Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kardiologen der Universitätsmedizin Mainz setzen neues Verfahren zur Behandlung von Herzklappenfehlern ein

23.07.2010
Erste Patienten bereits erfolgreich durch Mitralklappenclipping behandelt

An der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz können nun auch Patienten mit einer Mitralklappeninsuffizienz durch ein neues schonendes Verfahren behandelt werden.

Die Kardiologen wenden dabei, in der Klinik von Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, die so genannte perkutane (endovaskuläre) Mitralklappenrekonstruktion an. Per Katheter wird mittels einer minimal-invasiven Clip-Implantation hierbei die vorliegende Undichtigkeit der Mitralklappe verringert oder sogar behoben. Auf diese Weise entfallen das Öffnen des Brustkorbes sowie der bislang übliche und risikobehaftete Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Das Verfahren wird bislang in 21 Zentren bundesweit eingesetzt. Seit dem ersten Einsatz des Verfahrens in Mainz Anfang Juni konnten auf diese Weise bereits sechs Patienten erfolgreich therapiert werden.

Die Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Form eines Herzklappenfehlers in Europa. Weltweit sind einige Millionen von Menschen davon betroffen. Die Erkrankung zeichnet sich dadurch aus, dass ein mangelhafter Schluss der Herzklappe vorliegt und dieser zu einem Rückstau des Blutes in der Lunge und somit zu Atemnot führt. Wird die Erkrankung nicht therapiert, kommt es langfristig zu einer chronischen Volumenüberlastung des Herzens, welche eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zu Folge hat.

Bisher sind verschiedene chirurgische Verfahren zur Behandlung eines defekten Schließmechanismus der Mitralklappe das Mittel der Wahl, für die jedoch die Öffnung des Brustkorbes und der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich sind. Bei dem neuen Verfahren genügt ein kleiner Zugang in der Leistenvene, um eine Verbesserung der Symptome, wie Müdigkeit und Kurzatmigkeit, günstig zu beeinflussen. Bei der so genannten perkutanen (endovaskulären) Mitralklappenrekonstruktion oder auch Mitralklappenclipping werden die beiden Mitralklappensegel adaptiert und auf diese Weise die mangelnde Schlussfähigkeit verbessert oder behoben. Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Die Verwendung der Herz-Lungen-Maschine ist nicht mehr erforderlich. Zusätzlich erfolgt permanent eine dreidimensionale Echokardiographie sowie bei Bedarf eine Röntgenkontrolle, die eine optimale Positionierung des Clips erlaubt. Diese schonende Vorgehensweise birgt für den Patienten ein geringeres Risiko und bietet gleichzeitig eine schnellere Erholung und Verbesserung der Lebensqualität. Dennoch gilt die chirurgische Therapie immer noch als Standard, da für das neue Verfahren noch keine Langzeitergebnisse vorliegen. Aufgrund erhöhten operativen Risikos, z.B. hohes Alter oder schwerwiegender Begleiterkrankungen ist eine chirurgische Therapie allerdings häufig nicht möglich. Diese Patienten können insbesondere von dem neuen Verfahren über den Katheter profitieren.

Das neue Verfahren ist erst seit März 2009 in Europa zur Anwendung zugelassen und wird seither insbesondere in Deutschland angewandt. Weltweit konnten bisher rund 1.700 Patienten auf diesem Weg erfolgreich behandelt werden. In den 21 deutschen Zentren sind es etwa 550 hiervon.

„Wir sind sehr stolz darauf, als eines von wenigen Zentren in Deutschland, nunmehr eine solch schonende und alternative Behandlungsmethode in Mainz anbieten zu können“, so Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel. „Schon heute zeichnet sich ab, dass diese Vorgehensweise die Lebensqualität verbessern kann und dazu beiträgt, Patienten mit einer schweren Mitralklappeninsuffizienz, die bisher nicht operiert werden konnten, behandeln zu können“, ergänzt Priv.-Doz. Dr. Ascan Warnholtz, der sich für dieses stimulierende Projekt verantwortlich zeichnet. „Die optimale Abstimmung zwischen den Ärzten am Kathetertisch und am Ultraschallgerät (Echokardiographiegerät), dem Assistenzpersonal im Herzkatheterlabor und der Anästhesie in einer Teamarbeit ist dabei ein weiterer wichtiger Schlüssel für den Erfolg“, betont Univ.-Prof. Dr. Christian Werner, der Direktor der Klinik für Anästhesiologie.

Kontakt
Priv.-Doz. Dr. Ascan Warnholtz
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Telefon: 06131 17-3747, Fax: 06131 17-6428; E-Mail: warnholt@uni-mainz.de
Internet: http://www.unimedizin-mainz.de/2-med
Pressekontakt
Caroline Bahnemann, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz, Telefon: 06131 17-7426, Fax: 06131 17-3496,

E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung – die Apotheke und die Transfusionszentrale – gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.

Caroline Bahnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.unimedizin-mainz.de
http://www.unimedizin-mainz.de/2-med

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften