Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kaltes Plasma soll die mikrobiologische Sicherheit von Obst und Gemüse erhöhen

27.05.2011
Gemüse, Kartoffeln oder auch Obst können bedenkliche Konzentrationen an Krankheitserregern aufweisen. Auch gezielte Reinigungsschritte während der Aufarbeitung bieten keinen ausreichenden Schutz gegen mikrobiologische Verunreinigungen.

Kaltes Plasma soll künftig die Lücke bisheriger Dekontaminationsverfahren für frische Obst- und Gemüseprodukte schließen.

Die aktuellen EHEC-Erkrankungsfälle zeigen, dass die Sicherheit von frischem Obst und Gemüse noch immer eine Herausforderung darstellt. Die meist im Freiland produzierten Salatköpfe, Wurzeln oder Früchte weisen eine natürliche Besiedlung mit Bakterien, Schimmelpilzen, Hefen und anderen Mikroorganismen auf. Humanpathogene Mikroorganismen wie Listerien, Salmonellen oder EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) treten zwar selten auf, können jedoch beim Menschen schwere Erkrankungen hervorrufen.

Eine Wärmebehandlung kann die Keime inaktivieren, wird aber dem Verbraucheranspruch an möglichst unbelassene frische Produkte ebenso wenig gerecht wie viele chemische Behandlungsmethoden.

Der Einsatz von Kaltplasma bei Temperaturen unterhalb von 35°C ist ein neuer technologischer Ansatz, der in Zukunft eine schonende und sichere Hygienisierung von frischem und minimal verarbeitetem Obst und Gemüse möglich machen soll. Plasma ist ein ionisiertes Gas, dessen antimikrobielle Wirkung in der Medizintechnik, z.B. zur Unterstützung der Wundheilung bereits intensiv erforscht wird.

Wissenschaftler im Verbundprojekt FriPlas© arbeiten zurzeit mit Nachdruck daran, Plasma auch für die Hygienisierung von Obst- und Gemüse nutzbar zu machen. Die Behandlung ist neu und vielversprechend, stellt jedoch hohe Anforderungen an den Prozess und an die verwendeten Plasmaquellen, denn die Obst- und Gemüsearten unterscheiden sich deutlich in Größe, Form, Oberfläche und Empfindlichkeit.

„Die Anwendung plasmabasierter Verfahren zur Behandlung pflanzlicher Produkte ist grundsätzlich neu. Dies bedeutet, dass wir nicht nur die Behandlungsbedingungen und -parameter festlegen müssen, sondern die Verfahren auch im Hinblick auf den Nachweis der antimikrobiellen Wirksamkeit neu konzipieren müssen“, so Dr. Oliver Schlüter, Koordinator des Forschungsprojekts am Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam. „Unser Ziel ist es, eine automatisierte Hygienisierungslösung auf Basis der Plasmaanwendung zu entwickeln, die pathogene Keime sicher eliminiert und in bestehende Verarbeitungslinien für frische Obst- und Gemüseprodukte integrierbar ist.“

Erste Ergebnisse belegen auch die Wirksamkeit gegen E. coli-Bakterien. Die Temperatur des pflanzlichen Gewebes kann dabei unter 25°C gehalten werden.

Der Erfolg gezielter Hygienisierungsmaßnahmen hängt jedoch u. a. von der jeweiligen Ausgangskeimzahl am Produkt ab. Mit Hilfe von Sensorsystemen wollen die Wissenschaftler daher während des Waschvorgangs den Grad mikrobieller Belastung am Produkt erfassen und diese Daten nutzen, um die Intensität der anschließenden Plasmabehandlung zu steuern - nach dem Prinzip „soviel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Eine zentrale Frage der weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten wird zudem sein, in welcher Form die pflanzliche Physiologie durch die Plasmakomponenten an der Oberfläche beeinflusst wird.

Im Projekt FriPlas©, das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert und vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) koordiniert wird, arbeiten sechs Partner aus Forschung (ATB, Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie INP Greifswald e.V., Technische Universität Berlin Fachgebiet für Lebensmittelbiotechnologie und -prozesstechnik) und Wirtschaft (CZIOTEC GmbH, ELBAU Elektronik Bauelemente GmbH und Rudolf Wild GmbH & Co. KG) zusammen.

Kontakt:
Dr. Oliver Schlüter - Leiter des Forschungsprogramms Qualität und Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln am ATB

Tel.: 0331 5699-613, E-Mail: oschlueter@atb-potsdam.de

Dipl.-Ing. Matthias Baier - FriPlas©
Tel.: 0331 5699-628, E-Mail: mbaier@atb-potsdam.de

Helene Foltan | idw
Weitere Informationen:
http://www.atb-potsdam.de/friplas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics