Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kein erhöhtes Risiko für Zweittumore durch Strahlentherapie bei Enddarm- oder Gebärmutterkrebs

30.01.2015

Wer eine Krebserkrankung von Enddarm oder Gebärmutter überlebt hat, erkrankt in den Folgejahren dreimal häufiger als andere Menschen erneut an einem bösartigen Tumor. Fester Bestandteil der Therapie ist heute die Bestrahlung der Beckenorgane.

Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt, dass die Radiotherapie nicht für diese erhöhte Rate von sekundären Krebserkrankungen verantwortlich ist. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) bewertet diese Ergebnisse als wichtig und hilfreich für die Beratung der Patienten, da sie zeigen, wie sicher die Strahlentherapie bei diesen Krebserkrankungen ist.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 62 000 Männer und Frauen neu an einem Rektumkarzinom. Die Zahl der neu erkrankten Frauen mit Gebärmutterkrebs, dem Endometriumkarzinom, liegt bei etwa 11 500 pro Jahr. Die meisten dieser Patienten erhalten heute eine Radiotherapie.

„Die Radiotherapie bringt Vorteile für die lokale Tumorkontrolle, das heißt, sie senkt die Zahl der Tumorrückfälle und erspart vielen Patienten eine erneute Operation“, erläutert Professor Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Bislang war jedoch unklar, ob es durch die Bestrahlung einen langfristigen Überlebensnachteil gibt, erklärt das DEGRO-Vorstandsmitglied.

„Patienten, die von einer Krebsbehandlung geheilt sind, haben ein erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahrzehnten noch einmal an einem Krebs zu erkranken. Unklar war bislang, ob oder welche Rolle die Strahlentherapie dabei spielen könnte.“ Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass viele Menschen, die ein Endometrium- oder Rektumkarzinom überlebt haben, später erneut an Krebs erkranken. Eine Auswertung des US-amerikanischen Krebsregisters hatte vermuten lassen, dass bis zu acht Prozent dieser sekundären Tumore eine Spätfolge der Strahlentherapie sein könnten.

„Diese Zahlen müssen nach einer neuen Untersuchung aus den Niederlanden revidiert werden“, sagt Professor Dunst. Ein Team um Corrie Marijnen von der Universität Leiden hatte die Daten aus drei großen Therapiestudien ausgewertet. Insgesamt 2554 Patienten waren nach einer Behandlung ihres Rektum- oder Endometriumkarzinoms nachbeobachtet worden. Jeder vierte Patient erkrankte innerhalb von fünfzehn Jahren erneut an Krebs. Die meisten Patienten entwickelten einen Hautkrebs oder Krebserkrankungen fern der Bestrahlungsfelder. Es gab jedoch auch Tumore im Bereich von Darm und Harnwegsorganen, die im Bestrahlungsfeld der Radiotherapie lagen.

Die niederländischen Forscher fanden allerdings heraus, dass Patienten, die keine Radiotherapie erhalten hatten, ebenso häufig an einem sekundären Krebs erkrankten wie solche, die bestrahlt worden waren. Mit Radiotherapie betrug die Rate nach 15 Jahren 25,6 Prozent, ohne Radiotherapie 26,5 Prozent. Auch im Beckenbereich kam es nicht zu vermehrten Krebserkrankungen. „Dies zeigt, dass die hohe Zahl von sekundären Krebserkrankungen andere Gründe als die Radiotherapie gehabt haben muss“, sagt der Experte. Er vermutet, dass bei vielen Patienten die Ursachen für die Krebsentstehung weiter bestanden. „Dies können Verhaltensweisen der Patienten sein oder eine genetische Anfälligkeit für Krebs“, so Professor Dunst.

„Die Ergebnisse sind für alle Patienten mit Rektum- und Endometriumkarzinom eine gute Nachricht“, sagt Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim und Pressesprecher der DEGRO. „Sie können sich für eine Radiotherapie entscheiden, ohne dass die Gefahr von sekundären Krebserkrankungen steigt“, so Professor Wenz. Ob diese Ergebnisse uneingeschränkt auf andere Krebserkrankungen oder Personengruppen übertragen werden können, müssen weitere Untersuchungen zeigen, ergänzt der DEGRO-Pressesprecher.

Literatur:
Wiltink LM, Nout RA, Fiocco M, Meershoek-Klein Kranenbarg E, Jürgenliemk-Schulz IM, Jobsen JJ, Nagtegaal ID, Rutten HJ, van de Velde CJ, Creutzberg CL, Marijnen CA. No Increased Risk of Second Cancer After Radiotherapy in Patients Treated for Rectal or Endometrial Cancer in the Randomized TME, PORTEC-1, and PORTEC-2 Trials. J Clin Oncol. 2014; doi: 10.1200/JCO.2014.58.6693. Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25534376

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressekontakt für Rückfragen:

Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degro.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie