutsche Krebshilfe von großer Bedeutung, Projekte wie dieses zu unterstützen, die zum Ziel haben, neue und effektive Behandlungsmöglichkeiten gegen diese Krebsart zu entwickeln“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Hintergrundinformation: Krebsforschung

Die Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein im Jahr 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe rund 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Christiana Tschoepe | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften