Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Therapie verbessert Lebensqualität bei Morbus Parkinson

29.05.2015

Die Therapie des Morbus Parkinson besteht aktuell vor allem aus Medikamenten. Diese ist sie bei vielen Patienten nicht ausreichend und die Lebensqualität verschlechtert sich zunehmend. Eine neue Studie in sechs europäischen Zentren unter Führung des Neurologen Prof. Dr. Lars Timmermann von der Uniklinik Köln berichtet nun erstmalig über Ergebnisse eines neuartigen Hirnschrittmachers: Die behandelten Parkinson-Patienten zeigten eine erhebliche Verbesserung ihrer Beweglichkeit und Lebensqualität, brauchten weniger Medikamente und hatten weniger Probleme im Alltag.Die Ergebnisse wurden heute (29.5.2015) in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlicht.

2010 wurde an der Uniklinik Köln weltweit erstmals ein neuartiger aufladbarer Hirnschrittmacher mit 8 Kontakten eingesetzt, der es den Ärzten ermöglicht, an jeder Kontaktstelle den Strom genau auf Wirkung und Nebenwirkung des Patienten anzupassen (sogenanntes „Current Steering“).

Dieses System wurde nun bei 40 Parkinson-Patienten in Spanien, Österreich, England, Frankreich, Italien und Deutschland in einer Multi-Center Studie untersucht. Prof. Lars Timmermann, sein Wiener Kollege Prof. Francois Alesch und Kollegen berichten nun im Lancet Neurology, dass bereits drei Monate nach der Operation eine erhebliche Verbesserung der Beweglichkeit zu bemerken war:

Nach sechs Monaten waren die Patienten bis zu 62,4 Prozentpunkte besser beweglich als vor der Operation. Ein Jahr nach der Implantation waren die Ergebnisse immer noch auf gleichbleibendem Niveau.

Ähnlich starke Verbesserungen konnten die Ärzte bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nachweisen: Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich nach zwölf Monaten um 33,8 Prozent vor allem in der Mobilität der Patienten, den Alltagstätigkeiten und dem körperlichen Wohlbefinden. Damit waren insbesondere die Verbesserungen der Motorik deutlich besser als in allen bislang durchgeführten Studien zu Hirnschrittmachern bei Morbus Parkinson.

Gleichzeitig konnte die bisher eingenommenen Medikamente bei den Patienten um 58,1 Prozent reduziert werden. Die beobachteten Nebenwirkungen, wie beispielsweise Sprechstörungen, dagegen waren mit vorangegangenen Studien vergleichbar.

„Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits vielen unserer Patienten sehr gut mit dieser innovativen Technologie helfen. Gleichzeitig war es unser Ziel, Sprechstörung zu vermeiden und gleichzeitig einen optimalen Effekt zu erreichen. Wichtig war es nun, in einer europäischen Studie diese klinischen Erfahrungen zu bestätigen “ erklärt Timmermann.


Hintergrund:
Die Forschung im Bereich der Bewegungsstörungen und der Tiefen Hirnstimulation hat einen Schwerpunkt in Köln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert hier seit Anfang 2010 eine Klinische Forschergruppe (KFO219) unter der Leitung von Prof. Dr. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie, und Prof. Dr. Lars Timmermann, Leiter des Schwerpunktes Bewegungsstörungen an der Neurologischen Klinik. Ziel der Förderung ist es, durch Grundlagenforschung die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Hirnschrittmacher werden bei Parkinson-Patienten und anderen Bewegungsstörungen eingesetzt, wenn ein starker Wechsel zwischen guter Beweglichkeit und schlechter Beweglichkeit nicht mehr durch Medikamente zu kontrollieren ist oder ein Zittern (Tremor) durch Medikamente nicht ausreichend gelindert werden kann. An der Uniklinik Köln werden Hirnschrittmacher in der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie unter der Führung von Prof. Dr. Veerle Visser-Vandewalle eingesetzt.

Aktuelle Publikation:
Multiple-source current steering in subthalamic nucleus
deep brain stimulation for Parkinson’s disease (the VANTAGE
study): a non-randomised, prospective, multicentre,
open-label study
Lars Timmermann, Roshini Jain, Lilly Chen, Mohamed Maarouf, Michael T Barbe, Niels Allert, Thomas BrÜcke, Iris Kaiser, Sebastian Beirer, Fernando Sejio, Esther Suarez, Beatriz Lozano, Claire Haegelen, Marc Vérin, Mauro Porta, Domenico Servello, Steven Gill, Alan Whone, Nic Van Dyck, Francois Alesch
THE LANCET NEUROLOGY -D-14-00829 0386 S1474-4422(15)00087-3

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik