Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Inselspital: Bilder aus der Tiefe des Gehirns

25.02.2016

Der Neuroradiologie des Inselspitals gelingt es in einem neuartigen Verfahren, pathologische elektrische Aktivität im Inneren des Gehirns sichtbar zu machen. Damit verbessern sie die Diagnostik von Epilepsie-Patienten.

Mediziner träumen seit über 20 Jahren davon, die elektrische Aktivität des Gehirns in einem Kernspintomographen nachzuweisen. Forschern des Inselspitals ist es nun gelungen, diesen Traum mit einer weltweit einzigartigen Methode zu verwirklichen.


Was das Oberflächen-EEG nicht zeigt kann die neue Methode: Elektrische Aktivitäten im Gehirn sichtbar machen.

Inselspital, Universitätsspital Bern


Beispiel eines Epilepsie-Patienten vor und nach der erfolgreichen Operation

Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern

Dabei werden die elektrischen Felder nicht direkt gemessen, sondern indirekt durch ihren Effekt auf Magnetfelder. Während elektrische Felder im gesunden Gehirn allerdings zu schwach sind um eine messbare Störung des Magnetfeldes zu erzeugen, können die Neuroradiologen diese nun dort messen, wo sie kurzfristig stärker ausgeprägt sind: Bei Patienten mit Epilepsie.

Bildgebung hilft Epilepsie einzugrenzen und zeigt Heilung an

Das Forschungsteam um den Physiker Dr. Claus Kiefer und die Mediziner Eugenio Abela, Kaspar Schindler und Roland Wiest aus dem Support Center for Advanced Neuroimaging (SCAN) am Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie und der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital nutzte die neue Methode in einer Pilotstudie mit acht Epilepsie-Patienten.

Dabei fand man heraus, dass die neu entwickelte MR Sequenz Magnetfeldstörungen selbst in tiefen Regionen des Hirns sichtbar macht, welche ein sonst zum Einsatz kommendes Oberflächen-EEG nie erreicht. Damit wird es möglich, den Ursprung der epileptischen Anfälle noch genauer einzugrenzen, was v.a. denjenigen Patienten zu Gute kommt, welche im „normalen“ MRI keine strukturellen Auffälligkeiten zeigen.

Zusätzlich zeigten die Forscher auf, dass nach einer Operation anfallsfreie Epilepsie-Patienten auch tatsächlich keine derartigen Magnetfeldstörungen mehr aufweisen – ihr Hirn also ähnlich „störungsfrei“ funktioniert wie das gesunder Menschen. Patienten, welche weiterhin Anfälle hatten, zeigten dagegen noch die typischen pathologischen Signale. Diese erstaunlichen neuen Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns wurden am 29. Januar im renommierten amerikanischen Fachjournal Radiology veröffentlicht.

Patentierte Methode nur in Bern

Die revolutionäre Bildgebungsmethode ist durch die Universität Bern patentiert und wird bisher nur am Inselspital angeboten. Der Vorteil: Kommen Epilepsie-Patienten denen Medikamente nicht weiterhelfen ohnehin zur MRI-Untersuchung, so können nur acht zusätzliche Minuten im MRI die Ursprungsregion der übermässigen elektrischen Hirnaktivität besser eingrenzen. Das auch wenn die Patienten aktuell keinen Anfall haben. Denn die Methode ist so sensibel, dass sie auch schwache epileptische Aktivität erfasst, welche zwischen den eigentlichen Anfällen vorhanden ist.

Die neue entwickelte MR Sequenz soll nun in weiteren klinischen Studien auch international validiert werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Roland Wiest, Leitender Arzt, Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie, Inselspital, +41 31 632 36 73.
Prof. Dr. Kaspar Schindler, Leitender Arzt, Univerisitätsklinik für Neurologie, Inselspital, +41 31 632 30 54.

Weitere Informationen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26824710
http://www.neurorad.insel.ch/

Monika Kugemann | Universitätsspital Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik