Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovative Therapie einer bösartigen Blutstammzell-Erkrankung

03.09.2015

Das Eiweiss „Telomerase“ gezielt stoppen: Eine Forschungsgruppe am Inselspital Bern schafft damit die Grundlage zur Therapie einer lebensgefährlichen Überproduktion von Blutplättchen. Das New England Journal of Medicine berichtet über den Meilenstein in der Behandlung der häufigen Blutkrankheit „ET“.

Prof. Dr. med. Gabriela Baerlocher, Stv. Chefärztin der Universitätsklinik für Hämatologie und des Hämatologischen Zentrallabors am Inselspital Bern, kam – basierend auf vorangegangenen Forschungsergebnissen ihres Teams – auf die Idee, mit einem neuartigen Wirkstoff direkt das Eiweiss Telomerase zu hemmen, das zur starken Vermehrung der Blutplättchen bei „ET“ beiträgt.


Prof. Gabriela Baerlocher vom Inselspital Bern im hämatologischen Stammzelllabor.

Tanja Läser, Inselspital, Universitätsspital Bern

Dafür benutzte sie den Telomerasehemmer Imetelstat. Dieser neuartige Wirkstoff wurde von der amerikanischen Firma Geron Corporation entwickelt und wird nun in Zusammenarbeit mit Janssen Biotech, Inc. in Studien weiter evaluiert. Der Forschungsbericht erschien im renommierten New England Journal of Medicine.

Erfolgreiche Pilotstudie

In einer Pilotstudie, an welcher neben dem Universitätsspital Bern die Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt, das Universitätsklinikum Essen, die Universität Chicago, die Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore sowie die Hämatologie der City of Hope in den USA beteiligt waren, wurden 18 Patienten mit essentieller Thrombozythämie (ET) aus der Schweiz, Deutschland und den USA mit der neuen Substanz behandelt. Sie hatten auf andere Medikamente nicht angesprochen oder diese nicht vertragen.

Bereits nach ein bis zwei Monaten normalisierte sich bei allen Patienten die Anzahl der Blutplättchen. Auch die Anzahl defekter plättchenproduzierender Zellen im Knochenmark nahm unter der Behandlung ab, wie die Forschungsgruppe anhand von molekularen Markern zeigen konnte.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen der Therapie gehörten Müdigkeit, Darmbeschwerden, Blutarmut sowie ein Anstieg der Leberwerte, welche sich aber nach Therapieende wieder normalisierten. Damit gelang dem Team um Gabriela Baerlocher und der Humangenetikerin Elisabeth Oppliger Leibundgut erstmals eine spezifische Therapie einer Ursache der ET. Bisher konnten Betroffene lediglich symptomatisch behandelt werden.

Vielversprechender Therapie-Ansatz

Die Telomerase stattet die Krebszellen mit einem unendlichen Vermehrungspotential aus und macht sie resistent gegen herkömmliche Krebstherapien. Der neue translationale Ansatz hemmt gezielt die Produktion bösartiger Zellen, während gesunde Zellen erhalten bleiben. Das innovative Berner Therapieprinzip zur gezielten Bekämpfung der Krankheit wird künftig auch bei anderen bösartigen Blutkrebsarten geprüft werden.

Essentielle Thrombozythämie ist eine häufige chronische Blutkrankheit: Weltweit sind etwa 3 von 10‘000 Personen betroffen; das Berner Inselspital behandelt jede Woche 3-6 Patienten mit diesem Krankheitsbild. Die Stammzell-Erkrankung des blutbildenden Systems ist charakterisiert durch eine übermässig grosse Anzahl von Blutplättchen. Daraus folgt ein Risiko für lebensgefährliche Blutgerinnungsstörungen wie innere Blutungen oder Thrombosen. Die Krankheit kann sich auch zu einer akuten Leukämie entwickeln.

Studie: Telomerase inhibitor imetelstat in patients with essential thrombocythemia, Gabriela M. Baerlocher, M.D., Elisabeth Oppliger Leibundgut, Pharm.D., Oliver G. Ottmann, M.D., Gary Spitzer, M.D., Olatoyosi Odenike, M.D., Michael A. McDevitt, M.D., Ph.D., Alexander Röth, M.D., Michael Daskalakis, M.D., Bart Burington, Ph.D., Monic Stuart, M.D., and David S. Snyder, M.D., N Engl J Med 2015; 373:920-928, September 3, 2015: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1503479

Weitere Auskünfte für Medienschaffende:

Prof. Dr.med. Gabriela M. Baerlocher, Stv. Chefärztin, Universitätsklinik für Hämatologie und Hämatologisches Zentrallabor, Email: GabrielaMaria.Baerlocher@insel.ch.

Weitere Informationen:

http://www.hzl.insel.ch/de/

Monika Kugemann | Universitätsspital Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten