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Innovative Therapie: UKM-Ärzte erforschen die Behandlung von Phobien in der "Virtuellen Realität"

04.12.2009
Therapie möglicherweise genauso erfolgreich wie herkömmliche Methoden

Rund zehn Prozent aller Deutschen leiden an einer Phobie. Oft gehen Betroffene jedoch nicht zum Arzt, da es bei vielen Phobien ziemlich einfach ist, dem Gegenstand der krankhaften Angst - Höhe oder Spinnen zum Beispiel - auszuweichen.

Eine Arbeitsgruppe der UKM-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Zwanzger erforscht nun in Kooperation mit Kollegen des Psychologischen Instituts I der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ein ungewöhnliches Therapieverfahren: Patientinnen und Patienten können ihre Phobien durch einige Sitzungen in Virtuellen Realitäten loswerden.

Die drei häufigsten Phobien können die Therapeuten in dem professionell abgedunkelten Zimmer in der Klinik behandeln: die vor Spinnen, vor Höhe und die vor dem Autofahren. Bei letzterem sitzen die Patienten auf einem Stuhl, der zum Autositz wird, sobald sie die Brille und den Bildschirm vor sich haben. Sogar an das Autoradio sowie Gas- und Bremspedal haben die Entwickler - eine Arbeitsgruppe an der Universitätsklinik in Würzburg - gedacht.

Phobien behandeln Therapeuten am erfolgreichsten mit dem so genannten Expositionsverfahren. Dabei setzt sich der Patient im Beisein des Therapeuten der angstbesetzten Situation aus und bleibt so lange in dieser Situation, bis er merkt, dass die Angst kleiner wird, weil sie unbegründet ist. Nach rund zehn Expositionssitzungen sind die Patienten in der Regel dann so weit geheilt, dass sie z.B. wieder in den Keller gehen können - auch auf die Gefahr hin, dass dort Spinnen sind. Der Nachteil dieser Therapie: Sie ist für Ärzte und Patienten sehr aufwändig.

"Bei dem Verfahren mit der virtuellen Realität ist die Hemmschwelle, sich in die angstbesetzte Situation zu begeben, viel niedriger", erklärt Oberarzt Prof. Dr. Peter Zwanzger. Trotzdem ist der Reiz, der durch das Computerprogramm ausgelöst wird, stark genug, um die Phobie anzusprechen. Wer also krankhafte Angst vor Spinnen hat, bekommt auch vor dem Bildschirm nasse Hände und Herzrasen, wenn er in dem virtuellen weißen Zimmer steht, in dem sich gleich mehrere der Kriechtiere aufhalten. "Angst ist nicht rational", erklärt Zwanzger. Sie habe nichts damit zu tun, wie realistisch eine Situation sei.

Dass die Therapie in der Virtuellen Realität wirkt, zeigen Studien von verschiedenen Forschungsgruppen weltweit, erklärt Julia Diemer. Die Diplom-Psychologin schreibt an Ihrer Doktorarbeit über die Virtuelle Realität. Sie kann gemeinsam mit Zwanzger wertvolle Forschungsergebnisse aus den Therapiesitzungen ableiten, denn alle Patienten befinden sich unter gleichen Bedingungen in der angstbesetzten Situation. Begleitet ein Therapeut seinen Patienten in dessen Keller, um die Spinnenangst zu bekämpfen, ist die Situation immer unterschiedlich - schlechte Voraussetzungen für Forscher, die auf exakt gleiche Studienbedingungen angewiesen sind.

Und so können die Ärzte der UKM-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie treiben die Forschung weiter voran und helfen gleichzeitig Patientinnen und Patienten auf unkonventionelle Weise, die an einer Phobie leiden. Denn nicht jeder ist so mutig wie Johann Wolfgang Goethe, der unter Höhenangst litt und sich selbst therapierte, in dem er trotz seiner Phobie immer wieder hohe Gebäude und Kirchtürme aufsuchte. "Da nicht in jedem von uns ein Goethe steckt, scheint mir unser Angebot dann doch praktikabler", schmunzelt Zwanzger.

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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