Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Institut für Rechtsinformatik entwickelt Datenschutzkonzept

16.04.2010
Juristische Absicherung medizinischer Forschungsprojekte steht im Mittelpunkt

Die Einzigartigkeit des Menschen ist ein schützenswertes Gut. Dabei ist vieles bereits im Genom festgelegt. Auch Krankheiten wie Krebs und wie der Körper auf die Behandlung anspricht, können veranlagt sein. Das EU-Projekt Advancing Clinico Genomic Trials on Cancer (ACGT) hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Daten zu sammeln und zu dokumentieren.

In Zukunft könnten kranke Menschen davon profitieren, wie Menschen mit einem ähnlichen Genom behandelt werden. Auf diese Weise blieben Patienten und Patientinnen überflüssige Therapien erspart. Voraussetzung wäre jedoch die Speicherung genetischer Daten vieler Menschen.

Um den Schutz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesem hochsensiblen Bereich zu gewährleisten, ist ein Team des Instituts für Rechtsinformatik (IRI) unter Leitung von Prof. Nikolaus Forgó und Dr. Tina Krügel damit betraut worden, ein Konzept für den Datenschutz und die Datensicherheit zu entwickeln. Die Europäische Union fördert das Projekt mit rund 13 Millionen Euro. Rund 280.000 Euro davon entfallen auf das IRI. Neben dem Institut der Juristischen Fakultät sind 26 weitere Partner aus ganz Europa beteiligt. Das Projekt geht in die Endphase und wird im Sommer abgeschlossen sein.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IRI hatten dabei Pionierarbeit zu leisten: Mit der rechtlichen Absicherung genetischer Daten betraten sie juristisches Neuland und hatten daher weitreichende und komplexe Auflagen zu beachten. Dem IRI oblag nicht nur der ethische und rechtliche Schutz der genetischen Daten, sondern auch die Entwicklung der Anforderungen für ein technisches Sicherheitskonzept.

Die Anonymisierung der genetischen Daten war eine besondere Herausforderung - schließlich lässt sich ein Genom aufgrund seiner Einzigartigkeit nicht einfach so anonymisieren. Um den Schutz der Patientinnen und Patienten und deren Anonymität zu gewährleisten, wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen besonders aufwändigen Weg der mehrfachen Verschlüsselung. Zudem wurde das Center for Data Protection (CDP) gegründet, eine gemeinnützige Organisation, die als internes Datenschutzgremium fungiert (http://www.privacypeople.org). Eigens für das Projekt entwickelte und von den Projektpartnern zu unterzeichnende Verträge sicherten die Einhaltung der Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen ab. Letztlich musste jeder Patient in die Verarbeitung seiner genetischen Daten einwilligen.

Dieses Zusammenspiel aus Anonymisierung, vertraglicher Verpflichtung der Projektpartner und Einbeziehung der Patienten durch Einwilligung erwies sich als erfolgreich. Zudem ist es keine Einzelfalllösung, denn das Konzept und das CDP als Datenschutzkompetenzzentrum lassen sich nicht nur auf andere Medizinprojekte übertragen, sondern auch auf weitere wissenschaftliche Forschungsprojekte, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden müssen.

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Tina Krügel vom Institut für Rechtsinformatik unter Telefon +49 511 762 8259, Telefon 762 8161 oder per E-Mail unter kruegel@iri.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Jessica Lumme | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie