Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Intraoperative Radiotherapie bei Brustkrebs stimmt Mediziner optimistisch

21.12.2009
Zweitausendste Patientin der von Mannheim aus koordinierten TARGIT-Studie in Frankfurt behandelt

Seit März 2000 erproben weltweit Ärzte an Brustzentren im Rahmen der internationalen TARGIT Studie (TARGeted Intraoperative Radiation Therapy) ein neuartiges Verfahren zur intraoperativen Strahlenbehandlung (IORT) bei Brustkrebs.

Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Polen, Kanada, Australien und den USA vergleichen im Rahmen dieser Studie die Ergebnisse der konventionellen, mehrwöchigen externen Strahlentherapie mit der einmaligen, etwa 30-minütigen intraoperativen Strahlentherapie. Am Frankfurter Universitätsklinikum wurde kürzlich die zweitausendste Patientin der weltweiten Studie behandelt. Damit ist man nahe am Ziel von insgesamt mehr als 2200 an der Studie beteiligten Patientinnen. Die bisherigen Ergebnisse der intraoperativen Bestrahlung stimmen die Mediziner sehr optimistisch.

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger und zwingender Bestandteil bei der Brust-erhaltenden Behandlung von Krebs, um eventuell noch im Gewebe vorhandene Tumorzellen nach der Operation abzutöten. Bei der intraoperativen Strahlentherapie wird das betroffene Gewebe im Tumorbett noch während der Operation, nach der Entfernung des Tumors, gezielt bestrahlt. Das umliegende Gewebe wird mit dieser Methode geschont. Zum Einsatz kommt dabei das Bestrahlungssystem "Intrabeam" von Carl Zeiss.

Die TARGIT-Studie prüft, ob sich mit der Bestrahlung direkt am Tumorbett die Gefahr des Wiederauftretens von Krebs in der betroffenen Brust ebenso wirksam eindämmen lässt wie bei der üblichen, mehrwöchigen Nachbehandlung. Dabei entscheidet ein Zufallsverfahren, welche der teilnehmenden Frauen eine konventionelle Strahlentherapie erhält und welche intraoperativ bestrahlt wird.

Die an der Studie beteiligten deutschen Zentren werden vom Brustzentrum der Mannheimer Universitätsmedizin aus koordiniert (Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Leitung: Prof. Dr. Frederik Wenz; Frauenklinik, Leitung: Prof. Dr. Marc Sütterlin). Das Mannheimer Zentrum war das zweite Zentrum weltweit, das Patientinnen in die Studie einschloss - bis heute rund 150 Frauen. Neben dem Universitätsklinikum Mannheim und dem Universitätsklinikum Frankfurt nehmen in Deutschland das Klinikum des Bayrischen Roten Kreuzes München und die Ludwig-Maximilians-Universität München, das St. Gertrauden Krankenhaus Berlin sowie das Universitätsklinikum Homburg an der Studie teil.

Professor Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universitätsmedizin Mannheim, ist optimistisch: "Die bisherigen Ergebnisse der intraoperativen Bestrahlung, des so genannten Boost, sind sehr vielversprechend. Nur bei 1,5 Prozent der intraoperativ behandelten Patientinnen wurde nach einer mittleren Beobachtungszeit von fünf Jahren erneut ein Tumor in der Brust entdeckt." Die Rückfallrate bei herkömmlichen Behandlungen liegt nach fünf Jahren bei drei bis fünf Prozent. "Die verkürzte Bestrahlungsphase reduziert außerdem die psychische Belastung der Patientinnen erheblich", beschreibt Professor Wenz die weiteren Vorteile der intraoperativen Therapieoption, die mittlerweile schon den Weg in die klinische Routine gefunden hat. Die intraoperative Strahlentherapie mit "Intrabeam" wertet der Strahlentherapeut daher als bedeutenden Schritt in der Behandlung von Brustkrebspatientinnen.

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.targit-research.org
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie